Schopfheim Pappkameraden beim Geisterspiel

Diese Fans sind (nicht) aus Pappe: Die Konterfeis von Linda und Andreas Steinebrunner auf der Nordtribüne im Borussen-Park. Foto: zVg Foto: Markgräfler Tagblatt

Am Wochenende rollt in der Bundesliga wieder der Fußball. Das Geschehen auf dem Rasen im Gladbacher Borussen-Park verfolgen dann auch Linda und Andreas Steinebrunner aus Schopfheim – als zwei von mehr als 12 000 Pappkameraden.

Von Christoph Schennen

Schopfheim. Das Ehepaar – beide sind große Fans von Borussia Mönchengladbach – hat sich entschlossen, an der Aktion des Fanprojekts Mönchengladbach (FPMG) teilzunehmen.

Linda und Andreas Steine­brunner haben jeweils ein Foto von sich gemacht, das sie von der Bauchnabelhöhe aufwärts zeigt, und es über eine App dem Fanprojekt zugeschickt. Damit wurden dann Kunststofffiguren angefertigt und auf den Sitzschalen oder an den Wellenbrechern der Nordkurve montiert, wo sie mit Tausenden von anderen Papp-Fans die nächsten Heimspiele der „Fohlen-Elf“ verfolgen werden.

Ein mannshohes „Alter Ego“ kostet 1900 Cent, womit an das Gründungsjahr des Vereins (1900) erinnert wird. Pro Pappkamerad fließen 2,50 Euro in die Kasse des Fanprojekts, weitere zwei Euro gehen jeweils an die FPMG-Aktion „Borussen helfen Borussen“ sowie an die Borussia-Stiftung.

Andreas Steinebrunner gefällt an der Aktion, dass sie das Gefühl vermittelt, als ob Zuschauer die Heimspiele verfolgen würden. Seine Frau freut es, dass nun wieder Fußball gespielt werden darf und „man im Fernsehen nicht immer nur Corona hört“.

Andreas Steinebrunner hat die Liebe zum Club von seinem Vater geerbt. Der war Fan der Mannschaft, die in den siebziger Jahren ihre größten Erfolge mit Spielern wie Günter Netzer, Jupp Heynckes oder Klaus-Dieter Sieloff feierte. Die Gladbacher wurden zwischen 1970 und 1977 fünfmal deutscher Meister, ferner gewannen sie den DFB-Pokal, zweimal den UEFA-Cup und standen einmal im Pokalfinale der Landesmeister.

Die Gladbacher hätten damals den „schönsten Angriffsfußball“ aller Bundesliga-Teams gespielt, schwärmt Steinebrunner. Der Anlagenmechaniker hat früher selber Fußball gespielt - beim FV Fahrnau und beim SV Schopfheim.

Die Eheleute sammeln nicht nur viele Fanartikel, die der Verein herausbringt. An die Hauswand ist das Vereinsemblem, die Raute mit dem „B“, aufgepinselt. Nachts wird es beleuchtet. Natürlich trägt Andreas Steinebrunner auch Badeschlappen mit dem Logo des Vereins und weist auch auf den Gullydeckel hin, den er mit den Vereinsinsignien gekennzeichnet hat.

Linda Steinebrunner hat sich ihre Liebe zum Verein auf den Unterarm tätowieren lassen. „Das erste Trikot aus dem Jahr 1972 habe ich geschenkt bekommen“, sagt ihr Mann. Er verweist noch auf seinen 200 Euro teuren Fanstein (Nummer 2497), der mit 5999 anderen 28 Zentimeter langen, 18 Zentimeter breiten und 5,7 Kilo schweren Brocken ein 22,5 mal 15 Meter großes Bodenmosaik hinter der Nordkurve des Borussia-Parks bildet.

Auch die Hochzeit der Steinebrunners im Jahr 2004 fand ganz im Zeichen ihres Lieblingsvereins statt. Bilder zeigen ein glückliches Paar an einem Auto, auf dessen Motorhaube schwarze, weiße und grüne Luftballons angebracht sind und eine Styrorporplatte in Rauteform mit den Namen „Linda“ und „Ameise“. „Ameise“ ist der Spitzname von Andreas Steinebrunner.

Die Steinebrunners sind eher selten Gast im Stadion der „Fohlen“. „Ein bis zweimal im Jahr schauen wir uns ein Heimspiel an“, sagt Andreas Steinebrunner. Der Weg dorthin sei einfach zu weit. Wenn das Ehepaar seinen Samstag zu Hause verbringt, verfolgt es die Spiele bei der Bundesliga-Konferenz am Radio.

Wann die nächste Tour nach Mönchengladbach ansteht, ist noch unklar. Sicher ist, dass sie ihre Pappkameraden abholen wollen. Vielleicht stellen sie diese dann in den Garten, wo sie die kleine Sammlung der Gladbach-Devotionalien ergänzen.

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