Schopfheim „Lockdown für alle ein Schock“

Dickes Kompliment vom Bürgermeister: „Wir schätzen Ihre Arbeit sehr“, lobte Dirk Harscher das Team der Schulsozialarbeit, das sich unter Federführung des Diakonischen Werks seit nunmehr zehn Jahren an mittlerweile drei Schulen (THG, Friedrich-Ebert- und Max-Metzger-Schule) um das psychische und seelische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen kümmert.

Von Werner Müller

Schopfheim . „Es ist eine sehr komplexe und herausfordernde Arbeit“, betonte das Stadtoberhaupt, nachdem Volker Hentschel von der Diakonie im Verwaltungsausschuss die Tätigkeitsberichte präsentiert hatte. Er hoffe sehr, so Harscher, dass die Teams bald wieder normal arbeiten können, denn die Corona-Krise habe bei Kindern und Jugendlichen „viel angerichtet“.

Der Lockdown im März 2020 „war ein Schock“, bestätigte Volker Hentschel. Von einem Tag auf den anderen seien die Schulen dicht gewesen, die „mühsam aufgebauten Strukturen für die Schulsozialarbeit“ seien weggebrochen. Persönliche Begegnungen, von denen diese Arbeit ja lebe, waren nicht mehr möglich, die Schulgebäude „als Schutzraum“ für die Jugendhilfe nicht mehr nutzbar.

Dabei wären gerade wegen Corona und den Folgen solche Treffen und Gespräche für die so genannte „Einzelfallhilfe“ notwendiger gewesen denn je, so Hentschel: „Ängste und Unsicherheiten waren massiv vorhanden“, berichtete er.

Das habe sich spätestens gezeigt, als die Schulen wieder öffneten. „Da trat der Beratungsbedarf plötzlich wieder in geballter Form auf“, so der Vertreter der Diakonie. Das gilt besonders fürs THG: „Noch nie in der jahrelangen Tätigkeit haben wir hier einen solchen Ansturm von Schülern, Eltern und Lehrern erlebt“.

Dank eines gut eingespielten Teams habe das Team allerdings relativ schnell neue Kommunikationsmöglichkeiten aufbauen und so den Kontakt zu den Schülern „problemlos“ aufrecht erhalten können. So habe man beispielsweise für die Einzelberatung ein „Walk und Talk“ (Gespräch während eines Spaziergang an der frischen Luft) angeboten.

Für die Schulsozialarbeit gibt es in der Markgrafenstadt insgesamt 3,0 Stellen, die sich fünf Fachkräfte teilen – Marlene Öhler, Susann Wilms und Thomas Haug an der FES (1,75 Stellen), Maria Kockríck und Carmen Kast am THG (0,75) sowie Tanja Hübschmann-Randebrock an der Max-Metzger-Schule (0,5).

Im Schuljahr 2019/2020 meisterten sie 279 Einzelfallgespräche, 232 Beratungen in schulischen Fragen sowie 240 Gespräche mit Eltern. Ingesamt nahmen 496 Schüler und 33 Klassen die Hilfsangebote in Anspruch.

CDU-Stadträtin Heidi Malnati würdigte die Arbeit der Schulsozialarbeit und bezeichnete es im gleichen Atemzug als „ärgerlich“, dass Land und Bund die Probleme bei Kindern und Jugendlichen „nicht im Blick haben“. sondern die finanzielle Hauptlast auf die Kommunen abwälzen.

Gisela Schleith (Grüne) wollte wissen, wie sich die Schulsozialarbeit auf dem Campus gestalte, wenn dort auch die Hebelschule heimisch wird.

Thomas Haug, seit nunmehr zehn Jahre Schulsozialarbeiter an der FES, meinte, er könne in der Praxis doch keinen Hebelschüler „wegschicken“, nur weil er für diese Schule nicht zuständig sei. Das Zusammenleben auf dem Campus werde auf jeden Fall neue Aufgaben mit sich bringen.

Fachbereichsleiter Jürgen Sänger erklärte, bisher sei der Campus vor allem als Bauprojekt ein Thema. Aber schon jetzt müsse man auch die Schulsozialarbeit im Blick haben.

Trotz Corona die Kontakte halten können

Der Gemeinderat habe bereits beschlossen, den Stellenplan aufzustocken, allerdings warte die Stadt noch auf die Antwort von der zuständigen Jugendhilfe im Landratsamt. Bei der Finanzierung, die sich Stadt, Kreis und Land eigentlich gleichmäßig teilen, sei der Landesanteil auf dem Niveau von 2010 stehen geblieben, so Sänger.

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