Schopfheim Kehrtwende: Sanieren statt Neubau

Jetzt doch ein Sanierungsfall: die Brücke in Ehner-Fahrnau. Foto: Werner Müller

Schopfheim-Fahrnau - Nach monatelangem Tauziehen jetzt also doch die Kehrtwende: Die Stadtverwaltung rückt von einem Neubau der Brücke in Ehner-Fahrnau ab und schlägt dem Gemeinderat statt dessen vor, was sie bis dato für nicht machbar erklärt hatte – nämlich das Bauwerk lediglich zu sanieren.

Klare Begrenzungen in Sachen Tempo und Fahzeuggewicht nötig

In der Vorlage für die letzte Sitzung dieses Jahres verknüpft sie die Sanierung mit der Maßgabe, „verkehrstechnische Maßnahmen“ zur Reduzierung der Geschwindigkeiten sowie des Gewichts der Fahrzeuge anzuordnen. Außerdem schlägt das Rathaus dem Gremium vor, während der Bauarbeiten den Rad- und Fußverkehr über Dürreweid und Hegne nach Hausen-Raitbach umzuleiten. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich demnach auf insgesamt rund 400 000 Euro.

In der ausführlichen Vorlage für die Stadträte listet die Verwaltung gleich vier Varianten auf - zwei für eine Sanierung (eine mit Umleitung des Radverkehrs und eine mit dem Bau einer zweiten Rad-und Fußwegbrücke) sowie deren zwei für einen Neubau (einmal mit Umleitung des Radwegs, einmal mit Bau einer zweiten Brücke).

Umleitung für Radler über Hegne und Dürreweid

Als „Vorzugsvariante“ firmiert dabei die Sanierung mit Umleitung des Radwegs. Die Verwaltung erinnert an die Vorgeschichte der Brücke, in den 80er Jahren ausschließlich für Fußgänger errichtet und danach als Erschließung zum Golfplatz umgerüstet mit der „strikten Vorgabe“, sowohl die Tonnage auf 3,5 Tonnen als auch die zulässige Geschwindigkeit auf Schritttempo zu beschränken.

Bei Kontrollen habe sich 2018 gezeigt, dass sowohl Stand- als auch Verkehrssicherheit des Bauwerk „erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben seien“, auch weil sich die Autofahrer weder ans Tempolimit noch an die Gewichtsbeschränkungen halten (wir berichteten).

Hürden sollen für Einhaltung des Tempolimits sorgen

Nachdem sie bisher stets für einen Neubau plädiert hatte, spricht sich die Stadt jetzt für eine Sanierung aus, die unter anderem für 100 000 Euro eine neue Beschichtung der Stahldielen sowie eine verbesserte Rutschfestigkeit vorsieht. Dies ändere aber nichts an den bestehenden Einschränkungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Gewicht.

Damit diese künftig besser eingehalten werden, schlage ein Fachbüro vor, die Fahrbahn auf der Westseite der Brücke zu verschwenken, Höhenbegrenzungsbalken und Bremsschwellen zu installieren (die Radspuren aber freizulassen). Kosten: rund 70 000 Euro.

Die Verwaltung weist aber darauf hin, dass bei dieser Sanierungsvariante weder Geschwindigkeiten noch das Gewicht der Fahrzeuge auf der Brücke „definitiv“ zu beschränken seien. Zudem habe die Hauptkonstruktion des Bauwerks eine „begrenzte Lebensdauer“ von rund 20 Jahren. Nach Ablauf dieser Zeit könnte eine neue Instandsetzung für etwa 150 000 Euro erforderlich sein.

Stadt drohen bei Absage des Brücken-Neubaus Schadensansprüche

Die jetzt vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahmen allein kosten laut Schätzung rund 100 000 Euro. Das ist aber nicht alles. So könnten bis zum Abschluss der Arbeiten die Baupreise möglicherweise um 30 bis 40 Prozent steigen. Die Stadt muss zudem rund 120 000 Euro hinblättern, weil sie im Zusammenhang mit den Neubauplänen schon Aufträge vergeben hat. Und außerdem drohen ihr Schadensansprüche eines Energieversorgers in Höhe von rund 85 000 Euro. Denn der hatte mit Blick auf die Neubaupläne bereits eine Verlegung der Gasleitung in die Wege geleitet.

Damit nicht genug. Für die Umleitung des Radwegs muss ein Kfz-Händler am Bahnhof Hausen-Raitbach vorübergehend umziehen – die Kosten für die Betriebsverlagerung in Höhe von etwa 25 000 Euro muss die Stadt ebenfalls übernehmen.

Variante "Sanierung" kostet insgesamt 400.000 Euro

Unterm Strich ergibt das 400 000 Euro für die Sanierungsvariante mit Radweg-Umleitung. Sollte die Stadt zusätzlich zu dieser Sanierung auch noch ein zweite Brücke für Radfahrer und Fußgänger bei der Legi bauen wollen, müsste sie 830 000 Euro hinblättern. Bei einem Neubau der Brücke beim Golfplatz samt Umleitung der Radler wären es 710 000 Euro, bei einem Neubau von zwei Brücken 880 000 Euro.

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