Schopfheim Motorradlärm: „Mir graut jetzt schon“

Schopfheim-Kürnberg - Die Dorfbewohner leiden unter dem Lärm rasender Motorrad- und Autofahrer. Vor allem an Wochenenden sei der Radau „ohrenbetäubend grauenhaft“, klagte die ehemalige Ortschaftsrätin Daniela Gempler bei der jüngsten Sitzung.

Tatsächlich debattierte das Gremium leidenschaftlich über einen ganzen Katalog von möglichen Maßnahmen, wie man das schon Jahre andauernde Verkehrsproblem nachhaltig in den Griff bekommen könnte.

„Tempo 30 oder Schilder mit der Bitte, langsam und damit lärmvermeidend zu fahren, bringen rein gar nichts“, schimpfte ein Zuhörer. Daniela Gempler fügte hinzu: „Mir graut es jetzt schon, wenn die Grenzen geöffnet sind und die Schweizer kommen.“

Auch die nämlich erliegen nur zu gerne dem Reiz der Kurven (von Fahrnau hinauf nach Gersbach), die sie vor allem jetzt nach dem coronabedingten Zwangsentzug wieder in vollen Zügen genießen wollen, wie man in Kürnberg befürchtet.

Entsprechend verzweifelt rangen die Ortschaftsräte mit Ortsvorsteher Peter Ulrich um praktikable Lösungen. Am liebsten würden einige gleich die ganze Straßenverkehrsordnung umkrempeln, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Thomas Speier beispielsweise glaubte, dass die leidige Geschichte mit einer Sperrung der Strecke nach Gersbach „generell an Wochenenden wie am Schauinsland“ ein Ende finden würde, hatte aber – wie Peter Ulrich anmerkte – nicht an die Bürger im Dorf gedacht, die mit ihren Maschinen selbst auch nicht mehr den Berg hinauffahren dürften.

 Martin Gruner erinnerte daran, dass die Behörden immer wieder intensive Kontrollen versprochen aber nie eingelöst hätten. Unter anderem habe das Landratsamt und auch die Polizei mehrere Lärmmessungen und Radarkontrollen unter der Woche und an Wochenenden angekündigt. „Aber nichts ist passiert. Warum nicht?“, ärgerte sich der ehemalige Ortsvorsteher, der auch nicht verstehen mochte, dass das Landratsamt Geschwindigkeitbeschränkungen schon vor den Ortsschildern strikt abgelehnt hat.

Auf den Zug sprang dann auch noch einmal Daniela Gempler auf: „Solche Regelungen gibt’s sogar an Bundesstraßen“. In zahlreichen Ortschaften an der B 34 bremsten Radarsäulen den Verkehr wirksam ab. „Warum geht das in unserem Dorf an dieser Kreisstraße nicht?“, ärgerte sie sich.

Michael Schmidt, „ein Gegner von zu vielen Schildern“, glaubt, dass die Straßenverkehrsordnung alles auch ohne solche Schilder regelt, „es müssen sich nur alle an die Vorschriften halten.“ Da das lediglich über den Geldbeutel durchsetzbar zu sein scheint, sollten die Kontrollen intensiviert werden. Außerdem fände er Radarsäulen an den Ortseingängen „nicht schlecht, selbst wenn es nur Attrappen sein sollten.“

Gerold Schmidt legte einen Entwurf von Maßnahmen vor, die Kürnberg der Stadt und dem Landratsamt aufzutischen gedenkt. Darin ist die Rede von „Tempo 70 auf der gesamten Strecke zwischen Fahrnau und Gersbach“.

Zudem sollen regelmäßige Lärm- und Geschwindigkeitskontrollen stattfinden, Tempo 50 in „angemessenem Abstand schon vor den Ortsschildern“ gelten und Radarsäulen das Rasen unterbinden. Enthalten ist außerdem der Vorschlag, auf beiden Seiten der Kreisstraße Fahrradschutzstreifen anzubringen, von denen sich der Ortschaftsrat eine Signalwirkung erhofft und die Autofahrer zur Vorsicht mahnt.

Solche Vorschläge brachten allerdings Siegfried Schmidt in Rage. Der ehemalige Stadtrat wollte sich „so einen Blödsinn nicht anhören“ und verließ den Saal.

So bekam er auch nicht mehr mit, wie Ortsvorsteher Peter Ulrich den erarbeiteten Vorschlag an die Stadt mit der Bitte ergänzte, alternative Radwege zwischen Kürnberg und Fahrnau auszuweisen und Mitglied der Landes-Initiative „Motorradlärm“ zu werden, die sich 2019 gebildet hat.

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