Schopfheim „Sind auf dem Stand der Offenlage“

Markgräfler Tagblatt, 16.06.2015 23:01 Uhr

Schopfheim (ma). Nicht in Erfüllung gegangen ist der Wunsch des Gersbacher Ortschaftsrats, die Offenlage des Teilflächennutzungsplans Windkraft zu verschieben, bis die Fragen des Gremiums geklärt und in den Fraktionen besprochen worden sind.

Der Gemeinderat stimmte am Montagabend einer Vertagung nicht zu. Vielmehr wurde die Offenlage für die Dauer eines Monats beschlossen - aber auch die Prüfung eines Vorschlags des SPD-Fraktionsvorsitzenden Artur Cremans. Der hatte nämlich gefragt, ob es am Rohrenkopf möglich sei, nicht nur für Wohngebiete, sondern auch für Mischgebiete einen 1000-Meter-Mindestabstand zur Windkraftanlage festzusetzen - nach den Vorgaben würde für Mischgebiete der halbe Abstand ausreichend sein. Christian Walter, Ortsvorsteher von Gersbach, hieß die Idee gut und schloss sich Cremans an. „Faktor grün“, das von der Stadt beauftragte Planungsbüro für den Teilflächennutzungsplan „Windkraftanlagen“, will diese Option nun prüfen.

Walter hatte zuvor nochmals die Vertagung gefordert. „Was verlieren wir damit, wenn wir das um sechs bis acht Wochen verschieben?“, fragte er angesichts der Zeit, die man schon bislang aufgewendet habe. Bürgermeister Nitz sprach sich indes für einen Beschluss in der Sitzung aus. Dies bedeute ja noch keine abschließende, endgültige Entscheidung.

Wie berichtet, sollen zwei von drei Standorten nicht mehr bei der Planung der Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Sowohl die Standorte Hohe Möhr als auch der Standort „Glaserkopf“ sind zum Ausschluss empfohlen. Beim ersten kommen einige Restriktionen zusammen, vor allem die vorhandenen Richtfunkstrecken, die auf rund 70 Prozent der Fläche die Errichtung von Windenergieanlagen unmöglich machen, aber auch geschützte Denkmäler, der Generalwildwegeplan und Konflikte durch die Avifauna (Vögel: Wespenbussard, Rotmilan). Die größte Einschränkung beim Standort Glaserkopf stellen das FFH-Gebiet (Natur- und Landschaftsschutzgebiet) und die geplante Pflegezone des Biosphärengebiets dar.

Befürwortet wird hingegen der Standort Rohrenkopf, einschließlich Zeller Ebene und Dietenschwander Kopf. Die Eignungsfläche wird indes an die bisherigen Prüfergebnisse angepasst: Ein kleiner Bereich von 0,7 Hektar im Westen wird aus dem dann 82,3 Hektar großen Gebiet aufgrund des Kernlebensraums des Rotmilans herausgenommen. Einschließlich dieser Änderung soll der Standort ausgewiesen und der räumliche und sachliche Teilflächennutzungsplan empfohlen werden.

Die bislang eingegangenen Anregungen und Bedenken von Behörden und Privatpersonen nahm der Gemeinderat zur Kenntnis. Gustav Blessing (Unabhängige) forderte unter dem Applaus der Zuhörer eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Stadt darüber, was sie einbringe und sie dafür erhalte und die Klärung der Frage, wer bei Auftreten vermehrter Krankheitsfälle für den Abbau der Anlagen aufkomme. Bürgermeister Nitz sagte, der Rückbau werde geregelt und sei vom Investor zu tragen, nicht von der Stadt.