Schopfheim Lindenberg-Parodie entzückt alle

Erstmals fand im romantischen Innenhof beim „Café am Hebel“ ein Konzert statt, die Terrasse diente Oliver Scheidies als Bühne. Foto: Gudrun Gehr

Schopfheim - Der Wirt des „Café Hebel“, Frank Rupprecht, hat die große aktuelle Herausforderung angenommen und es riskiert: Zwei Wochenenden im Juli stehen trotz der bekannten Hinderungsgründe mit vier Open-Air-Konzerten im Zeichen des „Kultursommers am Hebel“.

Der Veranstalter hatte vieles zu beachten: die Abstandsregeln, die Zuweisung der Sitzpläne, das Anmelde-Prozedere. Rupprecht hatte die zündende Idee, erstmals den Platz im Innenhof des romantischen Gebäudes mit seinem Park-Ambiente zu nutzen, die weitläufige und einladende Terrasse ist als Bühne für die Musiker zu nutzen. Am Freitagabend wartete eine etwa 50 Personen umfassende Fangemeinde auf den Liedermacher Oliver Scheidies, sie freuten sich auf den „lebenslustigen Ernstbold“.

Frank Rupprecht meinte zu den Regenwolken: „Ich habe heute zwei Mal zum Himmel geschaut, einmal als es regnete und einmal als die Sonne schien.“ Rupprecht ließ sich nicht beirren: „Ich nehme die Dinge so hin, wie sie kommen.“ Sein Ziel ist der soziale Hintergedanke in seinem Wirtschaftsbetrieb, er will Möglichkeiten - auch für kleines Geld - für Kulturschaffende bieten.

Eintrittsgelder verlangt Rupprecht nicht, eine Hutspende geht im Anschluss an die Konzerte durchs Publikum. Das dritte Konzert in der Festival-Reihe von Singer-Songwriter Oliver Scheidies, der sich in der Region mit mehreren Konzerten einen Namen als Poet mit Feinschliff und als brillanter Gitarrist gemacht hat, begann holprig. Pünktlich zum Konzertbeginn fiel ein Regenschauer, der die Gäste schutzsuchend unter die Bäume oder in die Gaststätte trieb.

Nachdem sich der Himmel beruhigt hatte, nahm „Olli“ Scheidies einen erneuten Anlauf, der ebenfalls den Launen des Wettergottes zum Opfer fiel. Erst beim dritten Mal hatte dieser ein Einsehen, und der aus Hamburg stammende Wahl-Freiburger konnte mit einiger Verspätung loslegen.

Mit seinem Lied „Juli“ zog er das Publikum sofort in seinen Bann. Seine starke Musikalität präsentierte er neben seiner Akustikgitarre mit einer E-Gitarre als Novum. Eine Vielzahl seiner tiefgründigen, herzerfrischenden Klassiker wie „Berlin“, „Guter Mond“ oder „Maskenball im Tanzpalast“ traf den Nerv des Publikums.

Aktuelle Themen wie die Ansteckungsgefahr auf Schlachthöfen griff Scheidies mit seinem Lied „Deutschland“ auf. Der Philosoph, Poet und Lyriker erklärte: „Ich nutzte die vergangenen Monate als Zeit der Konzentration und stellte mir grundlegende Fragen.“ Neudefiniert wurde von ihm der Begriff „chillen“. Und er sagte: „Ich hatte nichts anderes zu tun, als mich mit der Gitarre neu zu erfinden und empfand die Zeit der Ruhe als großes Geschenk.“ Auch neue Stücke verdanken der Pandemie ihre Existenz.

Ein Auftragswerk eines Finanzberaters vertonte er mit „Ehrenwerter Mehrwert“, eine weitere Inspiration galt dem „Monolog des Teufels“. Hier spürte er den eigenen teuflischen Tendenzen in seinem „Alter Ego“ nach. Die Lieder begleitete sein großartiges Entertainment, in seiner „Symphonie der unerhörten Töne“ gratulierte er allen potenziellen Geburtstagskindern im Publikum. Großartig war die Parodie des näselnden Udo Lindenberg, die den Liedermacher selbst zum Lachen brachte.

Seine Spontanität mit Improvisationen („Wir heben die Liebessubstanz von Schopfheim“) begeisterte die Gäste. Stets bezog der Liedermacher die Besucher in sein kurzweiliges, humorvolles Programm ein.

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