Schopfheim Mehr Sonne als noch vor 25 Jahren

Zoë Schäuble

Seit einem Vierteljahrhundert zeichnet die von Lothar Lenz angeschaffte amtliche Wetterstation in Gersbach verlässlich tagtäglich Daten zu Niederschlag, Wind und Sonnenstunden auf. Mit einem Rekord von 344 im Juli gemessenen Sonnenstunden fällt Lenz auf: Das Klima verändert sich deutlich.

Von Zoë Schäuble

Schopfheim-Gersbach. Dicke Aktenordner stapeln sich auf dem Küchentisch. Lenz hat alles gesammelt, alle Daten akribisch studiert, abgeheftet und das Wetter beobachtet. Vor 25 Jahren hat der inzwischen 79-Jährige die Wetterstation, die sich im Vorgarten des Hauses am Gersbacher Ortseingang befindet, angeschafft. „Rund 30 000 Mark“ hat die gesamte Station Lenz gekostet, die neben der Temperatur auch den Wind, die Sonneneinstrahlung sowie den Niederschlag aufzeichnet.

Meteorologie, das Wetter zu beobachten, sei schon immer seine Leidenschaft gewesen, erinnert sich Lenz an die Anfänge der Station zurück: „Damals hat es nur die eine Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes auf dem Feldberg gegeben.“

Durch den Meteorologen Jörg Kachelmann sei er auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, auch in Gersbach eine Wetterstation zu installieren. Denn dieser habe damals nach weiteren Standorten für ebenjene Stationen gesucht. Der aus Lörach stammende Kachelmann habe zunächst bei der Stadt angefragt. „Die lehnten aber zuerst ab“, erinnert sich Lenz. Nachdem dann aber Weil am Rhein zusagte und künftig in den Medien erwähnt wurde, habe auch Lörrach nachgezogen.

Weil aber alle diese Stationen in den tieferen Gebieten am Rhein liegen, habe er sich schließlich entschlossen, das Kachelmann-Angebot auf eigene Kosten anzunehmen. Lenz´ Station liegt auf 912 Metern über dem Meer, „Und damit deutlich höher als die in Weil und Lörrach installierten.“ Den Ort Gersbach als Ausflugsziel für Touristen interessanter zu machen sowie zur Verbesserung der lokalen Wettervorhersage beizutragen, nennt Lenz seine Motivation, die Station auf seinem Grundstück aufzustellen.

Werte kommen monatlich

Seither bekommt Lenz die Werte, die die normierte Wetterstation sammelt, allmonatlich ausgedruckt zugeschickt. Ein Blick in die Akten auf die Werte von vor 25 Jahren zeigt: Im Juli 1997 hat die Sonne insgesamt 122, 5 Stunden geschienen. Im vergangenen Juli waren es 344 Stunden. „Es wäre leichter gewesen, die Stunden ohne Sonnenschein zu messen“, meint der Pensionär angesichts dieses Rekordwerts. Anfang Juli strahlte die Sonne 14, 4 Stunden pro Tag – und damit von morgens bis abends durchgängig, wie das Messgerät auf dem Dach des Hauses registrierte. Der Juli fügt sich mit diesen Werten in den Trend des bisherigen Sommers ein: „Bereits im März standen 275 Sonnenstunden auf der Uhr, im Mai 268 und im Juni wieder 275.“

Zu wenig Regen

Für Meteorologen und Klimaforscher außerdem spannend: die anhaltende Trockenheit. „Wir wohnen hier wirklich in der trockensten und wärmsten Ecke Deutschlands“, bilanziert Lenz mit Blick auf die Daten zur Regenmenge für den Juli. Nur 26, 2 Millimeter Regen je Quadratmeter fiel – ein Minimum, weiß der Pensionär. Spannend sind auch die Temperaturen, die die Wetterstation seit 1997 in Bodennähe und in zwei Metern Höhe tagtäglich aufzeichnet.

Der Trend für Lenz ist klar ersichtlich: „Es wird immer wärmer und damit natürlich auch trockener.“

Der Klimawandel vollziehe sich in gar nicht allzu langen Zeitspannen – auch diese Werte liest Lenz von der Wetterstation ab.

Und dass die Werte der Station nicht nur der Wettervorhersage dienen, hat Lothar Lenz auch schon am eigenen Leib erfahren, als er 2020 zum Mord von Riedichen (wir berichteten) von der Kriminalpolizei bezüglich des Wetters in der Tatnacht befragt wurde.

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