Schopfheim Lebensretter im Regenwald-OP

Markgräfler Tagblatt, 20.12.2013 23:02 Uhr

Von Werner Müller

Schopfheim. „Zur rechten Zeit am rechten Ort – unser Einsatz hat sich gelohnt“. Andreas Rudolph, Chefarzt der Hand- und Plastischen Chirurgie am Kreiskrankenhaus Schopfheim, gerät fast ins Schwärmen, wenn er den jüngsten OP-Einsatz seines Interplast-Teams in Manyemen Revue passieren lässt. Für ihn steht denn auch fest: „Ich geh’ wieder“.

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Dabei hatte der jüngste Trip vom 22. November bis 7. Dezember in den südkamerunischen Regenwald für ihn und seine acht Mitstreiter alles andere als gut begonnen. Weil es trotz des späten Termins immer noch „massiv“ regnete, musste das Ärzteteam bei der Anreise weite Umwege in Kauf nehmen – sowohl Hin- als auch Rückfahrt dauerten jeweils zwei Tage statt nur einer. Einmal steckte ihr Auto zwei Stunden in einem Schlammloch fest, das andere Mal zog sich eine Polizeikontrolle endlos in die Länge. „Früher wäre ich an die Decke, mittlerweile sitze ich so etwas gelassen aus“, so Rudolph, der für Interplast bereits zum elften Mal nach Manyemen reiste.

„Insgesamt verloren wir zwei Operationstage“, bedauert der Chirurg die Verzögerungen. Dass sich die Regenzeit immer weiter nach hinten verschiebt, bekamen die Ärzte und ihre Mannschaft auch anderweitig zu spüren: Angemeldet hatten sich „unheimlich viele Patienten“, so Andreas Rudolph, bis nach Manyemen ins Krankenhaus schafften es jedoch deutlich weniger. Der Grund: Die Straße von Kumba war unpassierbar. „Wir hatten merklich weniger Operationen als sonst“, so Rudolph.

Gleichwohl musste das Team die Hände nicht in den Schoß legen, ganz im Gegenteil. Bei den Eingriffen fiel das übliche Spektrum an: Verbrennungsfolgen, Tumore, Hauttransplantationen und Lippenspalten. Ein Patient mit einem Gesichstumor legte sich bereits zum elften Mal unter das Messer von Andreas Rudolph.

Eine dramatische Situation hatte das Team auch zu bewältigen. Eine schwangere Frau – bereits vierfache Mutter – erlitt bei einem Kaiserschnitt, den einheimische Ärzte durchführten, einen Herzstillstand. Mit Hilfe der Interplast-Mannschaft gelang es, die Frau wiederzubeleben. „Das war der bewegendste Moment“, so Andreas Rudolph.

Als Konsequenz aus diesem Zwischenfall schulten die Interplast-Ärzte ihre örtlichen Kollegen, wie sie solche Notfälle im OP in Zukunft meistern können. Ein Team-Mitglied, Mitarbeiter der Medizintechnikfirma Aesculap, habe bei dieser Gelegenheit auch das Instrumentarium im OP überholt.

Als „so gut wie noch nie“ bezeichnet der Handchirurg im Übrigen die Arbeitsbedingungen am Krankenhaus in Manyemen. Die Unterbringung des Teams und die OP-Bedingungen hätten sich enorm verbessert, weil seit drei Jahren ein Techniker aus der Schweiz in der Klinik nach dem Rechten sieht. „Wir hatten 24 Stunden fließend Wasser und Strom – ohne Unterbrechung, das gab es noch nie“, sagt Andreas Rudolph und fügt augenzwinkernd hinzu: „Im Unterschied zu früher war’s beschämend luxuriös“.

Zumal die Mannschaft aus Deutschland auch eine kulinarische Überraschung erlebte: Ein im Krankenhaus arbeitender Koch habe sie eines Tages mit selbst gebackenem Bauernbrot verwöhnt.

Insgesamt zieht Andreas Rudolph eine mehr als positive Bilanz: „Es war ein toller Einsatz“. Dank dem nicht ganz so gedrängten OP-Plan hatte das Team zum ersten Mal in all den Jahren sogar Zeit, sich außerhalb des Krankenhause umzusehen und direkte Kontakte mit den Einheimischen zu knüpfen. „Wir haben viel vom Dorfleben mitbekommen“, so der Plastische Chirurg. Dabei habe sich auch herausgestellt, dass die Menschen große Erwartungen an das Interplast-Team knüpfen und dessen Einsätze in hohem Maße schätzen.

Für Andreas Rudoph steht in Anbetracht dessen denn auch außer Frage, dass die Einsätze in Manyemen weitergehen. Aufgrund der sich offenkundig ergebenden klimatischen Verschiebungen (Regenzeit dauert von Jahr zu Jahr länger) ist für 2014 freilich erst einmal eine Pause geplant. Der nächste Einsatz soll dann 2015 erfolgen - allerdings nicht im November, sondern früher, in der Trockenzeit.

Mit dabei ist dann auch wieder das gesamte jetzige Team. Neben Andreas Rudolph sind dies: Britt Joester (Plastische Chirurgin aus Haagen), die Pflegekräfte Wolfgang Bachbauer und Simone Möhrle (Kreiskrankenhaus Lörrach), Sabine Hinterding und Ernst Eichel (Eli Lörrach) und Markus Rapp (Techniker der Firma Aesculap).

Interplast-Sektion Schopfheim: Spendenkonto Nr. 3197779 bei der Sparkasse Schopfheim, BLZ 68351557.