Schopfheim Schopfheim ist stolz auf seine VHS

„Zweierlei“ ist die Volkshochschule, stellte Hermann Huba in seiner Festrede zum 100. Geburtstag der VHS Schopfheim fest: „Zum einen eine Schule der Gesellschaft und zum anderen ein Ort der Reflexion.“

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Der Direktor des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg beendete seinen Beitrag mit der Bemerkung, dass sich in beiden Funktionen ein Ersatz für die Volkshochschulen nicht abzeichne. Deshalb bestehe kein Anlass zur Sorge. Schließlich sei die Vitalität der VHS auch nach 100 Jahren bestens. Wer für diese These einen schlagkräftigen Beweis benötige, solle, so Huba, „einfach auf die VHS der Stadt Schopfheim schauen.“

Zahlreiche Gratulanten, darunter die beiden Bürgermeister Jürgen Multner (Maulburg) und Martin Bühler (Hausen), Gemeinderäte, ehemalige VHS-Leiter und der Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger (SPD), fanden sich am Freitag in der Stadthalle ein, um einer der insgesamt 169 Volkshochschulen im Land und knapp 1000 VHS-Institutionen bundesweit, zum runden Geburtstag zu gratulieren.

Von „VHS-Allstar“ Henning Kurz wurden die Gäste empfangen und am Ende ans Buffet begleitet. Und zwischen sehr ansprechender Unterhaltung – die „African Dance“-Gruppe mit Musiker Edrine Matovu und Dozent Peter Kato glänzte mit einem Formationstanz, Gisela „Soumeya“ Piegers verschleierte Damen steuerten zum guten Gelingen des Festaktes einen orientalischen Tanz bei und mit gleich drei Auftritten präsentierten die „VokaLiesen“ das VHS-Programm in Liedern auf ihre unnachahmliche kabarettistische Art musikalisch – wurde die Jubilarin verbal gebührend gewürdigt.

Bürgermeister Dirk Harscher betonte, wie stolz die Stadt auf das Jubiläum und die VHS im Ort sei. „Sie ist“, so Harscher, „seit vielen Jahrzehnten ein wichtiges Aushängeschild in unserer Stadt und im mittleren Wiesental.“ Sie sei längst eine feste und nicht mehr wegzudenkende Größe geworden, ein Ort, an dem jeder, egal welcher Herkunft, welchen Alters und welchen Geschlechts, herzlich willkommen ist. Es treffen Menschen zusammen, um sich, egal in welcher Sparte, weiterzubilden, ihrem Hobby nachzugehen und dabei neue Leute kennenzulernen, lobte Dirk Harscher die Vielfalt der Bildungsstätte.

Deren Leiterin Katrin Nuiro unterstrich später in ihrem „Rückblick, Einblick und Ausblick“, dass sie kein allzu großes Gewicht auf die Historie der VHS legen wolle, sondern die Menschen in den Fokus ihrer von Ausdauer, Kraft und Weitblick geprägten Arbeit und der ihres Teams rücken wolle. Die VHS lebe von und mit diesen Menschen, von hochkompetenten Dozenten, für die viele und vor allem zufriedene Kursteilnehmer, die sie als „Antriebsfedern“ für weiteres erfolgreiches Schaffen sieht. Rund 5000 Teilnehmer nutzen Jahr für Jahr das Angebot der VHS, und das sind, so die Leiterin, „mehr als jede Schule hat.“ Für die wünschte sie sich unter anderem „modernere Räumlichkeiten“, aber auch eine „bessere finanzielle Unterstützung durch das Land“. „Auf dem Weg in eine weiter erfolgreiche Zukunft baue sie auf die Unterstützung der Stadt. Es gelte, die offensichtliche Wertschätzung auch in Finanzen aufzuwiegen, sagte sie und fügte hinzu: „Lassen sie uns dafür sorgen, dass unser Wunschzettel nicht immer länger wird. Dann können wir den Weg in die Zukunft furchtlos betreten.“

Wernfried Hübschmann, der gekonnt durchs Programm führte, hielt es mit Goethes „Faust“ und stellte in seinem Impulsvortrag unter der Überschrift „Zwar weiß ich viel, doch möcht‘ ich alles wissen“ die Frage, wohin die Wissensgesellschaft steuert. Hübschmann äußerte die Befürchtung, dass der Mensch Gefahr laufe, sich selbst, wie das die Filmindustrie suggeriere, abzuschaffen, wenn er die weitere Entwicklung unter dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“ den Maschinen opfere. Es gelte, wachsam zu sein. „Noch entscheiden die Maschinen, die keine Bienen brauchen und denen der Klimawandel völlig egal ist, nicht.“ Hübschmann plädierte dafür, von Bildung, Weiterbildung, von Herzensbildung und von einem von Humanismus und Christentum geprägtem Menschenbild“ zu reden. Auch dafür stünden die vor 100 Jahren gegründeten Volkshochschulen. Und für die formulierte der Moderator Goethes Ausspruch aus dem „Faust“ um: Zwar weiß ich wenig, doch dafür steh‘ ich gerne ein und übernehme dort, wo es möglich ist, auch Verantwortung.“ Es gehe nicht nur ums Wissen, sondern ums Bewusstsein von diesem Wissen von dem, was wir tun und von dem, was wir hoffentlich unterlassen.

Und der VHS, „einer der schönsten und sympathischsten Einrichtungen der Stadt“, schrieb er ein weiteres Zitat Goethes ins Stammbuch: „Ich sehe schon des Dorfs Gewimmel, hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet Groß und Klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein.“

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