Schopfheim THG ruft die „Zero-Woche“ aus

Schopfheim - Schritte gegen den Klimawandel sind schnell eingefordert, wenn die Adressaten Politiker in Berlin, Washington oder Peking sind. Doch wie sieht es aus, wenn die Maßnahmen zur Energieeinsparung den persönlichen Alltag betreffen? Wenn die Umsetzung bei einem selber liegt?

Genau das wird am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) in der nächsten Woche erprobt. Die Schülermitverwaltung (SMV) sieht hier S chüler m it V erantwortung: Das im Herbst neu gewählte Gremium hat vom 3. bis 7. Februar die „Zero-Woche“ ausgerufen.

Null Strom, kein Fleisch, kein Müll, keine Autofahrten

An jedem Tag werden Lehrer und Schüler auf etwas verzichten, das der Klimabilanz abträglich ist: zero energy, zero meat, zero waste, zero traffic und zero hate, heißt es in dem Schreiben, das die SMV an die Eltern aufgesetzt hat. Also null Strom, kein Fleisch, kein Müll, keine Autofahrten zur Schule und null Beleidigungen oder schlechte Umgangsformen.

Die Initiative „Fridays for future“ bewege vor allem junge Menschen. Deshalb sei bei der SMV die Idee aufgekommen, auch am THG das Bewusstsein für ein nachhaltigeres Leben zu schaffen, erläutert Verbindungslehrerin Julia Lumbe.

Weil es viele unterschiedliche Bereiche gebe, in denen Handeln angesagt sei, habe man sich entschlossen, eine komplette Woche, die Zero-Woche dafür in Beschlag zu nehmen.

Der Unterricht geht indes weiter - bloß ohne Strom und ohne elektronische Geräte. So mancher Lehrer könnte da zum Start der Zero-Woche, am Montag ins Schwitzen geraten: Unterrichten ohne Tablet?

Ungewohnt mag es auch für die Gymnasiasten werden. Zwar herrscht am THG ein Handyverbot, doch viele Schüler hätten ihre Geräte im Flugmodus eingeschaltet, berichtet Julia Lumbe. Am „Zero-energy-Tag“ sollen sie aber auch darauf verzichten.  Auch als Lichtquelle soll das Smartphone nicht dienen. Wenn es ohne Strom am Morgen noch dunkel im Klassenzimmer ist, müssen sich die Schüler anders behelfen: Sie sind aufgefordert, Taschenlampen mitzubringen, „bevorzugt Solar- und Kurbeltaschenlampen“, wie es im SMV-Infoschreiben an die Eltern heißt.

Den Konsum reduzieren

Interessant dürfte es auch am Dienstag werden, wenn auf Fleisch - und damit auch aufs Wurstweckli - verzichtet werden soll. Weder vom Hausmeister noch in der Mensa werden an diesem Tag Fleisch- und Wurstwaren angeboten; Eltern sind gehalten, ihren Kindern an diesem Tag vegetarische Verpflegung in die Schule mitzugeben. „Es basiert alles auf Freiwilligkeit“, betont Verbindungslehrerin Julia Lumbe. So werde Fleischkonsum auch nicht generell verboten. Es gehe vielmehr darum, den Konsum zu reduzieren beziehungsweise auf Herkunft und Qualität zu achten.

Am Mittwoch zielt dann der „zero waste“-Tag auf Müllvermeidung ab. Lehrer sollten an diesem Tag darauf verzichten, Kopien anzufertigen. Auch hier herrscht das Freiwilligkeitsprinzip. Niemand werde sanktioniert, wenn er sich nicht beteilige, unterstreicht Pädagogin Julia Lumbe. Eltern sind jedenfalls aufgefordert, ihren Kindern keine verpackten Lebensmittel mitzugeben. Außerdem findet eine Müllsammelaktion statt. Am Ende des Tages wird der von einer Klasse produzierte Müll gewogen, und die Klasse, die den wenigsten oder gar keinen Müll oder überhaupt keinen Abfall erzeugt, erhält einen Preis.

Alle Aktionen basieren auf Freiwilligkeit

Schulleiterin Claudia Tatsch sitzt in der Jury und kontrolliert persönlich die Klassenzimmer, damit sichergestellt ist, dass dort kein Müll liegen geblieben ist. „Die Unterstützung durch die Schulleitung war von Anfang an vorhanden“, freut sich Verbindungslehrerin Julia Lumbe. Auch die Gesamtlehrerkonferenz habe sich bei der Projektvorstellung kooperativ gezeigt.

Am Donnerstag wird dann besonders an die Eltern appelliert, die in die Zero-Woche einbezogen werden: Sie sollten an diesem Tag ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule fahren. Vielmehr sollten Schüler das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Ein Tag ohne das übliche Verkehrschaos vor der Schule

„Ziel ist es, einen Tag ohne das übliche Verkehrschaos vor der Schule zu erleben“, so die SMV. Julia Lumbe weiß, dass der Verzicht aufs Elterntaxi für weiter entfernt wohnende Schüler schwierig wird. Aber bei einigen handele es sich lediglich um Bequemlichkeit.

Einen Preis gibt es übrigens auch am letzten der Zero-Woche: Am Freitag sollten sich alle Beteiligten Beleidigungen und schlechte Umgangsformen verkneifen, angesagt ist der respektvolle Umgang miteinander. Hier können Schüler nominiert werden, die etwas Gutes getan beziehungsweise sich mit positiven Eigenschaften in Erinnerung gebracht haben.

Es ist spannend: Wird der erhoffte Bewusstseinswandel herbeigeführt werden können - oder ist die eigene Bequemlichkeit stärker als die Bereitschaft zum Verzicht?

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