Schopfheim Kanal leer in „Klein-Venedig“

Markgräfler Tagblatt

Wasser marsch: So einfach wie bei der Feuerwehr ist das beim so genannten Seitenkanal im Bifig leider nicht. Das mussten die Anwohner am Donnerstagnachmittag bei einem Ortstermin mit Bürgermeister Dirk Harscher zur Kenntnis nehmen.

Von Werner Müller

Schopfheim . Nicht nur, dass der künstliche Bachlauf zu diesem Zeitpunkt wieder einmal staubtrocken war. Die Vertreter der Stadtverwaltung machten auch klar, dass eine dauerhafte Bewässerung sehr problematisch sei. Der Grund: chronischer Wassermangel in Wiese und Gewerbekanal.

Die Stadt will dem künstlichen Gewässerlauf, der nicht nur bei Niedrigwasser in Wiese und Gewerbekanal ständig trocken fällt und dabei geschützte Fischarten und Kleinlebewesen in Lebensgefahr bringt, das Wasser deshalb ein für allemal abdrehen und statt dessen „naturnah“ bepflanzen (wir berichteten).

Nach einem entsprechenden Beschluss des Gemeinderats im Sommer liefen die Anwohner indes Sturm, eine von ihnen, Manuela Heitzmann, sammelte 225 Unterschriften, übergab sie dem Bürgermeister und verlangte, die Entscheidung zu überdenken und den Bach zu erhalten.

Doch das ist wohl einfacher gesagt als getan. „Wir haben im Seitenkanal oft Probleme mit dem Wasserstand“, erklärte der Bürgermeister den Anwohnern. Bei den häufigen Schwankungen drohten jedes Mal geschützte Fischarten wie das Bachneunauge zu sterben. Sie mithilfe der Fachleute des Angelsportvereins zu retten, sei schwierig – und vor allem bei akuten Störfällen nicht immer rechtzeitig möglich.

Das war beispielsweise im Januar der Fall – kurioserweise bei Hochwasser in der Wiese. Um den Gewerbekanal und dessen Kraftwerke vor Schäden zu bewahren, drosselte das Hammerwehr seinerzeit die Wassermenge, mit der Folge, dass der höher gelegene Seitenkanal trocken fiel und zum Teil geschützte Fischarten in großer Zahl verendeten.

In der Regel aber, so das Stadtoberhaupt, bekomme der Gewerbekanal nicht mehr genug Wasser von der Wiese. Deshalb bleibe der Seitenkanal im Bifig im Sommer normalerweise von April bis Oktober trocken. „Wir würden den Bach ja liebend gern erhalten“, versicherte Dirk Harscher. Doch bis jetzt gebe es dafür noch keine praktikable Lösung.

„Wir müssen den Seitenkanal mehrfach im Jahr abfischen“, bestätigte Bruno Imbery vom Angelsportverein. Das sei jedes Mal mit „hohem Aufwand“ verbunden. Nach seinen Worten führt die Wiese immer weniger Wasser, auch jetzt, nach einem relativ regenreichen Sommer, sei der Pegelstand sehr niedrig. Unter anderem, so Imbery, fehle dem Fluss der Nachschub aus den trockenen Wäldern.

„Unser Problem ist: Wir können das Wasser in der Wiese und im Gewerbekanal nicht beliebig teilen“, erklärte Remko Brouwer vom Tiefbauamt der Stadt. Für die Kraftwerke müsse eine festgelegte Mindestmenge übrig bleiben. Neben dem Bifigkanal litten beispielsweise auch das Wuhr im Stadtpark, der Bach am Eisweiher oder der Brunnen im Pflughof darunter. Das sei auch eine Folge des Klimawandels.

Wasser ist Mangelware

Im Gegensatz zu anderen Bächen sei der Seitenkanal kein „natürliches Gewässer“, erklärte Brouwer. Deshalb dürfe die Stadt es im Notfall stillegen.

Tatsächlich war der Kanal einst für die Wärmepumpe der Heizzentrale im Bifig zuständig, die allerdings längst nicht mehr in Betrieb ist.

Niedrigwasser wie derzeit sei „nicht die Regel“, widersprach Manuela Heitzmann namens der Anwohner. Auch das Fischsterben im Januar sei ein „absoluter Ausnahmefall“ gewesen. „Wir wollen unseren Bach behalten“, sagte sie und erteilte der geplanten Bepflanzung eine Absage – zumal diese auch hohen Pflegeaufwand erfordere.

Sie und andere Anwohner befürchten zudem, dass ihr Quartier sich dann erst recht in das „Hundeklo von Schopfheim“ verwandele und vom viel gepriesenen „Klein Venedig“ nichts mehr übrig bleibe.

Sie nahm eine Idee von Bruno Imbery auf, der vorgeschlagen hatte, die Mauer am Eingang des Seitenkanals ein Stück weit zu öffnen, so dass Wasser vom Gewerbekanal zumindest in das erste kleine Einlaufbecken fließen kann.

„Damit lösen wir das Problem im hinteren Bachbereich aber nicht“, entgegnete Remko Brouwer. Er warb statt dessen für die Bepflanzung des Kanalstrangs, die so ausgelegt sei, dass sie keinen hohen Pflegeaufwand erfordere. „Das ist immer noch schöner als ein trockener Kanal“, meinte er.

Bürgermeister Dirk Harscher versprach den Anwohnern zum Schluss, die „Impulse“ aus dem Ortstermin ins Rathaus mitzunehmen und zu prüfen, ob sich nicht doch noch irgendeine Lösung findet, mit der auch die Anwohner leben können. Wenn nicht, bleibt der Kanal in „Klein Venedig“ auf Dauer halt wohl doch leer statt voll.

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