Schopfheim Herkulesarbeit von zeitlosem Wert

Schopfheim - Historische Fundgrube und Kalender des Zeitgeistes zugleich: Das Jahrbuch der Stadt hat viele Gesichter und ist von Wert nicht nur für die jetzige Generation, sondern auch für die künftigen.

Das ist bei der 36. Ausgabe für das Jahr 2020 nicht anders, die Klaus Strütt – ihr geistiger Vater, ihr konzeptioneller Kopf und unermüdlicher Autor – am Freitag im Rathaus vorstellte.

„Es war ein Jahr ganz im Zeichen von Corona“, bilanzierte Strütt. Das öffentliche Leben lag über einen langen Zeit zwar darnieder, das Jahrbuch erschien trotzdem – die Pandemie drückte dem gut 300 Seiten starken Band freilich ihren Stempel auf. „In der Chronik erscheint jeden Tag das Wort Corona“, erklärte Strütt.

Wie die Pandemie das Leben in der Markgrafenstadt veränderte, beschreibt in einem ausführlichen Beitrag denn auch der Journalist Nicolai Kapitz. Zum Gedenken an die Opfer des Virus fügt Klaus Strütt am Schluss des Jahrbuchs zudem das Bildnis einer Trauernden von einem Grabstein auf dem Schopfheimer Friedhof ein.

Jenseits von Corona hat das neue Jahrbuch indes auch sonst jede Menge Lesenswertes zu bieten. Klaus Strütt zum Beispiel beschäftigt sich mit der fast 130 Jahre alten Geschichte des ehemaligen Bezirksamts.

„Alle kennen das Gebäude am Marktplatz, nur die wenigsten wissen etwas über seine Geschichte“, betonte der Autor und fügte hinzu: „Wer weiß denn heute noch, dass Schopfheim einen eigenen Landrat hatte?“

Im Rahmen seiner „Riesenrecherche“ durch Archive in ganz Deutschland grub Klaus Strütt die Namen und die Lebensläufe aller insgesamt 15 Amtsmänner und drei Landräte aus, die in dem Gebäude zwischen 1810 und 1938 jemals das Sagen hatten.

Dass vor allem Kapital aus Schopfheim den wirtschaftlichen Aufschwung und die Industrialisierung der Nachbargemeinde Wehr erst möglich machte, beleuchtet Reinhard Valenta in seinem Artikel. Er wolle sich gar nicht vorstellen, was aus dem einstigen Dörflein jenseits der Eichener Höhe ohne das Geld aus dem Wiesental (nicht) geworden wäre, gestand der frühere Kulturamtsleiter der Stadt im Wehratal.

Zum Thema „Die Fasnacht in Schopfheim“ steuert Jeannot Weißenberger einen Artikel bei, in dem er die Zünfte und Zinken in der Markgrafenstadt detailliert in Text und Bild vorstellt.

Museumsleiterin Ulla K. Schmid berichtet von der ersten vegetarischen Gaststätte in Schopfheim – der „Graschuchi“ der Familie Pflüger in der heutigen Bannmattstraße.

Mit der NS-Zeit in der einst selbstständigen Gemeinde Wiechs beschäftigt sich Ino Hodapp. Der Ortsvorsteher des Dinkelbergdorfes beweise „großen Mut“, indem er „Ross und Reiter“ nenne, betonte Klaus Strütt. In anderen Teilorten sei das leider bisher nicht der Fall.

Zum 80. Geburtstag von Klaus Schubring liefert Hans Ulrich Seeber eine Würdigung.

Klaus Strütt nutzte die offizielle Vorstellung im Rathaus, um auch den beiden örtlichen Zeitungen zu danken, deren Berichterstattung die Grundlage für seinen ausführlichen Tagesspiegel liefere. Nicht nur als Chronist hoffe er, dass der Stadt die beiden Redaktionen und damit auch die Pressevielfalt erhalten bleibe.

Als „Nachschlagewerk von hohem Wert“ lobte Bürgermeister Dirk Harscher das Jahrbuch und wünschte sich im gleichen Atemzug, dass Klaus Strütt seine Arbeit noch möglichst lange fortsetzen kann. „Ohne das Jahrbuch würde viel historisches Wissen verloren gehen“, so das Stadtoberhaupt, der in seinen Dank auch die Autoren einschloss.

Von einer „Herkulesarbeit“ sprach Jürgen Sänger im Zusammenhang mit dem Jahrbuch. Der zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung formulierte die Hoffnung, dass Klaus Strütt die Reihe noch „viele Jahre“ fortsetzen kann. Der neue Band liefere wieder einmal „viele neue Erkenntnisse“, speziell in Bezug auf das ehemalige Bezirksamt. Er selbst habe dort sein Büro und bisher nicht gewusst, in welch geschichtsträchtigen Mauern sich dieses befinde, so Sänger.

Weitere Informationen: Das Jahrbuch 2020 ist erhältlich bei der Regio-Buchhandlung. Bestellscheine lassen sich auf der Homepage der Stadt (www.schopfheim.de) herunterladen. Der Preis beträgt unverändert 18 Euro, im Abo 15 Euro.

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