Schopfheim - Es herrschte „dicke Luft“ im Kleinen Saal der Stadthalle. Für die waren aber nicht die fünf Kandidaten für die Wahl zum Behindertenbeirat verantwortlich, der in den nächsten drei Jahren für rund 2000 behinderte Bewohner der Stadt eine beratende Funktion ausüben sollen.

Frust sitzt tief

Für den Unmut sorgten vielmehr etliche der zahlreichen Wähler, die ungeniert zum Ausdruck brachten, dass sie mit den bisherigen Ergebnissen des Gremiums „ganz und gar nicht zufrieden“ sind – aller Anstrengungen des Teams um die Herren Friedrich Albes, Erhard Schöpflin und Walter Weniger zum Trotz.

So gut wie nichts sei erreicht worden, ärgerten sich einige der über 50 Wahlberechtigten, die durchaus Verständnis dafür zeigten, dass keines der bisherigen Vorstandmitglieder bereit gewesen war, erneut zu kandidieren.

Mund aufmachen

„Der Frust sitzt zu tief“, erklärte Joachim Sprakties. Er ist einer der neu gewählten Beiratsmitglieder. Angriffslustig versicherte er, „den Mund aufzumachen, auch wenn es dem einen oder anderen im Gemeinderat oder in der Verwaltung nicht passen sollte.“ Er werde versuchen, sich Gehör zu verschaffen und denke nicht daran, das Argument, es sei kein Geld da, gelten zu lassen. Schließlich gebe es die Stadt in anderen Bereichen in Hülle und Fülle aus. Das machte er deutlich an den Beispielen der Fußballvereine in Fahrnau („240 000 Euro für ein Vereinsheim, das dem FV gehört“) und den 600 000 Euro für den SVS.

Sprakties wies auch auf den Skatepark in Gündenhausen hin und bedauerte, dass in der Langenauer Sporthalle, 150 Kinder nicht duschen können, weil 70 000 Euro für die Sanierung bisher nicht zur Verfüghung standen.

Steter Tropfen

Schade fand Joachim Sprakties, dass der Behindertenbeirat auch künftig lediglich eine „beratende Funktionen“ ausübe. Aber wie alle anderen Mitglieder des neu gewählten des Gremiums werde er „auf den Tisch klopfen, und zwar so, dass man das hört.“ Sprakties, der die meisten Stimmen aller Bewerber erhielt (41), versicherte denn auch: „Ich mach’s Maul auf.“

Das hat sich auch Hans-Jörg Tichelmann vorgenommen, der zwar nicht behindert ist, aber als Geschäftsführer der SKM viele Behinderte durchs Leben begleitet. Er zeigte sich überzeugt, dass „steter Tropfen den Stein höhlt“.

Bernd Bauknecht stellte sich nach eigenen Worten zur Wahl, weil „bisher nicht viel ging“ und weil er Zeit habe, das zu ändern. Oliver Kröning will seinen vier Kindern „soziales Engagement vorleben“ und „mahnend den Zeigefinger heben“. Kornelia Materer hat vor, dies alles zu unterstützen, indem sie sich unüberhörbar zu Wort meldet.

Elena Gehweiler, die als Vertreterin der Stadt den Wahlabend organisiert hatte, kommentierte das, was da zu hören war, überraschend deutlich: „Vielleicht ist es ganz gut, mal etwas lauter zu werden.“ Denn es gibt, wie Joachim Sprakties und Hans-Jörg Tichelmann verdeutlichten, jede Menge Aufgaben zu bewältigen.

Wahlergebnis

Die 50 anwesenden Wahlberechtigten (vor drei Jahren waren es gerade mal 14) gaben Joachim Sprakties 41, Hans-Jörg Tichelmann 35, Oliver Kröning 34, Bernd Bauknecht ebenfalls 34 und Kornelia Materer 27 Stimmen. Alle fünf Kandidaten sind damit im neuen Behindertenbeirat vertreten. Der wird in den nächsten Tagen einen Vorsitzenden bestimmen und im Januar 2019 seine Arbeit aufnehmen.