Schopfheim „Lebensqualität steht an oberster Stelle“

Weckruf von der BI: Mitten hinein in die Auseinandersetzung um die Sperrung der Hauptstraße meldet sich die Bürgerinitiative „Attraktive und verkehrsfreie Innenstadt“ zu Wort – und mahnt, den Blick nicht auf Details, sondern aufs große Ganze zu richten.

Von Werner Müller

Schopfheim . „An oberster Stelle muss eine bessere Aufenthalts- und Lebensqualität stehen“, betonen die BI-Sprecher Uwe Gerber und Andreas Blum. Diesem Gebot habe sich „alles andere unterzuordnen“.

Genau dieses Ziel verfolge die BI seit ihrer Gründung. Insofern sei es schade, dass der Bürgermeister mittlerweile Gespräche über eine bessere Verkehrsführung mit der Gruppierung „kategorisch ablehnt“. Eine gute Arbeit hingegen verrichte der AK Innenstadt, der ein breites Spektrum an Interessen und Meinungen abbilde und akzeptable Empfehlung ausarbeite, so Gerber. Auch die Gespräche der BI mit dem Gewerbeverein laufen nach seinem Eindruck „sehr gut“. „Wir sind uns völlig einig, was das Ziel der Verkehrsberuhigung in der Stadt angeht“, so der BI-Sprecher. Insofern sei es schade, dass die Einzelhändler wegen der Samstagssperrung der Hauptstraße „nicht über ihren Schatten springen konnten“.

Im Sinne einer ganzheitlichen Verbesserung der Situation in der Innenstadt plädiert die BI nach wie vor für einen „autofreien Marktplatz“, so wie das Einzelhandelsgutachter Donato Acocella schon 2004 vorgeschlagen habe. „Seither ist nichts passiert“, so die BI-Vertreter.

Sie schlagen vor, die Büros der Stadtverwaltung „auszulagern“ und stattdessen gewerbliche Nutzungen anzusiedeln sowie einen Brunnen zu errichten. Ergänzt mit Cafés, einem Schachbrett und einem Brunnen, könne der „schöne Platz zum Verweilen einladen“, so ihre Überzeugung.

Vor allem das ehemalige Bezirksamt sei diesbezüglich umzugestalten, meint Uwe Gerber. Das Bürgerbüro allerdings sollte seiner Meinung nach drin bleiben, weil es für viel Publikumsverkehr sorgt. Voraussetzung für eine Umgestaltung des Marktplatzes wäre indes, dass die Stadt endlich das Parkdeck an der Bismarckstraße realisiert, das seit vielen Jahren im Gespräch sei. Diese Umgestaltung des Marktplatzes mit einer „geschickten Verkehrsführung“ zu kombiniere, könne dazu beitragen, die Kaufkraft in der Stadt zu steigern, so die BI-Vertreter. Dieser Effekt trete allerdings nicht von heute auf morgen ein, sondern dauere vermutlich fünf bis sechs Jahre.

Dazu gehöre indes auch eine Belebung der Altstadt. Diese sei baulich zwar in

Altstadt beleben

einem sehr guten Zustand, ansonsten aber „einfach tot“, so Andreas Blum. Obwohl das Ambiente ideal sei, gebe es zu wenig Geschäfte. Die Stadt müsse versuchen, dies durch geeignete Konzepte zu verbessern. Über ein Patentrezept verfüge indes auch die BI nicht, räumen Gerber und Blum ein.

Höchst unzufrieden sind beide, was die Verkehrsbelastung in der Innenstadt anbelangt. „Es ist überhaupt kein Wille erkennbar, die Zahl der Fahrzeug von derzeit 6000 pro Tag ernsthaft zu reduzieren“, kritisieren sie. Der Vorschlag, in der Hebelstraße eine Einbahnregelung einzurichten, liege beispielsweise schon seit acht Jahren auf dem Tisch.

Im Zusammenhang mit der Verkehrsführung sei das Hauptproblem, dass die Hauptstraße schnurstracks in die Innenstadt führe, besonders aus Richtung Gündenhausen. Neu-Stadtrat Andreas Blum schlägt deshalb vor, die Durchfahrt auch aus dieser Richtung zu erschweren, beispielsweise durch eine Sperrung ab dem Hieber-Kreisel in Richtung Stadthalle.

Hinsichtlich einer attraktiveren Innenstadt ist sich die BI mit dem Gewerbeverein völlig einig: Es bedarf modernerer Geschäfte, vor allem hinsichtlich der Gestaltung der Schaufenster, des barrierefreien Zugangs, des Sortiments und der einheitlichen Öffnungszeiten.

Die BI-Vertreter betonen in diesem Zusammenhang denn auch, dass es ihnen keineswegs nur um eine verkehrsfreie Innenstadt gehe,

Humanistische Idee

sondern um deren attraktiven Gesamtzustand. Beim Trachten nach mehr Kommunikations- und Lebensqualität stelle sich die Frage nach dem Menschenbild in der heutigen Zeit, jenseits von Konsum und globaler Technokratie. Diesen „humanistischen Ansatz“ sollten Gemeinderat und Gewerbeverein als Idee hochhalten. „In der bisherigen Diskussion kommt das zu kurz“, mahnt Uwe Gerber.

Der Klassiker ist wieder da: Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 89 Euro! Gleich HIER anfordern.

Umfrage

Angela Merkel

Die Kanzlerfrage beschäftigt die Union. Wer wäre Ihrer Ansicht nach der bessere Kanzlerkandidat: Armin Laschet oder Markus Söder?

Ergebnis anzeigen
loading