Schopfheim Klarheit und satter Klang

Markgräfler Tagblatt, 13.12.2017 05:41 Uhr

Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau. Es ist fast schon schöne Tradition, dass die Konzertreihe „Klassik im Krafft-Areal“ in der Fahrnauer Tonhalle die Saison mit einem Orchesterkonzert abschließt. Dieses Mal begleitete das Kammerorchester der Philharmonie am Forum Offenburg unter Leitung von Rolf Schilli die Hauspianistin Andrea Kauten in Mozarts berühmtem A-Dur-Klavierkonzert KV 488. Da kamen zwei Dinge zusammen: die Natürlichkeit und Klarheit des Klaviertons und der satte Offenburger Klang.

Als Mozart-Interpretin ist Andrea Kauten bisher noch nicht aufgefallen, ihr Repertoire-Schwerpunkt liegt in der virtuosen Romantik, bei Schumann, Chopin und Liszt. Umso erhellender war jetzt ihr Zugang zu Mozart: Kauten behandelt ihr Instrument mit klar-bestimmtem Anschlag und einem jeu perlé-Spiel voller Eleganz. Dabei lässt sie ihre motorische Energie mit geläufigen Skalen in ihr Mozart-Spiel einfließen.

Perlende Solopassagen in den Ecksätzen, ein mächtig klingender Kopfsatz, ein durchsichtiges Finale und gut ausgearbeitete Kadenzen fallen ebenso auf wie minimalster Pedalgebrauch. So ging keine Note verloren.

Andere große Mozart-Interpreten haben den langsamen Satz, diese traurige Pastorale mit dem berühmten und bekannten Thema, vielleicht noch etwas verinnerlichter ausgehorcht; die Formulierungskünstlerin Kauten vermeidet bei der Durchwanderung dieser Seelenlandschaft expressive oder gar tragische Verdeutlichung, spielt aber gewichtig, mit großem Ausdruck, wie sie das ganze Werk geschlossen, sehr persönlich und sorgfältig artikuliert.

Die Emotionstiefe dieses Mittelteils hat das Orchester gut erfasst, und es kam zu einem Dialog zwischen musikalisch einfühlsamen Partnern. Da verband sich Kautens souveränes Mozart-Spiel mit Schillis kraftvoll abgestuften Mozart-Vorstellungen, gingen Orchester und Klavier eine homogene klangliche Verbindung ein.

Im gut ausbalancierten Zusammenspiel zeigten sich bei Mozart überhaupt die Qualitäten des stattlich mit Bläsern verstärkten Orchesters. Schöne Holzbläserfarben erreichten das Ohr, aber auch nicht ganz intonationsreine Hörner. Im ersten Teil führten die Gäste aus Offenburg noch einen würdevollen, noblen Corelli vor, der mit seinem Opus 6 den Prototyp des barocken Concerto grosso geschaffen hat. Sie erkannten auch den Wert eines frühen Haydn-Divertimentos, gespielt mit aller Frische, und ließen mit Glasunow (Thema und Variationen op. 97) einem eher vernachlässigten russischen Spätromantiker Gerechtigkeit widerfahren.

Passend zur Jahreszeit verabschiedete sich das Kammerorchester aus der Ortenau, das sich in allen Stücken mit feiner Note als harmonischer Klangkörper vorstellte, mit dem amerikanischen Weihnachtslied „White Christmas“ in einem geschmackvollen Arrangement von Rolf Schilli, der Konzertfreunden noch aus seiner Zeit als Dirigent des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach in guter Erinnerung ist.

 
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