Schopfheim Klimax und Wohlklang

Ein gewaltiges Programm mit zwei Klavierkonzerten von Beethoven und Clara Schumann meisterten die Pianistin Andrea Kauten und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau. Ein Vorgriff auf das Beethoven-Jahr und eine Hommage an Clara Schumann zu ihrem 200. Geburtstag – nicht mehr und nicht weniger war das Abschlusskonzert der Saison bei „Klassik im Krafft-Areal“. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim gastierte unter dem jungen Dirigenten Aurélien Bello mit Hauspianistin Andrea Kauten am Flügel, die am Samstagabend ein gewaltiges Pensum absolvierte.

Gleich zwei Klavierkonzerte – wann hört man das schon einmal? Darunter das in diesem Jubiläumsjahr erst so richtig entdeckte Klavierkonzert der 15-jährigen Clara. Zu hören war es in einer historischen Fassung für Streichorchester, bei der die reduzierte kammermusikalische Instrumentation und Besetzung für neue Klarheit und Differenziertheit sorgte.

Die Interpretation ging auf, denn der französische Gastdirigent packte das Werk mit aller Verve, Frische und Lebendigkeit an, bis hin zum Schlusssatz, einer Polonaise, und Andrea Kauten zeigte sich als veritable Gestalterin dieser schönen Musik, deren technisch brillantes Spiel den horrenden Schwierigkeiten gewachsen war. Hörbar wurde dies vor allem im Finalsatz, wo alles in Oktaven notiert ist.

Stimmungen und Klangfarben

Kauten hat sich voll in die Musik begeben und hinein vertieft. Die Fassung für Kammerorchester kam auch dem lyrischen Mittelsatz entgegen, einem Zwiegespräch zwischen Klavier und Solocello (mit warmem Espressivo: Andrea Hanke), in dem es den beiden Musikerinnen gelang, für Zwischentöne, Stimmungen und Klangfarben zu sorgen. Einfühlsam war auch die Begleitung durch das Orchester in den Ecksätzen.

Ungeheuerlichen Vorwärtsimpuls hatte der Beethoven, das erste Klavierkonzert, in dieser Fassung für Streichorchester. Dank der zahlreichen Zuhörer war die Akustik in der ehemaligen Fabrikhalle sehr direkt und plastisch. Das kam der entschlackten Lesart des Dirigenten entgegen. Dieser Beethoven war von klanglichem Ballast befreit, dramatisch zupackend, mit pianistischer Attacke, und auf einen konzertanten Dialog ausgerichtet, der von einer weitgehenden Übereinstimmung von Solistin, Dirigent und Orchester geprägt war.

„Auf einem Klavier auch singen“ wollte der große Beethoven, das hätte seine Interpretin im zweiten Satz noch etwas mehr beherzigen dürfen. Dafür gab es im Scherzando-Rondofinale umso mehr Beethovenschen Furor und einen rhythmisch exakt herausgearbeiteten frühen „Walking Bass“.

Die Pforzheimer gaben aber nicht allein diese konzertante Visitenkarte ab, sondern hatten auch zwei reine Orchesterstücke dabei, in denen sie ihre Klangqualitäten vorführen konnten. In Anton von Weberns spätromantisch-schwelgerischem Satz in Es-Dur ereignete sich eine bemerkenswert expressive Klimax und in Engelbert Humperdincks „Abendsegen“ reiner Wohlklang.

Krönender Saisonabschluss

Dieser krönende Saisonabschluss hatte solche künstlerische Meriten, dass der letzte Satz des Beethoven-Konzerts als Zugabe vom begeisterten Publikum erklatscht wurde. Wirklich erstaunlich, dass sich ein kleiner Veranstalter wie die Anneliese Benner-Krafft-Stiftung ein professionelles Kammerorchester leisten kann – und das schon zum wiederholten Mal.

An diesem Abend lag auch die neue CD von Kauten und den Pforzheimern aus. Das Release-Konzert war schon in Wildbad, doch die Silberscheibe „Clara Schumann & Zeitgenossen“ wurde an diesem Abend offiziell erstmals in Schopfheim präsentiert.

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