Schopfheim „Michel“ ins rechte Licht gerückt

Hans-Jürgen Hege
Eine neue Lichtanlage ist im Inneren der Alten Kirche St. Michael installiert. Foto: Anja Bertsch

Jetzt wird’s Licht im „Michel“, wenn man die richtigen Knöpfe auf dem Tablet drückt, von dem aus die neue Beleuchtung im Innern der Altstadt-Kirche gesteuert werden kann.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Zur Vollendung der technischen Neuerung waren ein Vorlauf von rund zehn Jahren und eine Summe von rund 75 000 Euro nötig, finanziert von Stadt, Kirche und Land. Am Freitag endlich wurde sie, begleitet von Christoph Bogons Orgelspiel, feierlich eingeweiht.

Bürgermeister Dirk Harscher lobte – eingelullt in dicke Kleidung – das warme Licht in der kalten Kirche, die trotz des Festaktes „ihren Beitrag zur Energiekrise leisten“ musste. „Innen hell, draußen dunkel – normalerweise war das viele Jahre andersherum“, erinnerte Harscher an die vor der Krise von außen hell angestrahlte älteste Kirche der Region, in der künftig auch Taufen, Hochzeiten, Konzerte, Kunstwerke und historische Veranstaltungen ins rechte Licht gerückt werden können.

„Gut Ding braucht Weile“, fuhr Harscher fort. Eingeweihte wüssten, wie lange das Projekt geplant, wie oft es verschoben und wie heiß über Sinn, Zweck und Kosten diskutiert werden musste. Das alles sei nun vergessen. „Jetzt erstrahlt die alte Kirche in einem ganz, ganz tollen Licht“, lobte der Bürgermeister die Arbeiten, die Architekt Harald Klemm geplant, koordiniert und überwacht hatte.

Klemm wies in seinem Statement auf die „lange, lange Geschichte“ hin, die ihn mit St. Michael verbinde. Schon die Heizung, die momentan nicht in Betrieb sei, wurde unter seiner Regie eingebaut. Und auch die Bauerhaltsmaßnahmen, die vom Land Baden-Württemberg in Auftrag gegeben wurden, habe er zu verantworten gehabt und weiter zu verantworten.

Zu Beginn der Überlegungen, wie St. Michael ausgebaut werden müsse, sei ein recht großer Wunschzettel entstanden. „Die Kuratoriumssitzung war geprägt von vielen Wünschen und wenig Geld“, schmunzelte der Architekt.

Man habe sich damals geeinigt, nach der Erneuerung des Chores umzusteigen auf eine neue Beleuchtung. Das Geld dafür sei aber sehr knapp gewesen.

2015 habe er mit einem ortsansässigen Beleuchtungshersteller Kontakt aufgenommen. Das System, das damals vorgeschlagen und probehalber installiert worden sei, habe aber nicht die Zustimmung der Kuratoriumsmitglieder gefunden, obwohl es annähernd so ausgesehen habe, wie das jetzt installierte.

Lichtplaner mit im Boot

Ein Lichtplaner sollte mit ins Boot genommen werden, ein Wettbewerb wurde ausgelobt. 2017 sei dann relativ klar gewesen, wie man das Projekt realisieren könnte. Den baldigen Start allerdings verzögerten dann diverse Personalwechsel.

2020 endlich konkretisierten sich die Pläne dann doch, und nachdem die Finanzierung in trockenen Tüchern war, wurden 2021 die entsprechenden Beschlüsse gefasst – 2022 konnte man an deren Umsetzung gehen.

„Jetzt sehen wir hier eine Beleuchtung, die auffällig und doch unauffällig ist“, sagte Klemm. Alles entspreche den Vorstellungen des Planers und des Kuratoriums, in dem unter anderem zwei Bürgermeister, zwei Pfarrer und drei Bauamtsmitarbeiter „verschlissen“ worden seien.

„Eine große, lange Wanderung liegt hinter uns. Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen und wir können alle stolz sein, alles auf diesem Weg gemacht zu haben“, sagte Harald Klemm und kam zum Ende: „Ich bin gespannt, was als nächstes ansteht.“

Pfarrer Martin Schmitthenner blieb das „Schaulaufen“ vorbehalten, das zeigte, dass wohl etwas Übung dazu gehört, das Licht tatsächlich dort leuchten zu lassen, wo es laut Schaltplan leuchten soll: Stockdunkel wurde es bei der Premiere, als der Pfarrer zeigen wollte, wie hell es in der Kirche bei einem Gottesdienst werden soll.

Ob’s ein Fingerzeig himmlischer Mächte war, was die Gäste bei der Einweihungsfeier zur Orgelbegleitung am Ende singen durften, sei dahingestellt – aber irgendwie passte es: „Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ’ uns durch Finsternis zum Licht“

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