Schopfheim Schicksale von NS-Opfern würdigen

Stolpersteine sollen bald auch in Schopfheim zur Erinnerungskultur beitragen. Foto: Christoph Soeder

Schopfheim -  Das Anliegen, auch in Schopfheim sogenannte Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen, ist bei der Stadt auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat vor, diese Idee im Sinne einer verantwortungsbewussten Erinnerungskultur auch in der Markgrafenstadt umzusetzen.

Bei dem Konzept des Künstlers Gunter Demnig, mit Stolpersteinen eine grenzüberschreitende, universelle Erinnerungsform an die Opfer der NS-Herrschaft zu gestalten, handle es sich um eine „beispielhafte Initiative“, schreibt die Verwaltung in der Vorlage für die nächste Gemeinderatssitzung. In Schopfheim wurde das Vorhaben in den vergangenen Wochen und Monaten durch die Initiative „Stolpersteine Wiesental“ und einen Antrag der Grünen vorangetrieben (wir berichteten).

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um kleine Messingplatten, die auf Betonsteine aufgebracht und in den Bereich vor dem letzten Wohnort von Opfern eingelassen werden. Jeder einzelne Stein soll, mit knappen Daten versehen, an das Leben und Leiden eines NS-Opfers erinnern.

Angestrebt wird durch die Steine selbstverständlich nicht das tatsächliche Straucheln von Passanten, sondern das gedankliche „Stolpern“ und Aufmerksamwerden auf die unmenschlichen Vorgänge in der deutschen Geschichte. Eine zweite Bedeutungsebene sehen die Initiatoren darin, dass der heutige Betrachter den Kopf senken muss, um die Steine zu betrachten, womit symbolisch eine Verneigung vor den Opfern des NS-Unrechtsstaats verbunden ist.

Sorgfältig und gewissenhaft prüfen

Die Stadtverwaltung schlägt nun vor, einen Arbeitskreis einzurichten, der „sorgfältig und gewissenhaft“ prüfen soll, wo und für wen Stolpersteine in der Stadt verlegt werden. „Diese Überprüfung soll in gutem Miteinander von bürgerschaftlichem Engagement, politischen Vertretern und fachlicher Expertise erfolgen“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Die Federführung könnte der neue Kulturbeauftragte Dominik Baier übernehmen, regt die Verwaltung an. Zusammensetzen soll sich die Gruppe aus je einem Mitglied der Gemeinderatsfraktionen, einem Mitglied des Stadtarchivs, einem Mitglied der Fachgruppe Bildung, Kultur und Touristik, einem externen Sachkundigen und einem Mitglied einer Schopfheimer Jugendorganisation.

Nach Ansicht der Stadtverwaltung sollen die Stolpersteine nicht nur an Juden sowie an Sinti und Roma, sondern auch an Menschen aus dem politisch oder religiös motivierten Widerstand, an Homosexuelle, an Opfer der Euthanasie-Morde und an Menschen, die als vermeintlich „Asoziale“ verfolgt wurden, erinnern. Es gelte, eine möglichst große Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Opfergruppierungen zu finden.

Dynamischer Prozess über Jahre hinweg

In diesem Sinne sei das Verlegen der Stolpersteine als ein „dynamischer Prozess“ anzugehen, der die Stadt über Jahre hinweg begleiten werde. Als nicht sinnvoll erachtet wird es laut Sitzungsvorlage, mit zu vielen Steinen im Stadtbild „den Wert jedes einzelnen Steins und damit die Würdigung jedes einzelnen Schicksals zu mindern“. Der zu gründende Arbeitskreis soll in seiner ersten Sitzung das Prozedere sowie die Kriterien zur Antragstellung festlegen.

Die im Antrag der Grünen-Fraktion vorgeschlagene Verlegung von ersten neun Stolpersteinen für Bewohner des „Auerbach`schen Hauses“ will die Stadtverwaltung zunächst zurückstellen und dem Arbeitskreis zur Entscheidung vorlegen.

 Die Gemeinderatssitzung, in der die Thematik behandelt wird, findet am Montag, 22. Februar, um 19 Uhr in der Stadthalle statt.

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