Schopfheim Kopfrechnen für den Campus

Großes Einmaleins mit Millionensummen: Im Kopfrechnen beweisen musste sich der Gemeinderat, als er in seiner jüngsten Sitzung über das weitere Fortgehen in Sachen Campus bei der Friedrich-Ebert-Schule zu entscheiden hatte.

Schopfheim . Der Grund: Bürgermeister Christof Nitz statuierte gleich zu Beginn der Debatte ein Rechenexempel, um zu verhindern, dass die Räte die Beschlussvorlage vom Tisch wischen. Diese Gefahr bestand durchaus, denn die Verwaltung hatte eine Kostenrechnung vorgelegt, die der einen oder anderen Fraktion sauer aufstieß.

Das hängt mit der Vorgeschichte zusammen: Nach dem Wettbewerb und ersten Kostenberechnungen für den Schulcampus beliefen sich die voraussichtlichen Investitionen auf knapp 30 Millionen Euro. Um das Projekt nicht scheitern zu lassen, sagten Bürgermeister und Verwaltung seinerzeit eine Kostendeckelung auf 23,8 Millionen Euro zu (wir berichteten)

Und nahmen dabei den Mund wohl doch etwas zu voll. Denn bei der jetzt vorgelegten neuen Kostenberechnung summierten sich die Ausgaben immer noch auf 25,5 Millionen Euro – 1,7 Millionen über dem selbst gesetzten Limit. Und auch ein „rechnerischer Kniff“ (Nitz) machte die Sache nicht wirklich besser. Die Verwaltung hatte kurzerhand noch Einnahmen aus Grundstücksverkaufen (SBG-Parkplatz, Hebelschule) in Höhe von 0,9, Millionen Euro hinzugerechnet, um die Bilanz zu

Ohne Aufzug im Altbau

schönen – und es reichte immer noch nicht. „Wir liegen trotzdem 0,8 Millionen Euro über dem Limit“, musste das Stadtoberhaupt in der Sitzung einräumen.

Sprach’s und machte eine neue Rechnung auf, weil er nach eigenen Worten im Vorfeld mitbekommen hatte, dass die Fraktionen wohl nicht mitspielen würden. Christof Nitz schlug vor, auf den ursprünglich mitgeplanten Umbau des alten Schulgebäudes zu verzichten. Das würde die Kosten für den Campus auf 20,9 Millionen senken – also 2,8 Millionen unter der Kostengrenze.

Allerdings müsse man im Altbau einige dringende Maßnahmen anpacken, vor allem die Elektrosanierung und den Brandschutz. Nitz schlug vor, dies so weit voranzutreiben, bis die 2,8 Millionen Euro Reserve aufgebraucht sind.

Verzichten müsste die Stadt dann allerdings auf den eigentlich auch notwendigen Austausch der Fenster und auf den geplanten Aufzug im Altbau. Deshalb müsse die Inklusion im Erdgeschoss stattfinden. Andererseits befinde sich im Neubau ein Aufzug, so dass über diesen auch ein barrierefreier Zugang in den Altbau möglich sei.

„Es ist keine super-optimale, aber immerhin eine 1b-Lösung, die der Schule gerecht wird“, warb der Bürgermeister für seinen Vorschlag.

Die Fraktionen reagierten in Anbetracht der Zahlenspielerei zunächst eher verhalten. Kai Horschig (Freie Wähler) und Artur Cremans sprachen offen von Vertagung. Der SPD-Fraktionschef hätte die „korrigierten Zahlen“ erst einmal gerne auf Papier vor sich gesehen. Seine CDU-Kollegin Heidi Malnati stieß ins gleiche Horn. Auch Hilde Pfeifer-Zäh (Freie Wähler) sprach sich für eine gesonderte Vorlage aus.

Thomas Gsell (SPD) erinnerte daran, dass das Gremium mit so genannten Kostendeckelungen schon so manche Erfahrung gemacht habe und beschwor die Gefahr herauf, „dass die Ausgaben wieder aus dem Ruder laufen“.

Mark Leimgruber (CDU) hingegen bezeichnete den Vorschlag des Bürgermeisters als „plausibel“ und plädierte dafür, ihm zu folgen.

„Das Projekt ist uns so wichtig, dass wir nicht riskieren können, es ganz bleiben zu lassen“, erklärte Schulleiterin Claudia Brenzinger. Natürlich wäre allen ein „städtebaulich großer Wurf lieber gewesen“, sagte sie. Aber bevor das Projekt ganz platze, stimme die Schule den abgespeckten Plänen zu.

Der Bürgermeister bat das Gremium denn auch eindringlich um eine „Tendenzentscheidung“ zumindest dahingehend, im Altbau nur Elektrosanierung und Brandschutz in Angriff zu nehmen und der Verwaltung dann Zeit zu lassen, die „restlichen Zahlen“ vorzulegen. Dafür gab es denn auch eine deutliche Mehrheit.

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