Schopfheim Große Performance-Reise war der Hit

Markgräfler Tagblatt

Begegnungstag im Kleinen Wiesental: Viel geboten war beim Kultur-Parcours „Offene Höfe“ und einem festen Programm mit Tanz, Theater, Musik, Literatur und Kunst - ein gelungenes Experiment.

Von Jürgen Scharf

Kleines Wiesental. „Die Sonne kommt!“. Pilar Buira Ferre, Hausherrin vom Rosenhof und Mitinitiatorin des Kultur-Parcours „Offene Höfe“, war am Sonntagmittag die Erleichterung anzumerken. Hatte es doch am Morgen „Wasser ohne Ende“ bei einem starken Gewitterregen gegeben. Und was wäre eine solche Outdoor-Veranstaltung in der Natur ohne einigermaßen schönes Wetter?

Für Schönwetter sorgten allemal die teilnehmenden Künstler, Musiker, Tänzer, Autoren, Maler und Töpfer. Bei so viel Kultur war zu verschmerzen, dass das Plateau an diesem Tag nicht unbedingt die Sonnenterrasse des Kleinen Wiesentals war. Schon bei der Eröffnung im Rosenhof mit Lyrik und Musik war die Stimmung auf dem Höchststand.

Hinter der Idee des Kultur-Parcours – ein Pilotprojekt, wie man es hier noch nie gemacht hat - steckt der Gedanke, dass im Wiesental mehrere Künstler wohnen und es nach Worten von Pilar Buira Ferre an der Zeit gewesen ist, dass sie ins Gespräch kommen. Mit dem Stationenweg von einem Spielort zum anderen sollte das künstlerische Schaffen auf dem Bergrücken verbunden werden und das Publikum eine „große Reise“ (auf einer Strecke von nur acht Kilometern) unternehmen.

Ein schönes Konzept: Künstler öffnen ihr Haus - nicht selbstverständlich. Angestrebt wurde ein bewusstes Miteinander aus Kultur, Mensch, Natur und Kulinarik. Der in Hohenegg lebende Lyriker Markus Manfred Jung sprach über Muettersproch, aber auch über einen Spätsommertag, über Corona und Abstand und den Friedhof in Ried, einem der schönsten Plätze in der Gegend.

Jung rezitierte auch ein atmosphärisch waberndes Nebelgedicht, das durch die musikalische Untermalung von Kilya Vogel-Buira und Ben Meech noch an Stimmungsdichte gewann. Das im Wiesental beheimatete Liedermacherduo sang englischsprachige Lieder und begleitete auch Nicole Keilbach-Schmittel, die von der „Außenstelle des Kleinen Wiesentals“, aus Gresgen, gekommen war und neue Gedichte, Gedanken und Hintergedanken über das Leben, den Klimawandel, das Wasser und das Meer vortrug und ihre Verse „Wenn i goh ­muess“ anrührend sang.

Dieser Beginn im offenen Rosenhof war, um mit Ben Meech zu sprechen, „nice“, sehr schön, stimmungs- und liebevoll. Ein wunderbarer Moment stellte sich ein, als das „Hofquartett“ M.M. Jungs Strophen aus „Mänkmol“ intonierte. Höhepunkt war das alemannisch-englische „Mitnander / Together“ gemeinsam mit dem Publikum: „So gern ha wird i de Tag“. Das könnte ein richtiger alemannischer Hit werden und die Mundartcharts stürmen.

Bevor es Lunchpakete, auf gut alemannisch „Vespersäckle“, von der Sennhütte gab, hieß das Motto noch: Spannen und Loslassen. Die Berliner Tänzerin Melissa Kieffer, die vor einem Jahr beim Tanzfestival gastierte, bezog den ganzen Hof ein, wickelte sich zwischen Tor, Laterne und den Bäumen mit langen Bändern ein und wieder aus. Die Solo-Performance, noch im Entstehen, ein Work in progress, inspiriert von einer legendären Pionierin der ab­strakten Malerei, war sehr ausdrucksvoll.

Ebenfalls ein eindrückliches Solo bot der Schauspieler Elias Füchsle vom Theater Tempus fugit, der den „Steppenwolf“ von Hermann Hesse als Ein-Mann-Theater in einer urigen Scheune beim Adler in Ried aufführte.

Den ganzen Nachmittag konnten sich die Besucher außerdem zwei Ausstellungen anschauen. Die Malerin Bettina Bohn hatte rund um ihr 200 Jahre altes Bauernhaus, im überdachten Schopf, auf der Veranda, dem Brunnenplatz, im ehemaligen Stall, auf dem offenen Gelände sowie vor und im angrenzenden Wald ihre Gemälde, anthropomorphe Objekte aus Fundstücken und Torsi aus Naturmaterialien zum Thema „Mensch - Natur“ aufgebaut. Besondere Wirkung machten die Bilder an Bäumen im Waldstück und der Adler, der am Schopf seine Schwingen ausbreitete.

Vor dem Mischwald, einem schönen Platz, fast ein Meditationsbereich, hatten Frank Hedtke und Monika Albrecht ihre Stände mit keramischen Gefäßen und Töpferware aufgebaut. Nur eine kleine Wegstrecke entfernt im Kulturhaus Ried zeigten Christa und Reinhard Roser anhand einer Gegenüberstellung von stimmungsvoller Malerei und Fotografien, wie schön das Naturparadies und Ausflugsziel Nonnenmattweiher ist.

Das abschließende Barockkonzert in der Kapelle Ried mit dem Trio Violacea war wie die Summe eines Tages voller Eindrücke, Farben, Formen, Klängen und Worten. Die Geiger Johannes Frisch und Michelle Party, unterstützt von Louisa Acabo am Cembalo, reisten durch die Barockzeit und verschiedene Länder. Ein Tag der Entschleunigung, der in zwei Jahren seine Fortsetzung finden soll.

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