Schopfheim Porträts im Scheinwerferlicht

Markgräfler Tagblatt, 14.11.2017 00:00 Uhr

Von Jürgen Scharf

Heutzutage in einer Kleinstadt eine Galerie zu eröffnen, ist ein gewagtes Unterfangen. Der Künstler Mark-Roland Fuchs, der bis vor zwei Jahren über 20 Jahre lang ein Atelier in der Schopfheimer Altstadt hatte, ist das Wagnis mutig eingegangen.

Schopfheim. Die Chancen einer Galerie in Schopfheim können gut stehen, wenn man es so anpackt, wie es der in Ried im Kleinen Wiesental lebende Maler vorhat. Fuchs will zusammen mit einem erfolgreichen Galeristen und Künstler aus dem Landkreis, Volker Scheurer vom Kunstraum Kieswerk in Weil am Rhein, eine Art kleinen Dachverband gründen, bei der sich befreundete Galerien angliedern können.

Die Konstruktion mit dem Arbeitstitel „Euro Art“ - das Kind hat noch keinen Namen – sieht eine intensive Zusammenarbeit und Austausch unter Galerien, national wie international, vor. Ein intelligentes System, wenn Künstler rotieren können und von einer Galerie zur anderen gereicht werden.

Das Konzept, das jetzt bei der Eröffnung vorgestellt wurde, verspricht Erfolg zu haben, wenn man ein solches Netzwerk aufbauen kann. Dann ist auch der Standort Schopfheim allein nicht mehr so relevant. In der neuen Galerie in der Hauptstraße, wo vorher das Bistro „Da Leo“ war, sind vier Wechselausstellungen pro Jahr geplant, mit festen Öffnungszeiten.

Das Projekt startet aber erst einmal mit einer eigenen Ausstellung von Mark-Roland Fuchs und neuen Arbeiten, die er unkonventionell, aber sehr schön präsentiert. Wer sich am Donnerstagabend dem Haus näherte, sah schon von weitem durch die beleuchtete Fensterfront einen großen Porträtkopf im Scheinwerferkegel. Das war eine starke Wirkung! So haben es auch die zahlreichen Besucher – die drei Räume waren ziemlich voll – gesehen. Man war beeindruckt.

Die Einführungsrede fand in Form eines Künstlergesprächs statt zwischen Tonio Paßlick, dem Kulturamtsleiter aus Weil am Rhein, und Mark Roland Fuchs. Sie redeten über das Galeriekonzept, über die Chancen einer Galerie in Schopfheim, den angepeilten Zusammenschluss von Galerien und die internationale Vernetzung.

Paßlick hat Fuchs ferner zu dessen Arbeitsweise und Maltechnik befragt, zu den Inhalten der Bilder, der Bedeutung der Farben, wie wichtig diese für ihn seien, und ging auch speziell auf das neue Medium ein, das der Künstler benutzt: digitale Techniken. Musik gemacht hat Paßlick auch noch, ist er doch Flötist. Er spielte mit Thomas Bergmann (Gitarre und Saz) ein spontan zusammengestelltes Kurzprogramm.

Gezeigt werden vor allem interessante objektartige Bilder aus schwerem handgeschöpftem Büttenpapier, die in vielen Schichten bearbeitet und ohne Rahmung sind: eine Mischform aus Skulptur, Malerei und Zeichnung. Diese neue Serie ist „Faces“ benannt (einige Bilder waren an dem Abend noch feucht, so nagelneu sind sie). In „Faces“ stellt der Künstler keine Situation dar, sondern er reagiert auf Gefühls- und Seelenzustände. So wird jeweils ein besonderer Ausdruck durch Farbe in die Gesichter projiziert. Es ist der Versuch, mit Schablone über ein Grundmotiv frei zu arbeiten. Objektcharakter haben auch die großen Holzbildwerke mit dem Serientitel „Quo vadis“(wohin gehst du?).

Die Reihe wurde vor zwei Jahren begonnen, als der Exodus aus Afrika begann. Es sind fast prophetische Bilder, die die Migration, den globalen Umbruch im großen Stil betreffen und auf ein archetypisches Gesicht reduzieren. Auch die Landschaft bekommt für Mark-Roland Fuchs ein Gesicht.

Eine ganz neue digitale Serie heißt „Landfaces“. Heutige Hilfsmittel wie Tablets ermöglichen es einem Künstler, in der Landschaft die ganze Atelierausrüstung im iPad – statt schwerer Staffelei - dabei zu haben. Moderne Zeiten!

 
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