Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Tequila ist nicht nur ein alkoholisches Getränk, das sich bei Zimmertemperatur entfaltet und mit Salz genossen wird. „Tequila and Salt“ ist auch ein hochprozentiges Klavierstück von Freiburger Jazzpianisten Johannes Mössinger, der am Samstag zum dritten Mal in klassischer Jazztrio-Formation nach Schopfheim zur „Jazz Night“ kam, dem swingenden Ableger von „Klassik im Krafft-Areal“. Und natürlich brachte er auch „Tequila“ mit.

Mössinger vertont gerne tatsächliche Begebenheiten und im Falle des mexikanischen Agave-Brands, den er auf seiner neuesten Solo-CD „Poetry“ drauf hat, erzählt er dem Publikum die Vorgeschichte: Also, da klingeln doch abends bei Johannes Mössinger, während der an einer reichlich komplizierten Komposition tüftelt, zwei Frauen und fragen nach Salz für Tequila. In diesem Augenblick weiß er, wie er sein Stück weiterschreibt und nennt.

Dieses auskomponierte, unbegleitete Solostück (der Jazzkomponist spielt es nach Noten) ist ein betont rhythmisches, perlendes. Mössinger, der zu den wichtigsten Jazzpianisten gehört, gibt sich auch als Leader seines Trios mal rhythmisch, mal lyrisch. Die Themen aus dem Johannes Mössinger-Songbook haben hübsche Namen wie „Chocolate Army“, „Dance with her“ oder „North Africa“ – Titel, die er schon mit seinem New Yorker Trio eingespielt hat.

Das akustische Konzert war (bis auf den Bass) unplugged, also unverstärkt, und das passt zu Mössingers Stil eines kultivierten Kammerjazz in Richtung kammermusikalischem Bebop. Der „Opener“ klingt noch etwas herb und streng, aber so sollte es nicht weitergehen, die Musik wird zunehmend freundlicher. Die Klavier-Intros klingen cool, wie eine Mischung aus verschiedenen Stilelementen, nach Debussy, Schönberg und Thelonious Monk. Mössinger ist ein kreativer und eigenwilliger Session-Musiker, der sich mal verträumt romantisch, mal funky gibt, immer mit einem klaren Sound, federndem Rhythmus, präzisem Timing, makellos swingend.

Nur gelegentlich neigt sein rasanter Drive dazu, die schönen Melodien und kühn harmonisierten Songs der sonst genau strukturierten Stücke etwas zu verwischen. Als Pianist bevorzugt er Steinway und den Flügel in der Fahrnauer Tonhalle mag er besonders gern. So kann er raumgreifend, kontrastreich und spannend die Eigenkompositionen mit seiner Rhythmusgruppe in schönsten Augenblicks-Improvisationen frei entwickeln.

Schlagzeuger Bastian Jütte langt hinter seiner „Schießbude“ kräftig auf die Becken, spielt im ersten Set ein stark akzentuiertes Schlagzeug und heizt den Zuhörern bei einem spektakulären Intro mit trockenen Trommelschlägen derart ein, dass einige aufstehen, um ihn in Aktion besser zu sehen. Unbeirrt davon geht Sideman Thomas Lähns am Kontrabass seinen Weg, auch mit experimentelleren Klängen, und spielt die Unisonostellen mit dem Klavier mit. Und so swingt und groovt dieser Abend bei „Painting in Blue“, rutscht nie in Mainstream ab und folgt seiner eigenen musikalischen Logik. u  Mehr Infos unter www.klassik-im-krafft-areal.de