Schopfheim Klingende Architektur im Kirchenschiff

Jürgen Scharf
Als „Fremdenführer“ in Sachen Bach agierte Carsten Klomp beim Kirchenmusikfestival Foto: Jürgen Scharf

Zum Auftakt der eigentlichen Orgelkonzerte beim Sommerfestival der Kirchenmusik erklang Bachs Orgelmesse.

Carsten Klomp, in Schopfheim bestens bekannter Kirchenmusiker und ehemaliger Landeskantor, saß wieder einmal am Spieltisch der Schuke-Orgel in der Stadtkirche und spielte ein strenges, aber farbiges Symmetrieprogramm, das vom Organisten viel Souveränität und Virtuosität verlangte – komplex zum Spielen und zum Hören.

Spielmann Gottes

Die Symmetrieachse zeigte sich auf der Rückseite des Programmblatts als grafische Darstellung einer gotischen Kathedrale vom Portal über Haupt- und Querschiff bis zum Chorraum: eine sichtbare Kreuzform. Dieses kathedrale Gebäude hat Johann Sebastian Bach, der Übervater, in seinem Dritten Teil der Clavier-Übung, der sogenannten „Orgelmesse“, als wahrer Spielmann Gottes mit Musik erfüllt. Und zwar mit einer Folge von kunstvollen Choralvorspielen, Katechismusliedern zu den zehn Geboten und großen „Duetten“, eigentlich zweistimmigen Inventionen, die viel zu wenig bekannt sind. Albert Schweitzer vermutete gar, dass diese sonderbaren Duette „aus Versehen“ in die bedeutende Suitensammlung unter dem Generaltitel „Clavier-Übung“ gelangt seien.

Von Klomp erfuhr man an dem speziellen Themenabend viel über dieses Werk. Eine sehr kundige Analyse, mit kongenialem Blick erfasst und an der norddeutsch disponierten Orgel in einem sehr persönlichen, engagierten Stil umgesetzt. Klomp steigt königlich-festlich ein mit dem großartigen Präludium in Es-Dur und beendet sein Recital mit der imposanten Fuge in der gleichen Tonart. In diesem Zusammenhang konnte der Heidelberger Orgelprofessor gleich die Zahl 3 erklären, die in diesem Werk eine mystische Bedeutung hat, beginnend bei der Tonart Es-Dur mit drei „b“.

Werk voller Symbole

Natürlich konnte er nicht den ganzen großen Orgelzyklus vorstellen, das hätte den zeitlichen Rahmen gesprengt, und so unternahm Klomp als „Fremdenführer“ nicht die ganz große Führung, sondern eine kleinere, die aber doch komplett durch die imaginierte Kirche führte. In seiner Exkursion konnte er exemplarisch verdeutlichen, wie Bach Choräle bearbeitet hat.

Als Zuhörer bekam man auch ein Verständnis dafür, dass das Werk voller Symbole für die Dreieinigkeit steckt. Nicht von ungefähr nannte Klomp sein Programm „Klingende Architektur“. Seine Auswahl der Stücke hat dieser Orgelkünstler schlüssig geordnet. Klomps Konzept wirkte geschlossen und folgerichtig, war in Tempo, Spielweise und Registrierung überzeugend und überragend in der musikalischen Einheit. Besonders die rätselhaften Duette und die Choralbearbeitungen gewannen unter seinen Händen großes Format.

Carsten Klomp scheint für die Spezialaufgabe geradezu prädestiniert, dieses Meisterwerk der Musikgeschichte zu durchleuchten und für die erfreulich zahlreichen Zuhörer erklärlich und fassbar zu machen.

Beim nächsten Konzert im Rahmen des Festivals „Klang & Raum“ spielt am heutigen Donnerstag , 19 Uhr, Ekaterina Kofanova in der evangelischen Stadtkirche. Am Samstag beginnt um 20.15 Uhr die Orgelnacht, in deren Rahmen drei Organisten aufspielen. Anders als üblich, wird dabei in diesem Jahr nur die evangelische Stadtkirche bespielt.

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