Schopfheim Integrationslotse bleibt an Bord

Sprachkurse gehören zu einer gelungenen Integration dazu. Foto: dpa / Rumpenhorst

Kein Zweifel besteht daran, dass der Caritasverband Lörrach mit seinem Integrationsprojekt „Stadtteileltern“ unverzichtbare Arbeit leistet. Trotz einer Reihe von Fragen zum Thema war den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses klar, dieses Projekt auch weiterhin zu unterstützen und es mit 10 000 Euro jährlich kofinanzieren zu wollen.

Von Petra Martin

Schopfheim. Wie wichtig eine gelingende Integration von Flüchtlingen beziehungsweise Migranten ist, machte der Caritasverband bei der Sitzung deutlich: Ziel sei das Wegfallen von Transferleistungen für Flüchtlinge, das Erlernen der deutschen Sprache und die Arbeitsvermittlung.

Bei dem Projekt „Stadtteileltern“ kümmern sich Menschen mit Migrationshintergrund um Flüchtlinge oder Migranten – sie wissen selbst, wie schwer es ist, in einem fremden Land anzukommen und sich einzuleben, welche Hürden es gibt und wie sie bewältigt werden können.

Im Oktober 2020 begann das Projekt in Schopfheim. Es gebe bis zu 80 Klienten, wie Reinhard Zahn, Fachbereichsleiter Migration & Integration bei der Caritas, informierte. Taufik Alhamoud, der diese Klienten betreut, breche hier alle Rekorde.

Alhamoud, dessen Muttersprache Arabisch ist, lebt seit 23 Jahren in Deutschland und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Schon seit 2014 betreut er das „Stadtteileltern“-Projekt, das in Lörrach begann. Er war auch im Sozialdienst für die Flüchtlingsunterkunft in Fahrnau tätig und hat somit reichlich Erfahrung, kann den Flüchtlingen die deutsche Kultur näherbringen und erläutern, welches Recht hierzulande gilt – und ist zudem bestens mit etlichen zuständigen Stellen, Integrationsdiensten und für den Fall aller Fälle mit Jugendamt, Polizei und Ärzten vernetzt, wie er eindrucksvoll schilderte.

Die zu betreuenden Nationalitäten, die am meisten vorkommen, sind Syrer, Afghanen (hier: Zunahme von Flüchtlingen aufgrund der aktuellen Lage), Afrikaner (Schwerpunkt: Gambia) sowie aus der EU (Italien, Bulgarien und Rumänien).

Zu den Leistungen, die die „Stadtteileltern“ erbringen, gehört unter anderem das Ausfüllen von Anträgen, die Begleitung bei Behördengängen, Arztbesuchen und zu Einrichtungen wie Kindergärten sowie Dolmetscherdienste. „Die Stadtteileltern sind Integrationslotsen, Brückenbauer für die Zivilgesellschaft, Assistenten der Beratungsdienste, und sie sind aus Schopfheim nicht mehr wegzudenken“, unterstrich Caritas-Migrationsexperte Reinhard Zahn bei der Sitzung des Verwaltungsausschusses. Durch Corona indes habe es viele Einschränkungen gegeben.

Brückenbauer für die Zivilgesellschaft

Trotzdem stehen die Ziele für die Zukunft fest: Der Caritasverband wünscht sich hier die Harmonisierung von Standards, die Ausweitung des Angebots auf den ländlichen Raum und die Institutionalisierung. Sprich: Das Angebot soll kein Projekt mehr sein, dann würden Befristung und Verlängerung wegfallen.

Doch könne das Angebot nur dann geleistet werden, wenn der Landkreis den Fortbestand auch weiterhin durch die Übernahme von 50 Prozent der Gesamtkosten sichere, also ebenfalls 10 000 Euro beisteuere.

Ein echtes Problem stelle etwa die Ertüchtigung von Frauen und Mädchen dar, zum Beispiel weil bei Sprachkursen keine Kinderbetreuung angeboten wird, aber auch die von Männern, wie betont wurde. Es hieß, die Zentrale für politische Bildung habe das „Empowerment“ von Frauen unterstützt, die Zuwendung aber eingestellt.

Ein Problem sei auch, dass Menschen ohne Bleibeperspektive oft noch jahrelang im Land sind, aber nicht arbeiten dürfen; für sie gibt es kaum Hilfe.

Zu Beginn der Sitzung hatte sich Sabine Schmelzer vom Schopfheimer Arbeitskreis Integration zu Wort gemeldet: Das niederschwellige Angebot des Caritasverbands sei „toll“, Taufik Alhamoud als „Native Speaker“ bekannt und erfolgreich tätig, weshalb der AK Integration um eine Verlängerung des Projekts bitte.

Reinhard Zahn vom Caritasverband sagte, die Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Integration sei sehr gut und unterstützend, ebenso hervorragend sei die Kooperation mit Fachgruppenleiter Patrik Bender von der Stadt Schopfheim.

Bürgermeister Dirk Harscher dankte dem Caritasverband und ebenfalls seinem Mitarbeiter Patrik Bender. „Er genießt meinen höchsten Respekt“, lobte Harscher.

Der Verwaltungsausschuss bejahte die weitere Finanzierung und somit den Fortbestand des Projekts „Stadtteileltern“ über den Caritasverband für den Landkreis Lörrach und beschloss, für die Haushaltsjahre 2022 und 2023 jeweils 10 000 Euro in den Haushaltsplan aufzunehmen. Der Caritasverband übernimmt die Sach- und Materialkosten in Höhe von rund 1500 Euro pro Jahr. Der Beschäftigungsumfang ist mit 0,5 Stellenanteilen beim Caritasverband angesiedelt und wird in diesem Umfang fortgeführt.

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