Schopfheim Menschen auf dem letzten Weg begleiten

Markgräfler Tagblatt, 05.07.2017 23:05 Uhr

Kein Ehrenamt wie jedes andere: Wer sich beim ambulanten Hospizdienst engagiert, braucht Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen in existenziellen Lebenslagen.

Schopfheim (hjh). Er oder sie sollte zudem die Grundlagen der Kommunikation perfekt beherrschen, sich auskennen mit Demenz und Krankenpflege und wissen, was Schwerkranke oder Sterbende befürchten oder hoffen. Und sie sollten neben dem Überblick über medizinische und ethische Vorstellungen zu Sterben und Tod die eigene Endlichkeit bejahen.

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Dann sind sie gerüstet für die Mitarbeit in der Hospizbewegung – für die Begleitung Sterbender, die Betreuung der Angehörigen von Sterbenden und schließlich

17 neue ehrenamtliche Begleiter

auch reif zur Erkenntnis, dass es falsch ist, Angst vor dem Tod ganz allgemein oder vor dem eigenen Tod zu haben.

31 Frauen und fünf Männer fühlen sich aktuell berufen, sich im ambulanten Hospizdienst des Diakonischen Werkes dieser außergewöhnlichen Aufgabenpalette zu stellen. 17 „Neue“ sind dabei, drei weitere beginnen mit der Qualifikation.

Vor diesem Hintergrund blicken Karin Racke, stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, sowie die Koordinatorinnen Lore Barnet und Friederike Schweigler recht optimistisch in die Zukunft: „Mit diesem Zuwachs ist es uns erstmalig möglich, die ehrenamtliche Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen auch im Kleinen und oberen Wiesental anzubieten.“

Da sich die Scheu von Betroffenen, die Dienste der Hospizgruppe in Anspruch zu nehmen, nach und nach legt, fehlt es trotz des Nachwuchsschubs weiter an geeignetem Personal.

Um potenziellen Helfern auf die Sprünge zu helfen, waren am Montag in den Räumen des Diakonischen Werkes langjährige und noch relativ neue haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter bereit, über ihre Motive zu sprechen.

Da war Agnes Huber, eine ehemalige Krankenschwester aus Maulburg, die anderen Menschen auch als Rentnerin helfen will.

Edwin Seger, ein Rentner aus Häg-Ehrsberg, begleitet Sterbende seit November 2016 und betont: „Anderen Menschen helfen zu dürfen, erfüllt mich sehr.“ Gleiches motiviert auch Monika Bläsi aus Präg, für die es „eine Selbstverständlichkeit“ sei, trotz Vollbeschäftigung ihre restliche Zeit Sterbenden und deren Familien zur Verfügung zu stellen.

Sabine Kiefer, Mitarbeiterin in der Todtnauer Altenbegleitung aus Muggenbrunn, hat sich im April 2017 vorgenommen, für ihre Mitbürger „nicht nur beruflich, sondern auch im Ehrenamt“ tätig zu sein. Monika Stöcklin, seit 2010 im Hospiz-Einsatz, fühlte sich verpflichtet, „auch im Ruhestand etwas zu tun, was mich selbst auf den Weg bringt, den auch ich eines Tages zu gehen habe.“ Von Jahr zu Jahr würden die Begegnungen tiefer und bereichernder, sagte sie, und sie nähmen einem auch „etwas die Angst vor dem Tod.“

Mit dem möchte sich schließlich auch der Langenauer Jörg Würger auseinandersetzen. Animiert dazu habe ihn ein Zeitungsartikel

Mit dem eigenen Tod auseinandersetzen

über die Arbeit der Hospizgruppe, sagte der Mann.

Friederike Schweigler aus Steinen sieht sich seit dem 15. Lebensjahr nach dem Tod ihres Vaters mit dem Thema Sterben konfrontiert. Ihre bisherigen Begleitungen hätten gezeigt, dass es ihr inzwischen leichter falle, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

Die Fachkunde, so Karin Racke und Lore Barnet, erwerben Interessenten bei einer intensiven Ausbildung unter der Leitung der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand (IGSL) an vier Wochenenden über ein ganzes Jahr verteilt.

„Ein langer Zeitraum“, sagt Racke. Aber der Aufwand lohne sich, weil in dieser Zeit auch deutlich werde, ob es passt oder nicht. Die Ausbildungskosten übernimmt das Hospiz, das sich mit Zuschüssen des Staates und mit Spenden finanziert. Einmal pro Monat treffen sich die Mitarbeiter zum Erfahrungsaustausch. Und an vier internen Weiterbildungsveranstaltungen bekommen die Hospizhelfer Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu vertiefen.