Schopfheim „Patienten sind eine Macht“

Schopfheim - Spitzenmedizin in Kontinuität: Die Zeitschrift „focus Gesundheit“ hat das Kreiskrankenhaus Schopfheim mit seinem Diabeteszentrum zum vierten Mal in Folge in die Bestenliste aufgenommen.

Die Einrichtung wurde als „Top Krankenhaus 2021“ ausgewählt. Die Einschätzung beruht auf einer Empfehlung von Patienten und Ärzten.

Dass die Diabetologie am Kreiskrankenhaus Schopfheim einen überragenden Ruf genießt, ist Michael Maraun, Chefarzt für innere Medizin sowie Leiter des Diabeteszentrums, und seinem Team, zu dem sechs Diabetesberater gehören, zu verdanken.

Prominente Diabetiker outen sich

Ein Glücksfall für das Kreiskrankenhaus war der Umstand, dass Maraun, seit seinem sechsten Lebensjahr Diabetiker, Typ 1, beim Aufbau des Diabeteszentrums vor rund 30 Jahren besonders beruflich motiviert war. Aus dem „Hobby“, wie Maraun schmunzelt sagt, ist längst ein fester Bestandteil des Klinikangebots geworden, das auch vom Jahr 2025 an im neuen Zentralklinikum seinen Platz einnehmen wird.

Anlässlich der „focus“-Auszeichnung sagte Chefarzt Maraun, es freue ihn besonders, dass sich am Weltdiabetestag am 14. November, weitere in der Öffentlichkeit stehende Menschen an die Presse gewandt hätten: Der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn und die Freiburger National-Fußballspielerin Sandra Starke hätten sich öffentlich dazu bekannt, an Diabetes erkrankt zu sein. „Es ist immer schön, wenn sich Promis outen.“

Dass Diabetiker überhaupt behandelt, wenn auch nicht geheilt werden können, so Michael Maraun, sei der Insulin-Idee des kanadischen Arztes Frederick Banting zu verdanken – am 31. Oktober jährte sich der „Geburtstag“ dieser Entdeckung zum 100sten Mal.

Das Hormon ist lebenswichtig, es dient der Aufrechterhaltung von Körperfunktionen wie Herz oder Atmung. Vor der Entdeckung sind Diabetiker, Typ 1, kurz nach Auftreten ihrer Erkrankung gestorben.

Maraun stellte beim Pressegespräch den technischen Fortschritt in der Stoffwechselforschung anschaulich mit verschiedenen Utensilien dar: Gab es anfangs noch Insulin-Metallspritzen mit Nadeln, die ausgekocht wurden, bis sie stumpf waren, wurde das Messen des Blutzuckers erst viel später möglich – bis dahin wurde nur „im Blindflug gearbeitet“.

Ein Messgerät aus dem Jahr 1974, das damals 1000 D-Mark kostete, galt als Revolution: Das Blut wurde auf einen Teststreifen aufgetragen, bevor es dann dem Messgerät zugeführt wurde. Vom blutigen Stechen gelangte die Entwicklung bis hin zum neuesten nicht-blutigen Sensor-Messsystem im Unterhautfettgewebe, das auch den Verlauf der Glukosewerte über acht Stunden anzeigen, bei Bedarf Alarm schlagen und den Arzt via Cloud über die Werte in Kenntnis setzen kann.

Insulinpens und -pumpen zählen zum Angebot; dass sich die neueste Technik an Zentren konzentriert, komme den Patienten besonders zugute. Dass die Technik nicht stillsteht, freut Michael Maraun sehr. „Diabetiker sind eine Macht geworden, die die Industrie vorantreibt.“

Laut Chefarzt Maraun steigt die Zahl der Diabetiker beiden Typs. Derzeit gebe es sieben bis acht Millionen Diabetiker in Deutschland, davon sind lediglich 400 000 Typ 1. Die Nachfrage nach Einzelberatung oder Schulungen, die die Diabetesberater anbieten, ist hoch, die Veranstaltungen müssen allerdings wegen Corona derzeit in kleineren Gruppen stattfinden.

Das Interesse an Beratung ist hoch

Maraun sagte, Typ 1, bei dem die Bauchspeicheldrüse nur wenig oder kein Insulin produziere, beginne meist im Kinder-, Jugend und jungen Erwachsenenalter. Typ 2, bei dem das Hormon nicht mehr richtig wirken könne, sei indes keine reine Alterserkrankung mehr (früher: „Alterszucker“).

Schon zwischen 35 und 40 Jahren erkrankten die Menschen heute an Typ 2; sogar Kinder können betroffen sein. Wird die Stoffwechselkrankheit nicht behandelt, sind schlimme Folgeschäden zu erwarten. Die genetische Fixierung spiele eine große Rolle; beim Typ 2-Diabetiker indes komme es besonders stark auf den Lebensstil an – gesunde Ernährung (aber nicht in Form strenger Diäten) und Bewegung seien essenzielle Behandlungspunkte.

Durch den Einsatz moderner Technik und das Schulungsangebot sei der Diabetologe heute bei der Behandlung dieser chronischen Erkrankung nicht allein Arzt, sondern vielmehr Wegweiser und Moderator – der Patient müsse aktiv mitarbeiten. Es gilt, individuelle Therapien zuzuschneidern. Logisch: Was für den Mensch mit Normal-Bürozeit passt, ist für den Schichtarbeiter nicht umsetzbar.

In Corona-Zeiten plagen Diabetiker indes große Ängste, weil im Fall einer Covid 19-Erkrankung schwerere Verläufe beobachtet worden sind. Über die Ängste müsse man sprechen, betont der Leiter des Diabeteszentrums. Ein gut eingestellter Diabetes bedeute auch gute Chancen für Diabetiker.

Ob mit oder ohne Corona: „Wir wollen Diabetikern ermöglichen, ein Leben wie ein Nicht-Diabetiker zu führen“, unterstreicht Michael Maraun.

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