Schopfheim Kein roter Punkt für den Abriss

Schopfheim - Böses Erwachen: Die Stadt darf das denkmalgeschützte Uehlin-Eckhaus doch nicht abreißen. Diese Hiobsbotschaft verkündete Bauamtsleiterin Karin Heining im Gemeinderat.

Die Bombe platzte allerdings eher beiläufig – und auch erst auf Nachfrage aus dem Ratsrund. SPD-Fraktionschef Artur Cremans hatte sich, zum wiederholten Mal, über die seltsame „Funkstille“ in dem seit langem schwelenden Konflikt zwischen Stadt und zuständigen Genehmigungsbehörden gewundert und nach dem aktuellen Sachstand gefragt.

Veto des Baurechtsamts

Da rückte Karin Heining mit der Nachricht heraus, die so überraschend freilich nicht mehr war. Hatte die Fachbereichsleiterin doch schon vor Wochen einmal durchblicken lassen, dass es mit der Genehmigung eventuell nichts wird.

Jetzt ist es nach ihren Worten amtlich. Die Baurechtsbehörde im Landratsamt versagt der Stadt für den beabsichtigten Abriss den roten Punkt – und stützt sich dabei auf ein Gutachten des Landesdenkmalamts, das auf den Erhalt des denkmalgeschützten Eckgebäudes pocht.

Haus B ist zu erhalten

Das bestätigte gestern die zuständige Fachbereichsleiterin Nicole Issler-Burger. Das Eckgebäude, das so genannte „Haus B“, sei aus Denkmalschutzgründen zu erhalten. Für das benachbarte Haus A liege die Abrissgenehmigung bereits vor.

78 Prozent erhaltenswert

Zwar hatte ein Gutachter vor Jahresfrist festgestellt, dass beim Eckhaus nur 43 Prozent der denkmalgeschützten Substanz intakt seien, so Nicole Issler-Burger. Doch im Zuge weiterer Untersuchungen habe sich ergeben, dass von den 57 Prozent der beschädigten Substanz nur 22 Prozent nicht mehr reparabel seien. Unterm Strich also seien nach Dafürhalten des Landesdenkmalamts 78 Prozent der historischen Bausubstanz erhaltenswürdig.

Widerspruch oder nicht?

„Wir haben gegen den Bescheid vorsorglich Widerspruch eingelegt“, betonte Kartin Heining in der Sitzung und kündigte an, der Gemeinderat erhalte zur Juni-Sitzung eine umfangreiche Vorlage samt Ablehnungsbescheid und könne dann entscheiden, wie die Stadt in der Angelegenheit weiter verfahren soll.

Im gleichen Atemzug gab sie indes zu verstehen, dass die Verwaltung dann wohl von einem Rechtsstreit abraten und statt dessen empfehlen werde, die beiden Häuser erneut zum Verkauf auszuschreiben.

Klarer Beschluss

„Das hätten wir vor einem Jahr schon haben können“, gab Jürgen Fremd (Grüne), schon immer ein Gegner des Abrisses, zu Protokoll.

Als „komisch“ bezeichnete Thomas Kuri (CDU die Haltung der Stadt: erst Widerspruch und dann doch nicht? Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den immer noch gültigen, „klaren“ Gemeinderatsbeschluss, die Häuser abzureißen.

Karin Heining erwiderte, es sei nach wie vor Sache des Gremiums, wie es weiter gehen soll. Die Verwaltung mache lediglich Vorschläge.

Bürgermeister Dirk Harscher gab zu bedenken, dass sich ein Widerspruchsverfahren gegen die Ablehnung des Abbruchs womöglich zwei bis drei Jahre hinziehen könnte. Da erhebe sich schon die Frage, ob dies „städtebaulich“ auch der richtige Weg sei.

Behördenwillkür

Artur Cremans zeigte sich „befremdet“ über die Art und Weise, wie die Verwaltung mit der wichtigen Thematik umgeht. Er hätte erwartet, dass sie den Gemeinderat unter dem Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben“ unaufgefordert über den Ablehnungsbescheid informiert. Den SPD-Fraktionschef ärgerte zudem, wie viel Zeit sich das Landesdenkmalamt für die Entscheidung genommen habe. Er sprach erneut von „Behördenwillkür“ und fügte hinzu: „Wir werden vorgeführt“.

Neuer Interessent

Die Stadt hatte bereits vor Jahren den Verkauf der Häuser ernsthaft erwogen und sogar eine Ausschreibung vorbereitet. 250 000 Euro standen als Mindestgebot im Raum. 2016 jedoch legte der Gemeinderat die Sache vorerst auf Eis und nahm Kurs auf einen Abrissantrag.

Falls jetzt doch wieder ein Verkauf in Frage kommt, gebe es mittlerweile mit Roman Bockemühl auch einen ortsansässigen Architekten, der Interesse habe, teilte Jürgen Fremd (Grüne) im Gemeinderat mit.

„Das ist nicht falsch“, bestätigte Bockemühl auf Anfrage. Er habe sich schon immer für die Uehlin-Häuser interessiert, aber bislang keine Kapazitäten dafür gehabt. Der Architekt saniert derzeit die Fabrikgebäude auf dem Areal der ehemaligen Färberei Burkhardt & Schmidt. Er könne sich aber gut vorstellen, im Anschluss so etwas auch bei den Uehlin-Häusern in Angriff zu nehmen.

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