Schopfheim Mit Kompetenz und Spielfreude

Die Barocksolisten mit dem Oboisten Juan Pechuan Ramirez. Foto: Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau - Schon das Zuhören war ein reiner Genuss. Mit seinem beseelten Spiel, jeder Ton singend gestaltet, gesellt sich der spanische Oboist Juan Pechuan Ramirez zu den exquisiten Barocksolisten. Die waren am Samstag bereits zum zweiten Mal in der Fahrnauer „Tonhalle“ bei Klassik im Krafft-Areal zu Gast, dieses Mal zum Saisonauftakt mit der besonderen Klangfarbe der Oboe.

Ramirez, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt und seit fünf Jahren erster Solooboist im Orchester der Deutschen Oper Berlin ist, gefällt in verschiedenen Barocksonaten von Telemann, Händel, Bach und anderen durch seine gebundene Phrasierung.

Besonders plastisch zu hören war das im Cantabile der E-Dur-Sonate von Telemann, von ihm mit nasal-kantabler Kantilene und ruhigem Atem geblasen. Für die schnellen Sätze hat der Oboist eine sehr bewegliche Tongebung, und so fügt er sich harmonisch in das rasante Cembalospiel von Raphael Alpermann ein, einem ausgewiesenen Fachmann für historische Musik und Mitglied der Akademie für Alte Musik Berlin.

Alpermann sitzt an einem Kielflügel ohne Kiele. Der schöne Nachbau eines flämischen Cembalos, eine Kopie nach Ruckers, ist nämlich reisetauglicher bestückt, sonst würden beim Transport die Kiele nur allzu gerne abbrechen.

Auf dem aufgeklappten Deckel des Cembalos steht geschrieben: „Musica curat corpus per animum“ – die Musik heilt den Körper durch die Seele.

Alpermann spielte voller Körpereinsatz und sichtlicher Vehemenz das berühmte Italienische Konzert von Johann Sebastian Bach. Es war ein viel beachteter Solobeitrag, denn der Interpret kann sich beim Cembalo ja nicht auf die Dynamik wie beim modernen Flügel verlassen, sondern muss sich ganz auf die Agogik, also die individuelle Gestaltung des Tempos kaprizieren.

Zusammen mit seiner Tochter Aleke Alpermann am Cello interpretierte er eine Sonate von Geminiani, wobei man neben den Duoqualitäten, sprich der Vertrautheit der beiden Spieler, im Presto einen vorwärtsdrängenden und im Adagio einen sehr gesanglichen Celloton hörte, während beim Cembalo eine völlig unakademische, spritzige Herangehensweise auffiel. Die 26-Jährige führte ein sprechendes Cellospiel vor, lebendig, farbig, emotional.

Auch der Geiger Daniel Gaede hatte seinen großen Soloauftritt mit Cembalobegleitung in der sechsten Bach-Sonate, die er auf den Punkt phrasierte, sehr gestisch anlegte; entsprechend natürlich kam sein Spiel organisch, mit unaufdringlicher Virtuosität rüber, zumal stilgerecht mit Barockbogen aufgeführt. In dieser Sonate hatte Alpermann auch ein ausgedehntes Cembalosolo.

Zusammen wirkte das Spiel der Barocksolisten direkt und zupackend, sowohl vom Verstand als auch vom Gefühl bestimmt. Mit Sachkompetenz, Spielfreude und Barock-typischer „Klangrede“ setzen sie alles daran, die Werkauswahl im besten Licht erstrahlen zu lassen.

Eine Repertoire-Entdeckung war dabei eine Sonate des Katalanen Joan Baptista Pla aus dem spanischen Barock. Die Zugaben, lauter kurze Sätze, waren alle von Bach. Dieses zweite Gastspiel zeigte, dass die Barockmusik mittlerweile einen festen Platz in dieser ansonsten Klassik- und Romantik-lastigen Konzertreihe hat.  „Klassik im Krafft-Areal“: 22. Juni mit dem Klavierduo Monika Egri und Attila Pertis, 27. Juli mit dem Jazztrio Harald Rüschenbaum und Wolfgang Griep

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