Schopfheim „Mit den Erträgen geht’s bergab“

Durchaus zwiespältig fällt die Bilanz der VR-Bank Schopfheim-Maulburg aus. „Mit Wachstum in allen Geschäftsbereichen war 2016 für uns ein gutes Jahr“, erklärten die Vorstände Bernhard Schlageter und Ines Niederschuh. Mit diesem Erfolg rechnen sie zwar auch noch für das laufende Jahr – aber dann.

Schopfheim . Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase „geht es danach mit den Erträgen bergab“, so Schlageter. Der Grund: Für neue Darlehen kann die Bank nur noch niedrige Zinsen verlangen, viele ältere, hochverzinste Kredite laufen aus. Wenn sie ihrerseits das Geld aus den Kundeneinlagen statt dessen bei der eigenen Zentralbank anlegt, muss sie Negativzinsen berappen.

Auf der anderen Seite gibt es im Kostenbereich für die VR-Bank mittlerweile „keinen Spielraum mehr“ für weitere Einsparungen.

Diese eher düsteren Prognosen werfen denn auch schon ihren Schatten voraus auf die Bilanz von 2016, obwohl die Geschäfte glänzend liefen. So konnte die VR-Bank ihr Kreditvolumen um 4,5 Prozent auf 474 Millionen Euro steigern. Sie sagte allein im vergangenen Jahr 78 Millionen Euro an neuen Darlehen zu und stellte damit fast das Rekordergebnis aus dem Vorjahr ein. 56 Prozent der Kredite entfielen dabei auf den privaten, 44 Prozent auf den gewerblichen Bereich.

Ein dickes Plus verzeichnete die Genossenschaftsbank auch bei den Kundeneinlagen – sie stiegen um 5,2 Prozent auf 324 Millionen Euro. Unterm Strich erhöhte sich 2016 das betreute Kundenvolumen um 4,7 Prozent auf 952 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss beläuft sich auf 1,25 Millionen Euro und erreicht damit das Niveau von 2015.

Dass in der Hauptstelle in der Bahnhofstraße ob dieser Zahlen keine Jubelstürme ausbrechen, liegt einzig und allein an der künftigen Großwetterlage. „Der Niedrigzinskurs der EZB macht uns schwer zu schaffen“, räumte Bernhard Schlageter ein. Da sich eine Trendwende diesbezüglich nicht abzeichne, müsse die VR-Bank jetzt bereits die Weichen für die Zukunft stellen.

Dazu zählt beispielsweise, dass die Dividende für die Mitglieder sinkt - von ehedem 4,75 auf nunmehr drei Prozent. Das ist laut Schlageter einerseits immer noch eine „angemessene“, weil deutlich höhere Rendite als auf dem Kapitalmarkt üblich. Die Kürzung gibt dem Geldinstitut andererseits aber auch die Möglichkeit, 100 000 Euro mehr als bisher für die Erhöhung des Eigenkapitals zu verwenden und damit die Voraussetzungen zu schaffen, auch in Niedrigzinszeiten die Kunden mit Darlehen zu versorgen.

Weitere Möglichkeiten, die Ertragssituation zu verbessern, sehen die beiden Bank-Vorstände derzeit allerdings nicht. Die Kosten seien ständig auf dem Prüfstand, so Schlageter, „doch es geht einfach nicht mehr“. Weil man frei werdende Stellen bereits nicht mehr besetzte, sank die Zahl der Mitarbeiter binnen eines Jahres von 92 auf 87 – durch natürliche Fluktuation (Ruhestand, Stellenwechsel). „Gekündigt haben wir niemandem, und das werden wir auch nicht“, betonen Bernhard Schlageter und Ines Niederschuh.

Ähnlich tabu ist für die Bank-Vorstände auch die Möglichkeit, Negativzinsen für private Guthaben zu verlangen. Kommunen und Firmen müssen ab einer Million Euro auf der hohen Kante zwar minus 0,4 Prozent Zins zahlen. „Für Normalkunden gibt es bei uns aber keine Negativzinsen“, versichern Schlageter und Niederschuh.

Eckdaten der Bilanz der VR-Bank für 2016:

Kreditvolumen:    474 Mio €

Kundeneinlagen:     324 Mio €

Kundenvolumen:    952 Mio €

Jahresüberschuss: 1,25 Mio €

Mitglieder:                                        11 825

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