Schopfheim Schlagabtausch über Zukunft der Schopfheimer Klinik

Anja Bertsch

In einer turbulenten Gemeinderatssitzung ging es am Montag in der Schopfheimer Stadthalle um die Umstrukturierungen der Kreiskliniken und insbesondere um die Einschnitte am Schopfheimer Standort.

Von Anja Bertsch

Schopfheim. Über knapp zwei Stunden hinweg kam es zum Schlagabtausch zwischen den Klinikverantwortlichen, Bürgern und Gemeinderäten.

Akteure und Atmosphäre

Die Führungsriege der Kreiskliniken um Geschäftsführer Sascha Sartor war gemeinsam mit Landrätin Marion Dammann nach Schopfheim gekommen, um die Pläne zu erläutern – und tat das vor großem Publikum: Etwa 500 Besucher machten in einer Kundgebung  unmitttelbar vor der Sitzung und dann auch im Sitzungssaal selbst  mit der schieren Masse, auf Plakaten und in Wortmeldungen deutlich, wie wichtig ihnen das Schopfheimer Krankenhaus ist, und wie groß ihre Sorge um die medizinische Versorgung der Raumschaft.

Dazwischen die Gemeinderäte, die zuvor bereits geschlossen die Ablehnung der Pläne signalisiert und die Bevölkerung zur Versammlung aufgerufen hatten. Und schließlich Bürgermeister Dirk Harscher, der alle Hände voll zu tun hatte, die Sitzung in geordneten Bahnen zu halten und Pfiffe, Zwischenrufe und Beifall, emotionale Wortbeiträge und allzu detaillierte Ausführungen einzuhegen.

Stichwort Kommunikation

„Ich gebe zu: Die Kommunikation war unglücklich“, bekannte Marion Damman gleich zu Beginn, und während der Sitzung noch öfter – und verwies darauf, dass das von Klinikseite nicht so geplant war: Details seien „ungesteuert nach außen gedrungen“.

Im weiteren Verlauf der Debatte war die mangelhafte Kommunikation vor allem gegenüber den betroffenen Mitarbeitern immer wieder Thema: „Mit uns wurde nicht gesprochen – wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, kritisierte einer der betroffenen Ärzte.

Sorge um die Mitarbeiter

Tatsächlich fühlten sich viele Mitarbeiter von den Plänen selbst wie auch vom Umgang der Klinikleitung mit der Angelegenheit vor den Kopf gestoßen, machte er deutlich – und warnte vor den Folgen: „Viele Mitarbeiter von der Pflege bis zu den Ärzten haben das Haus bereits verlassen. Viele weitere werden folgen.“

Man sei in engem Austausch mit dem Betriebsrat bemüht, den betroffenen Mitarbeitern die durch den Standortwechsel entstehenden Nachteile auszugleichen, versicherte demgegenüber Kliniken-Chef Sartor. Auch im Allgemeinen sei man bemüht, die Situation für das Personal zu verbessern, erklärte Kathrin Knelange, Geschäftsführerin Pflege.

In der Sache kein Abrücken

Bedauern also in Sachen Kommunikation – in der Sache selbst hingegen keinerlei Handlungsspielraum, so das Signal von Klinikseite. Von Beginn an sei klar gewesen, dass schon im Vorfeld des für 2025 anvisierten Einzugs ins neue Zentralklinikum (ZK) Umstrukturierungen nötig seien, erklärte Damman.

Dass das nun schneller als gedacht nötig sei, liege an dem „schwierigen Fahrwasser“, in das die Kliniken geraten seien. Allgemeine Herausforderungen wie Corona und seither sinkende Fallzahlen, dazu die besonderen Herausforderungen, die die Grenznähe beispielsweise in Sachen Personalmangel mit sich bringe: Um der Bevölkerung weiterhin eine gute Versorgung zu gewährleisten, „ist es zwingend, die Kliniken jetzt neu zu strukturieren“, sagte sie.

Prekäre Finanzlage

Wirtschaftliche Gründe also als entscheidender Auslöser der angekündigten Änderungen – und eben hier aber auch, von vielen Seiten immer wieder geäußert, große Zweifel: Lohnt sich der ganze Aufwand für eine zeitlich derart knapp bemessene Zwischenlösung bis zum Einzug ins Zentalklinikum? „Ja, das tut es“, sagte Kliniken-Chef Sartor – wollte das aber, wie überhaupt die angeführte „wirtschaftliche Zwangslage“ der Kreiskliniken, im öffentlichen Format einer Gemeinderatssitzung nicht weiter ausdeklinieren. Immerhin umriss er die Lage mit drastischen Worten: „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand. Es ist eine existentielle Situation.“

Auf wiederholtes Nachhaken nannte Sartor schließlich doch eine Hausnummer: Die Zwischenlösung bringe „Einnahmeverbesserungen im siebenstelligen Bereich“. Und aus dem Zuhörerraum bekam schließlich auch die „wirtschaftliche Zwangslage“ eine Größenordnung: In den Büchern der Klinik stehe ein Defizit von 18 Millionen Euro.

Notfallversorgung gesichert - oder nicht?

Die Sorge, dass es in der Patientenversorung zu Lücken kommen könnte, wurde in Zusammenhang mit der verordneten Schrumpfung des Schopfheimer Standorts immer wieder ins Feld geführt – und nicht zuletzt auch von den hiesigen Notärzten gerade am Montag in einem Schreiben an das Regierungspräsidium erneut formuliert.

Dem gegenüber versuchte Hans-Heinrich Osterhues als ärztlicher Direktor der Kliniken zu vermitteln, dass Grund- und Notfallversorgung für die Bürger rund um Schopfheim weiterhin gewährleistet sei. Für viele weniger schwere Fälle weiter das MVZ vor Ort, bei den schweren Notfällen mehr Klarheit für die Rettungsdienste bezüglich der Anlaufstation (Rheinfelden oder Lörrach), die Notaufnahme in Lörracher neu aufgestellt und auf dem Wege der Besserung: Alles in allem gute Aussichten, so die Botschaft.

Dass die Wege für den Rettungsdienst länger werden, sei richtig – allerdings nur eine Vorwegnahme dessen, was mit dem ZK ohnehin anstehe.

Fazit?

Von einer gelungenen Veranstaltung mochte nach dem neunzigminütigen Schlagabtausch kaum einer sprechen. Die Führungsriege der Klinik und Landrätin Dammann konnten Bürgern und Gemeinderäten die Sinnhaftigkeit der Maßnahme nicht vermitteln und ihre Sorgen um die medizinische Versorgung offenkundig nicht nehmen – und machten zugleich klar, dass an den Umstrukturierungen nicht mehr zu rütteln ist: „Ja, sie ist beschlossen“, antwortete Dammann knapp und unmissverständlich auf die Bitte eines Bürgers, nach all den Ausführungen und Details zum Ende hin eine klare Ansage zu bekommen.

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