Schopfheim Immer auf das Zeitungsdatum schauen

Der Eichener See. Foto: Archiv Foto: Markgräfler Tagblatt

Betr.: Anekdote zum Eichener See – das hier Erzählte ereignete sich zu Beginn der 50er Jahre.

Meine Eltern, vor allem mein Vater, haben uns zwei Buben oft von dem Phänomen Eichener See - mal steht er unter Wasser, dann verschwindet der See wieder - erzählt. Er versprach uns, wenn der See wieder zum Vorschein kommt, dann schauen wir uns das an.

Über einen Zeitungsbericht wurden wir vom Austritt des Eichener Sees informiert. Nun wollten wir an einem Sonntag diese Sehenswürdigkeit beschauen. Außer vielleicht mit Fahrrädern war damals im ganzen Dorf kaum jemand mit Motorfahrzeugen mobil. Da sind wir früh am Sonntagmorgen, Mutter, Vater und wir zwei Buben, voller Vorfreude von Tüllingen zum Bahnhof in Lörrach gelaufen, von dort mit dem Zug nach Schopfheim gefahren und eben dann weiter zu Fuß nach Eichen gelaufen.

Mein Vater erzählte uns Buben überschwänglich von diesem immer mal wiederkehrenden Naturereignis. Seine geologischen Kenntnisse waren ja nicht gerade wissenschaftlich fundiert, aber wir hörten gespannt zu und waren voller Erwartung.

In Eichen wohnten auch Verwandte von uns, welche wir bei dieser Gelegenheit auch besuchen wollten. Für diesen Besuch hatten wir natürlich zwei Flaschen „Tüllinger“ und selbstgebackenen Kuchen im Rucksack dabei. Bevor wir auf die Eichener Höhe zur Doline des Sees gelaufen sind, sind wir bei den Verwandten eingekehrt. Von diesen wurden wir freudig begrüßt und gefragt, was führt euch zu uns?

Ja, wir wollen den See beschauen und dabei euch einen Besuch abstatten. Die Verwandten lachten lauthals und sagten, der See ist nicht draußen! Mein Vater, ja, aber es stand doch in der Zeitung. Habt ihr nicht auf das Zeitungsdatum geschaut, erster April, das war ein Aprilscherz.

Betroffen nahmen meine Eltern die auch für uns Buben sehr ernüchternde Nachricht entgegen.

Es wurde dann doch noch ein schöner Nachmittag. Der hochbetagte Opa hat uns in Bezug auf den See schöne Geschichten und Fabeln, in denen auch die Erdmannshöhle mit den Zwergen nicht ausgelassen wurde, erzählt. Die Erwachsenen erzählten bei Kaffee und Kuchen von ehemaligen Verwandtschaftsereignissen.

Nach diesem doch noch sehr schönen Sonntag gingen wir wieder zu Fuß zum Bahnhof nach Schopfheim und von Lörrach ebenfalls per pedes nach Tüllingen. Seit dieser Zeit las mein Vater immer das Ausgabedatum zuerst, um nicht wieder auf eine Zeitungsente hereinzufallen.

Helmut Ruser

Lörrach

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