Schopfheim Neustart im „Schneider-Löwen“

Markgräfler Tagblatt, 12.01.2018 22:00 Uhr

Ältere Schopfheimer wissen’s noch genau: Das Gebäude mit dem beliebten China-Restaurant war einmal der „Schneider-Löwen“. Die alteingesessene chinesische Familie, die das Gasthaus wohl seit Ende der 80er Jahre, womöglich ab 1990 betrieb, hat den „Happy Garden“ aufgegeben - das Eckgebäude in der Hauptstraße 56 wird neu verpachtet.

Von Petra Martin

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Schopfheim. Es ist eine wohl schon historische Gaststätte in der Markgrafenstadt, die sogar Johann Peter Hebel schon besucht haben dürfte: der ehemalige „Löwen“ in Schopfheim. „Die Gaststätte gibt es seit 1724, sie hat verschiedene Eigentümer und Pächter gehabt“, berichtet Stadtarchivarin und -museumsleiterin Ulla Schmid. So tauche in den alten Unterlagen der Stadt zunächst der Name Michael Clays als Pächter auf, dann, Anfang des 19. Jahrhunderts, der Name Cleis als Eigentümer. Der „Löwen“, ein markantes Gebäude, wurde auch in der Literatur Hebels erwähnt.

Ulla Schmid hat die Traumaufzeichnungen des Heimatdichters präsent. Am 3. Juni 1812 habe Hebel folgendes notiert: „Ohne wieder fortzugehen, waren wir hernach doch in Schopfheim im Löwen. “ Ulla Schmid vermutet, dass es sich um Hebel und seine Mutter handelte, die zwischen Hausen und Basel zu Fuß oder mit dem Fuhrwerk gependelt seien. So könne durchaus davon ausgegangen werden, dass Hebel im „Löwen“ eingekehrt sein könnte. Denn es sei ausdrücklich von Schopfheim die Rede; der andere „Löwen“ trage ja noch die Bezeichnung „Goldener“, und der „Löwen“ in Gündenhausen sei damals nicht Schopfheim zugerechnet worden, so Ulla Schmid.

Das Wappen an der Wand des China-Restaurants ziert indes die Jahreszahl 1906 und das „Schneider-S“. Hier kommt denn auch die Familie Schneider ins Spiel, deren Nachfahrin das Gebäude heute gehört. Ulla Schmid berichtet von einer Familie Schneider-Schindler, dann von Eduard Schneider aus Hertingen, der die Gaststätte von 1906 bis mindestens 1945 besaß. „1950 hatte der Löwen Fremdenzimmer mit 18 Betten“, so Ulla Schmid. Von 1959 bis mindestens 1961 sei das Gasthaus an einen Metzger und Gastronomen namens Wilhelm Jehle aus Strittberg im Kreis Waldshut verpachtet gewesen.

Das Haus indes ist heute immer noch im Besitz der Familie Schneider, wie Silvester Schneider stolz bemerkt. Eigentümerin ist seine Schwester Barbara - und jetzt wird bei der traditionsreichen Gaststätte in der Innenstadt wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Die chinesische Familie, die es rund 30 Jahre betrieb, wobei es innerhalb der Familie zu Wechseln kam, hat den „Happy Garden“ verlassen. Zuletzt hatte es die 22 Jahre alte Tochter der chinesischen Familie gepachtet, doch ihr Wunsch sei es gewesen, nach China zurückzukehren, berichtet Silvester Schneider.

Gerne erinnert sich Silvester Schneider an die „alte Schopfheimer Zeit“ beziehungsweise an die Erzählungen darüber. Sein Vater Emil Schneider war es, der das Gasthaus wiederum von seinen Eltern übernommen hatte, sein Vater Emil war es auch, der den traditionsreichen „Löwen“ betrieb, bevor er ihn verpachtete, und sein Vater war es auch, der als Reiseunternehmer schon vor dem Zweiten Weltkrieg Fahrten mit einem alten Hurlibausbus organisierte, so in die Schweiz und über die Alpen nach Italien.

Noch heute besitzt Silvester Schneider das Werbeschild der Hurlibausbusfahrten und auch den großen Hammer, mit dem einst auf dem Eisweiher Eis geschlagen wurde und dann zum Eiskeller in die Austraße gebracht wurde - dort wo Silvester Keller heute sein „Design Individuell“-Studio betreibt. Silvester Schneider hat ein Faible für die alten Schopfheimer Geschichten und weiß zum Beispiel, dass die Milch früher per Pferdefuhrwerk aus dem Kleinen Wiesental in die Markgrafenstadt gebracht wurde.

Nach dem Weggang der „Happy Garden“-Pächter vermietet er die Gaststätte neu. „Es wird ein vietnamesisches Restaurant“, verrät er. Betreiben wird es Quocvy Nguyen, der mit seiner Familie bereits ein Restaurant in Berlin führt. Der Vietnamese wird die traditionsreiche Schopfheimer Gaststätte mit einem Cousin und weiteren Helfern betreiben. Nach dem Umbau soll der alte „Schneider-Löwen“ - ein neuer Name für das vietnamesische Gasthaus mit Sushi-Bar steht noch nicht fest - im April wieder öffnen.