Schopfheim Punktwolken und viele weiße Kugeln

Markgräfler Tagblatt, 14.03.2014 23:01 Uhr

Schopfheim (ma). Nanu? Viele Schopfheimer wunderten sich gestern, weil die Rathausgebäude mit weißen Kugeln bestückt waren, die aussahen wie Lampen. Sollte der Marktplatz etwa eine neue Beleuchtung erhalten? Oder handelte es sich gar um eine Kunstinstallation?

Des Rätsels Lösung: Auf dem Marktplatz stand ein 3D-Laserscanner, der die Fassaden der Rathäuser scannte - die weißen Kunststoffkugeln waren Messhilfen, und nach der Messung werden sie wieder eingesammelt.

„Die Stadt Schopfheim lässt unsere Rathäuser scannen, also aufmessen, um aktuelle Pläne vom ehemaligen Bezirksamt, Kindergarten am Marktplatz, dem ehemaligen Amtsgericht und dem Rathaus mit Nebengebäuden zu erhalten“, informierte Hochbauamtsleiter Bertram Ludwig. Das diene zur Vorbereitung der Fassadensanierung. „Ohne exakte Fassadenabwicklung können wir nicht planen und berechnen.“

Um die Fassaden dieser Gebäude, die über viel Sandstein, Putz und Vorsprünge verfügen, berechnen zu lassen, bediente sich die beauftragte Firma des 3D-Lasercannings (Laserabtastung). Das Ergebnis seien dreidimensionale Punktwolken, die ein vollständiges Abbild der Messszene bieten, erläuterte Michael Prochnow, Architekt und Geschäftsführer der Forma plantec in Freiburg, gestern auf dem Marktplatz. Der Einsatz des 3D-Lasercsannings sei relativ neu, die Technik stecke noch in den Kinderschuhen. Ganz neu ist sie indes nicht: So erstellte die Firma mittels dieser Methode auch schon für das alte Rathaus in Fahrnau ein 3D-Modell.

Das 3D-Laserscanning gilt als die schnellste Art der Vermessung und Dokumentation. Das Scannen übernimmt der 3D-Laser. Während im Gebäude der Rathaussaal rundum vermessen wurde (360 Grad), wird im Außenbereich der Laser immer in Abständen von 20 Metern aufgebaut, bis schließlich die gesamten Gebäude von jeder Seite gescannt sind - mit dem Ziel, maßstäbliche Fotos zu erhalten. Dabei werden Millionen von Messpunkten erfasst. Bis die Gebäude auf dem Marktplatz von jeder Seite aufgemessen sind, dauert es einen Tag, danach ist noch das Bezirksamt dran. Die Auswertung dauert mindestens vier Wochen, das Ergebnis ist ein 3D-Gebäudemodell.

„Unsere alten Pläne stimmen nicht mehr“, so Hochbauamtsleiter Ludwig. Für die Ausschreibung zur Fassadensanierung genüge es jedoch nicht, pauschale Angaben über die zu reparierenden Stellen im Putz zu machen. Vielmehr müssten diese genau beschrieben werden. Dies sei auch für die Kostenermittlung wichtig.

Für die Reparatur des Sandsteins, neue Dachrinnen, den neuen Anstrich und die Erneuerung des Sockelputzes der Rathäuser seien rund 150 000 Euro an Kosten ermittelt worden. Ob es dabei bleibt, kann noch nicht abgeschätzt werden. Erst wenn zur Sanierung die Gerüste stehen, könne man sich zum Beispiel auch ein Bild vom Zustand der Dachgauben machen, sagte Ludwig. Auf jeden Fall bedeute das 3D-Laserscanning den Startschuss zum anvisierten Gebäudemanagement.