Schopfheim Energieverbrauch: Ziel wird nicht erreicht

Schopfheim - Höhere Energiepreise, alte Heizungen in öffentlichen Gebäuden und eine schlechte Haushaltslage, die wenig Spielraum für Investitionen lässt – all das sind Gründe, die die ansonsten gute Energiebilanz der Stadt trüben. „Das Leistungsziel für 2021, den städtischen Gesamtenergieverbrauch im Vergleich zu 2012 um 15 Prozent zu reduzieren, wird voraussichtlich nicht erreicht werden“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Die Realisierung von energetischen Maßnahmen sei abhängig von der Haushaltslage, heißt es in der Vorlage der Verwaltung für den Gemeinderat.

Seit dem 1. Januar sei zudem die CO-Steuer Realität (zusätzlich etwa sieben Cent pro Liter Heizöl und 0,455 Cent pro Kilowattstunde Erdgas, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer). „Umso härter müssen wir daran arbeiten, Energien einzusparen und uns von fossilen Energien zu verabschieden“, so die Stadtverwaltung.

Der Energiebericht für 2019, der von Stefan Blum unter Leitung von Martina Milarch (Gebäude- und Energiemanagement der Stadt) detailreich und fundiert erstellt wurde, unterscheidet die Bereiche Wärme, Strom und Wasser.

Wärme

Der Wärmeverbrauch habe in den vergangenen zwei Jahren um 2,6 Prozent gesenkt werden können. Allerdings seien die Ausgaben 2019 durch höhere Energiepreise im Vergleich zum Vorjahr um 14,03 Prozent gestiegen. Der Anteil der mit Holzpellets beheizten Gebäude nehme zu, auch Wärmepumpen seien bisher in zwei Gebäuden eingesetzt worden. Immerhin habe in fast allen Schulen der Wärmeverbrauch gesenkt werden können. Der Anteil der erneuerbaren Heizenenergien sei mit 8,15 Prozent gegenüber dem Landesvergleich von 15,9 Prozent zu gering. Ziel sei, bis Ende 2020 21 Prozent der Wärme fossilfrei zu generieren.

Die Stadt, die 2018 mit dem European Energy Award (EEA) ausgezeichnet wurde, hinkt hinterher: In den städtischen Gebäuden gebe es zehn Heizungen, die altersbedingt ausgetauscht werden sollten, da es teilweise keine Ersatzteile mehr für die Anlagen gebe, die mehr als 25 Jahre alt sind. Insgesamt würden noch 36 Heizungen mit fossilen Energieträgern betrieben, also mit Erdgas, Flüssiggas oder Heizöl.

Die Stadtverwaltung betont, dass energetische Sanierungen wie die Erneuerung von Fenstern, die Isolierung von Fassaden, in den denkmalgeschützten Gebäuden die Isolierung von Dachböden und Kellerdecken und der Austausch veralteter Heizungen ohne Investitionen nicht möglich sei. „Es ist für die Verwaltung ein ständiges Abwägen, ob eher der Finanzhaushalt oder das Energiebudget strapaziert wird.“

Mit der Einführung einer Nahwärmeversorgung gebe es aber die Möglichkeit, bis 2023 fünf Heizungen zu erneuern und damit die Energiebilanz zu verbessern. Dazu gehören die Heizungen der Max-Metzger-Schule und von Rathausgebäuden. Diese Art der Versorgung werde immer aktueller und stehe für die Annäherung an ein klimaneutrales Schopfheim, denn hier könnten auch private Haushalte und Unternehmen angeschlossen werden.

Strom

Der Stromverbrauch in den städtischen Gebäuden konnte 2019 im Vergleich zu 2018 um 5,05 Prozent reduziert werden. Dies sei vornehmlich der Umstellung auf LED-Beleuchtung zu verdanken, so die Verwaltung. Auf der Kostenseite mache sich der Rückgang jedoch nur mit 3,34 Prozent bemerkbar.

Bundesweit sei der Stromverbrauch nur um 1,1 Prozent zurückgegangen. „Wir sind in Schopfheim also überdurchschnittlich gut dabei“, so die Stadtverwaltung. Im Vergleich zu den Gesamtenergiekosten der Stadt rangieren die Stromkosten seit 2013 trotzdem an erster Stelle vor den Wärme- und Wasserkosten.

Die Umstellung auf LED-Beleuchtung müsse deshalb weiter vorangetrieben werden. Zu bedenken sei, dass die fortschreitende Digitalisierung in den Schulen mit einem höheren Stromverbrauch einhergehe.

Mehr Digitalisierung – höherer Stromverbrauch

Der Stromverbrauch im Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) habe indes das dritte Jahr in Folge gesenkt werden können, und das trotz der vermehrten technischen Ausrüstung des THG. Trotzdem verzeichneten die Schulen außer dem THG sowie der Grundschulen in Fahrnau und Gersbach einen höheren Stromverbrauch. Durch die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik habe sich deren Stromverbrauch um 9,3 Prozent gesenkt.

Erfreulich seien die Zuwachsraten bei der Stromproduktion mit Hilfe von Fotovoltaikanlagen. Die ­neueste Anlage befinde sich auf der Sporthalle der Max-Metzger-Schule. Durch Eigeninvestition und -betrieb von Fotovoltaik-Anlagen bei Gebäuden mit sehr hohem Stromverbrauch, wie die mit einer Wärmepumpe betriebene neue Kita Langenau, könnten langfristig Stromkosten gespart werden.

Wasser

Die Wasserverbräuche und -kosten verzeichnen einen Langzeit-Höchststand. Die Verbräuche sind nach Angaben der Stadtverwaltung um 7,02 Prozent und die Kosten um 7,77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Diese Steigerungen ergeben sich laut Verwaltungsvorlage für den Gemeinderat hauptsächlich in den öffentlich genutzten Bereichen wie Brunnen und Friedhöfen, was auch durch die trockenen Sommer und die generelle Klimaveränderung zu erklären wäre.

Bei den Hochbauprojekten seien die Verbräuche nahezu unverändert geblieben. Die öffentlichen Brunnen verbrauchen 67 Prozent des städtischen Gesamtverbrauchs des Wassers.

Ausblick

Nach dem Weggang von EEA-Koordinatorin Christine Griebel wird die EEA-Arbeit durch Delia Kuhnert weitergeführt. Für den neuen Campus wird ein Blockheizkraftwerk gebaut. Beim Energiebericht 2020 muss die Corona-Lage berücksichtigt werden. Die Notwendigkeit, vier Heizungen in den Gebäuden der Dr.Max-Metzger-Schule und in den Rathäusern zu ersetzen, führte zur Planung eines neuen Wärmenetzes. Es wird erwartet, dass in der zweiten Hälfte dieses Jahres eine Vergabe stattfinden kann. Der Stromverbrauch in den Schulen steigt wegen der zunehmenden Digitalisierung.

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