Schopfheim Nur im Osten was Neues

Werner Müller

Einen Alexander den Großen hätte der Gemeinderat am Montag gut gebrauchen können. Biss sich das Gremium doch an ein paar Knoten schier die Zähne aus – und ein scharfes Schwert war weit und breit nicht in Sicht.

Von Werner Müller

Schopfheim . Das verzwickte Mitbringsel auf den Tisch geknallt hatte Dieter Bollinger vom Referat Straßenbau des Regierungspräsidiums (RP), der die Stadträte über den aktuellen Stand verschiedener Straßenbauprojekte informierte – vor allem über das weitere Vorgehen bei den zwei Problemknoten an der B 317 – der Einfahrt Schopfheim-Mitte sowie der Einfahrt Schopfheim-Ost (Anbindung an die B 518).

Dabei ließ Bollinger gleich zu Beginn die Katze aus dem Sack: Für das RP habe der Knoten im Osten Vorrang, die Zufahrt Mitte habe man „zurückgestellt“.

Knoten Schopfheim-Mitte

Zwar sei auch diese nach wie vor ein Unfallschwerpunkt, da auch die Linkseinfädelspur in Richtung Zell nicht den erhofften Effekt zeige. Doch für den Umbau des mittleren Knotens könne er „keine zeitliche Prognose“ abgeben.

Diese Botschaft kam am Ratstisch gar nicht gut an – es hagelte vielmehr deutliche Kritik.

Ganz untätig will das RP nach Bollingers Worten an der mittleren Zufahrt indes nicht bleiben. Das RP wolle die beiden „untypischen Unterknoten“ an der Rampe zur Bundesstraße beim Dreistern-Werk (Hohe-Flum-/Wiechser Straße), auch aufgrund der ungewöhnlichen Vorfahrtsregelung, durch zwei Kreisel ersetzen. Die Vorplanung dazu laufe bereits, mit dem Bau sei voraussichtlich 2026 oder 2027 zu rechnen.

Die Kosten belaufen sich nach derzeitiger Schätzung auf drei Millionen Euro. Einen Kreisel finanziere der Bund alleine, beim anderen teilten sich Bund, Kreis und Stadt die Kosten.

Auch den Radweg, der den Ast zur B 317 direkt an der Einmündung parallel zum Floßkanal schneidet, will das RP umbauen. „Das ist eine relativ wilde Überquerung“, so Bollinger. Geplant sei eine aufwendige Unterführung, eine wasserdichte „weiße Wanne“. Mit dem Bau sei ab dem Jahr 2029 zu rechnen, Kosten: 1,5 bis zwei Millionen Euro.

Knoten Schopfheim-Ost

Grundsätzlich Vorrang vor dem mittleren Zufahrt hat für das RP indes der kreuzungsfreie Umbau des östlichen Knotens B 317 /  B 518. Ein dreistreifiger Ausbau der Bundesstraße in Richtung Wehr im Steigungsbereich zur Eichener Höhe soll zudem das Überholen von Lkw ermöglichen.

Da die Planung seit fünf Jahren ruhe, müsse man „zwei Schritte“ zurückgehen und vor allem das naturschutzrechtliche Verfahren neu aufrollen, um Rechtssicherheit zu erhalten, so Bollinger. Start der Maßnahme sei frühestens im Jahr 2030, die Kosten dürften sich auf rund sieben Millinen Euro belaufen.

Hangentwässerung Eichen

So lange will das RP mit der Hangentwässerung zum Schutz von Eichen allerdings nicht warten. „Wir ziehen diese Maßnahme vor“, erklärte Dieter Bollinger. Die betroffenen Grundstückeigentümer hätten bereits ihre Erlaubnis erteilt. Baubeginn sei voraussichtlich im August dieses Jahres, die Bauarbeiten dauerten sieben Monate, die Kosten betrügen 1,1 Millionen Euro.

Rudi Wasmer, Ortsvorsteher von Eichen, begrüßte die vorgezogene Hangentwässerung. Er bat indes darum, während der Bauzeit und der halbseitigen Sperrung der B 518 dafür zu sorgen, dass sich kein „Ausweichverkehr“ durchs Dorf zwänge.

Radweg L 139

Neben dem Sachstandsbericht zu den beiden Bundesstraßen hatte Dieter Bollinger aber auch noch ein paar Projekte an der L 139 im Gepäck. Dazu zählt der durchgängige Ausbau des Radwegs zwischen Langenau und Enkenstein.

Im Zuge dessen werde das RP auch die S-Kurve begradigen und die Brücke über den Gresger Bach „hochwassertauglich“ umgestalten. Die Planfeststellung soll bis Ende 2025 erfolgen, mit dem Baubeginn sei Anfang 2026 zu rechnen. Die Kosten bezifferte Bollinger auf 1,3 Millionen Euro.

Auf den Hinweis von Enkensteins Ortsvorsteherin Eva Brutschin, beim geplanten Radwegausbau sei mit „erheblichem Widerstand“ zu rechnen, erklärte der Vertreter des RP: „Wir rechnen durchaus mit Gegenwind“. Allerdings gebe ein Planfeststellungsverfahren den Behörden auch „starke Mittel“ in die Hand.

Ortsdurchfahrten

Im Zusammenhang mit dem Radwegausbau soll für 150 000 Euro am südlichen Ortseingang von Langenau eine Querungshilfe für Radfahrer und Fußgänger entstehen. Zudem plant das RP, in der Ortsdurchfahrt die Fahrbahndecke zu erneuern und dabei so genannten „Flüsterasphalt“ einzubauen.

Eine neue Fahrbahndecke sei auch für Enkenstein vorgesehen, so Bollinger weiter. Weil dort aber seit kurzem Tempo 30 gelte, sei Flüsterasphalt nicht mehr erforderlich. Im Zuge der Fahrbahnerneuerungen will die Behörde zudem die Bushaltestellen barrierefrei umbauen.

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