Schopfheim „Menschen sind ohne Lebensmittel“

Das Geld für die Menschen aus Dikome ist unterwegs: Bürgermeister Harscher und Vereinsvorsitzender Richard Renz zeigen Fotoaufnahmen vom Südwesten Kameruns. Foto: Petra Martin

Schopfheim - Hilfe auch in schwierigen Zeiten: Die Stadt unterstützt die Menschen in Dikome während der Corona-Pandemie.

Die jährliche Spende in Höhe von 3000 Euro, die über den Dikome /Kamerun-Verein transferiert wird, wurde bereits überwiesen – mit dem Unterschied, dass das Geld nicht wie sonst für die Lehrer verwendet wird, sondern für Lebensmittel – die Schulen sind wegen der Kämpfe zwischen der frankophonen Regierung und der anglophonen Bevölkerung schon lange geschlossen.

Lage in Dikome ist prekär

„Die Lage in Dikome ist prekär“, macht Richard Renz, Vorsitzender des Dikome-Vereins deutlich. Eigentlich hätten Vereinsvertreter am 26. April nach Kamerun fliegen wollen, doch das sei wegen des Coronavirus nicht möglich gewesen. Kamerun habe die Grenzen geschlossen.

Die Situation sei schon vor Corona wegen der Ausein­andersetzungen zwischen Anglophonen und Frankophonen dramatisch gewesen; durch Corona habe sich die Lage nochmals verschlechtert.

3000 Menschen vor Militärs in den Busch geflüchtet

Die Regierung habe eine Ausgangssperre angeordnet, „ein Totalerliegen“, wie Richard Renz berichtet. Dikome sei verwaist, dort sei Militär stationiert. Rund 3000 Menschen hätten sich in den Busch geflüchtet, um sich vor den Übergriffen des Militärs und von Söldnern in Sicherheit zu bringen.

Ein weiteres Problem: Es dürften keine Fahrzeuge fahren, die Menschen im Busch könnten also keine Lebensmittel beziehen oder sich gar keine leisten, da die Preise steigen.

Es gibt im Busch keine Grundversorgung

„Es gibt im Busch keine Grundversorgung mehr“, schildert Renz die Lage. „Die Leute sind ohne Lebensmittel- und ohne Medikamentenversorgung.“ Dies habe auch Paramountchief Cyril Sakwe wissen lassen.

„Der Verein hat bei der Stadt eine Anfrage gestartet, und die Sache ging zackzack“, freut sich Richard Renz. Es mache keinen Sinn, die Spenden hier zu horten, erläuterte Bürgermeister Harscher das rasche Handeln der Stadt.

Richard Renz teilt mit, dass es im Busch zwar Bananen, Ananas und wenig Kartoffeln gebe; auch Maniok sei vorhanden. Mit dem Geld aber sollen Reis, Öl und Salz gekauft und dann mit dem vereinseigenen Fahrzeug trotz Ausgangssperre über abgelegene Schleichwege „im rückwärtigen Raum“ zu den Menschen im Urwald gebracht werden – so weit wie möglich.

Die Projektleiterin vor Ort, Emmerence Bokoe, und Paramountchief Sakwe verfügten über gute Beziehungen. Dass „Wegezoll“ gezahlt werden müsse, sei üblich; dies betreffe auch die Kaffeetransporte.

Lebensmittel könnten ansonsten auch auf dem Kopf getragen in die Parzellen gebracht werden.

Im Hinblick auf die Kaffeelieferung optimistisch

Optimistisch zeigt sich Richard Renz im Hinblick auf die Kaffeelieferung. „Wir haben über 20 Tonnen zusammen.“ Die Ernte sei längst eingebracht; Probleme gebe es lediglich an einem Ort, an dem die Schälmaschine kaputt sei. Dort warteten noch acht Tonnen Kaffee auf den Abtransport, doch genau der ist das Problem.

„Die Straße ist ein Bachbett mit Felsbrocken. Für ungeschälten Kaffee müssen 20 Fahrten unternommen werden, für geschälten nur sieben bis acht Fahrten, da sich die Masse durch das Schälen in etwa halbiert“, so Vereinsvorsitzender Richard Renz, der sich aber hoffnungsvoll zeigt, auch dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Sanierung einer vom Hochwasser beschädigten Brücke

Befasst ist der Dikome / Kamerun-Verein auch mit der Sanierung einer vom Hochwasser beschädigten Brücke, die vor etlichen Jahren vom Rotary-Club finanziert worden war.

Insgesamt bedauert Renz indes, dass direkte Begegnungen in Douala derzeit nicht möglich sind. Die Partnerschaft lebe von Zusammenkünften von Angesicht zu Angesicht. „Ohne das ist sie nur die Hälfte wert.“

„Das Projekt steht und fällt mit Richard Renz“, lobte Bürgermeister Harscher den Einsatz des Vorsitzenden, aber auch den von Viktor Reis und des gesamten Teams.

Er selbst hoffe, so Harscher, auch einmal nach Kamerun reisen zu können, um sich direkt vor Ort ein Bild machen zu können.

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