Schopfheim Schwung zu vier Händen

Schopfheim-Fahrnau -  So viele Zugaben wie ein Sokolov gaben sie nicht, aber immerhin drei: Gut 20 Minuten schwungvolle Unterhaltung zu vier Händen. Das Klavierduo Hans-Peter und Volker Stenzl setzte sich nach seinem coronabedingt komprimierten offiziellen Programm mit Beethoven und Schubert bei „Klassik im Krafft-Areal“ nach dem Schlussapplaus wieder gerne an den Konzertflügel, um drei Stücke von Moritz Moszkowski aus dem Zyklus „Aus aller Herren Länder“ vorzutragen.

Vor allem die beiden klingenden Länderporträts „Ungarn“ und „Italien“ waren herrlicher rhythmisch-tänzerischer Zeitvertreib nach Noten. Diese Tänze auf den Tasten kamen den bekannten Vierhändigspielern wunderbar geläufig aus dem Finger. Solche temperamentvollen Piecen legen die Stenzls mit Schwung und Tempo hin und mit Gespür für die Eigenarten dieser doch großteils unbekannten Klaviermusik, die es noch zu entdecken gilt und für die sie ein wirklich bemerkenswertes Plädoyer geben.

Von Moszkowski hätte man an diesem Abend in der Fahrnauer „Tonhalle“, im Gebäude der ehemaligen Schuhfabrik Krafft, gerne noch mehr gehört. So blieb ganz besonders der liebliche, volksliedhafte Satz Andante („Deutschland“) im Ohr haften, mit dem sie enden.

115 Klavierfreunde

Das zahlreiche Publikum – gut 115 Klavierfreunde fanden den Weg in die mit locker platzierten Stühlen bestückte Konzerthalle – erlebte einen interessanten Klavierabend in der Reihe der Stiftungskonzerte. Das Duo Stenzl empfahl sich einmal mehr als ein Inbegriff für Klavierduospiel auf hohem Niveau.

Die beiden agieren absolut souverän, spielen den Abend über mit gleichbleibender Intensität, pianistisch-technisch blendend, wurden somit ihrem Ruf vollauf gerecht und erfüllten die Erwartungen des Publikums.

Ihr Programm enthielt Rares und Unbekanntes. Wer kennt schon die drei großen Märsche von Beethoven? Die Stenzls hämmern sie eher herrisch als martialisch in die Tasten. Die Interpretation will nicht überrumpeln, aber trumpft auf, überzeugt durch Maß und Ziel. Das ist der musikalischen Intelligenz der beiden Pianisten zu verdanken.

Das sogenannte „Grand Duo“, die Sonate für Klavier zu vier Händen von Schubert, erklingt kraftvoll artikuliert, gut strukturiert. Die heikle pianistische Kommunikation gelingt bei den Stenzls immer perfekt. Die lächelnde Verständigung, der ständige Augenkontakt, sie waren noch besser zu sehen durch die räumlich verbesserten Blickachsen im Saal.

Der Beethoven wie der Schubert erfährt von diesem erfahrenen und eingespielten Duo eine spezielle Charakteristik, die Darstellungen zeugen von großem musikalischen Verständnis und ausgezeichneter Spieltechnik. Man kann dem nur zustimmen, was auf dem Programmzettel über sie zu lesen stand: Die „Freiheit eines Solisten mit vier Händen“ und das nuancenreiche Ausleuchten der komplexen Partituren sind ihre Markenzeichen.

Zugabenkür

Und trotzdem bleibt bei allem noch Luft nach oben für ein bisschen mehr individuelle Akzente, verfeinerte Differenziertheit und Klangsinn. Vielleicht fehlte dem einen oder anderen Zuhörer auch etwas die Spannung im Spiel, geriet die eine oder andere Passage leicht professoral. Doch immer schön zu sehen und zu hören ist, wie sich die beiden Herren die Bälle zuspielen. Hans-Peter und Volker Stenzl sind ein Modellfall seriösen vierhändigen Klavierspiels.

Und hoffentlich wird man von ihnen ein andermal noch mehr Moszkowski zu hören bekommen. Denn diese Zugabenkür war doch sehr eindrücklich.

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