Schopfheim Märchenhafte Schmunzelbilder

Markgräfler Tagblatt, 12.10.2017 00:00 Uhr

Von Jürgen Scharf

„Im echten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen“, sagt Nietzsche. Und das sollte man auch als Erwachsener beibehalten. Dem Kinde im Menschen ist das Schaffen von Kolibri (mit bürgerlichem Namen Werner Blattmann) verpflichtet.

Schopfheim. Der Künstler aus Jestetten-Altenburg hat das Spielen als Motiv in seinen Bildern gewählt, den Bildnertrieb, der sich in witzigen Figuren und Ornamenten ausdrückt.

Die Einzelausstellung im Kunstverein Schopfheim im Museum der Stadt will den Grenzgänger zeigen, dessen Arbeiten angelegt sind zwischen Schwarz-Weiß und Farbe, Zeichnung und Malerei, Fantasie und Realität, Realem und Surrealem.

Kolibris Bilder sind immer akribisch gezeichnet, mit vielen kolorierten Details, oft sind es hintergründige oder anekdotische Schmunzelbilder, die ein Lebensprogramm spiegeln.

Fröhlich sieht vieles aus, vor allem die kleineren Formate mit seiner Sicht der Dinge, die Kolibri auf Wetterkarten von Zeitungsseiten als Bildträger zeichnet. Da spielt er gern mit dem Bodensee, wenn er einen großen Zeppelin als fliegenden Fisch über dem See malt. Spielerisch sind auch andere größere Landkarten und Wanderkarten, die ihm als Unterlage für seine Figurenwelt dienen.

Dabei zeigt sich Kolibri in den Motiven immer detailverliebt. Ob er ein Liebespaar darstellt, auf einem umgedrehten Schirm, wie in einem Ballon schwebend als eine Art Idylle über der Landschaft, ob er Tiere als Wesen mit Flügeln zeigt wie in einer Serie mit Katzenschutzengeln, die schon etwas Ikonografisches haben, ob er Ziegen wie Popstars ins Bild hebt oder seinen Lieblingsmusiker Jimi Hendrix verewigt – das ist immer fantasievoll, erzählerisch, manchmal märchenhaft.

Manches ist von der Lyrik her inspiriert, andere Bildideen kommen von der Musik. Es ist immer viel Symbolisches in den Arbeiten (nicht nur die Katze als Philosoph), Kolibri arbeitet gern mit Symbolen und die Bildertitel haben oft eine zweite Aussage, ein Innenleben vom Bild, durch das noch etwas anderes vermittelt wird. Wie in „Make tea not war“, dem Bild mit dem verknoteten Gewehrlauf.

Kolibri hat mit Karikaturen bei der „tageszeitung“ (taz) in Berlin angefangen, Illustrationen, Kinderbücher, Titelbilder für Zeitschriften gestaltet, für Literaturverlage Lyrikkalender illustriert und vieles mehr. Schon da war er ein Grenzgänger und ist es zwischen den Genres Malerei und Zeichnung geblieben, wenn er auch vielleicht etwas mehr ins Zeichnerische geht.

Von der Karikatur ist er längst weggekommen, in seinen freien künstlerischen Werken arbeitet er sehr filigran mit Tuschfeder und hat in letzter Zeit den Stil der Zeichnung weiter entwickelt mit Pinsel und Stift. Aus hunderten von kleinen Strichen besteht so ein Bild.

Manche Motive werden von unglaublich viel Dekor gerahmt und gehen schon in Richtung Mandalas, denn man wird geradezu in diese Bilder hineingezogen, arbeitet Kolibri doch von der Mitte nach außen.

Neben den farbenfrohen Arbeiten liegt noch eine Auswahl aus dem „Großen Zeichenbuch“ in den Vitrinen. Den kleinsten Vogel hat er als seinen Künstlernamen gewählt, weil er damals nach der Zeit als Graphiker, Satiriker und Karikaturist bei der „taz“ wegwollte vom Schwarz-Weiß in die Farbe. Und der Kopffüßler, dieses anarchische Wesen, ist längst sein Markenzeichen geworden, taucht immer wieder in Bildern auf, und ist das Sinnbild für das Kind im Manne, das ganz im Geiste Morgensterns in der Kunst mitspielen und mitschaffen will.

 
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