Schopfheim Repair-Café wartet auf virtuelle Gäste

Schopfheim - Ein Lebenszeichen nach langer Zwangspause: Das „Repair-Café“ nimmt Mitte dieses Monats seinen Betrieb wieder auf – allerdings in völlig ungewohnter Form.

Denn die beliebte Einrichtung kommt künftig als „virtuelles“ Angebot daher, wie die Organisatoren Delia Kuhnert, Martin Pfister und Jürgen Kettner vom des Bürgerverein für eine klimaneutrale Stadt gestern anlässlich eines Video-Pressegespräches bekannt gaben.

Der Hintergrund liegt auf der Hand: Wegen der Corona-Beschränkungen kann das Repair-Café seit Herbst nicht mehr, wie gewohnt, im evangelischen Gemeindehaus in Fahrnau seine Pforten öffnen. Dort konnten Gäste letztmals im September des vergangenen Jahres den ehrenamtlichen Reparateuren ihre defekten Geräte aushändigen.

„Wir haben uns deshalb Gedanken gemacht, wie wir unsere Idee durch die Corona-Pause retten können“, erklärt Martin Pfister. Die Lösung sei „ganz simpel“ – durch ein virtuelles Café nämlich.

Das funktioniert in der Tat ziemlich einfach: Gäste und Kunden sollen ab sofort telefonisch oder per Mail zueinander finden, statt sich alle miteinander im Gemeindehaus über den Weg zu laufen. Dafür richtet der Klimaverein eine Hotline ein, die samstags von 10 bis 12 freigeschaltet ist.

Wer ein defektes Gerät instandsetzen lassen möchte, kann sich melden. Seine Anfrage kommt auf eine Liste, einer der zehn bis 15 ehrenamtlichen Reparateure des Verein schnappt sich den Auftrag und setzt sich mit dem Eigentümer des betreffenden Geräts in Verbindung. Die beiden vereinbaren einen Termin, an dem der Gast dann sein Gerät samt einer kurzen Schilderung des Problems direkt beim Reparateur abgeben kann. Nach erfolgreicher Reparatur erfolgt die Rückgabe nach dem gleichen Schema.

„Ein Testfall, den wir mit einer defekten Wanduhr durchspielten, hat schon mal geklappt“, berichtet Martin Pfister, der wie seine Mitstreiter hofft, dass auch das virtuelle Repair-Café möglichst viele Gäste anlockt. „Der Bedarf ist da“, zeigt sich Delia Kuhnert überzeugt. Versicherungstechnisch sei auch diese Variante abgedeckt, betont Jürgen Kettner.

Mit dem Repair-Café wolle der Klimaverein nicht in Konkurrenz zu den Fachgeschäften treten, betonen Delia Kuhnert und Martin Pfister. Deswegen seien ihre Klientel auch keine „Kunden“, sondern „Gäste“.

Die ehrenamtlichen Reparateure nehmen denn auch nur kompakte Geräte an, Waschmaschinen und dergleichen kommen nicht in Frage. Handys übrigens auch nicht, wie Martin Pfister betont. Deren Reparatur sei eine „heikle Sache“, die zudem Spezialwerkzeug erfordere.

Für ihn und seine ehrenamtlichen Kollegen hat die virtuelle Version des Repair-Cafés durchaus zwei Seiten. Einerseits vermissen die Reparateure den Austausch mit den Gästen, wie er bei den Präsenzterminen durchaus an der Tagesordnung war. „Da ging es nicht nur um die Reparatur, es gab auch viele Schwätzchen und manch interessante Lebensgeschichte zu hören“, so Pfister.

Andererseits gerieten die Reparateure im Café oft auch unter Zeitdruck, wenn die Gäste, was durchaus vorkam, wieder einmal Schlange standen. Bei der virtuellen Variante könne sich der Reparateur etwas mehr Zeit lassen. „Das kommt auch der Qualität zugute“, so Pfister.

Die Organisatoren sind jetzt gespannt, ob und wie die neue Fasson des Repair-Cafés bei den Gästen ankommt. Bei guter Resonanz ist es durchaus denkbar, dass nach dem Ende des Corona-Lockdowns beide Versionen parallel weiterlaufen werden.

Der Klimaverein bietet seinen Service seit September 2015 etwa fünf Mal im Jahr an, insgesamt war das Repair-Café seither 20 Mal geöffnet.

Neustart des Repair-Cafés ist am Samstag, 16. Januar, von 10 bis 12 Uhr. Anmeldung unter Tel. 0152-57488208 oder per Mail an: delia.kuhnert@t-online.de

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