Schopfheim Singendes Beten und Meditieren

Dekanin Bärbel Schäfer und Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon gestalteten in der Stadtkirche gemeinsam einen Abend über Lieder und Reden Luthers. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Jürgen Scharf

Impulse zum Meditieren, Mitsingen und Nachdenken gab die von Christoph Bogon gestaltete und moderierte literarisch-musikalische Reformationsveranstaltung „Glaube: gesungen, gehört, erlebt“ in der Stadtkirche.

Schopfheim. Der Abend im Rahmen der Luther-Dekade holte die Lieder der Reformation in die Gegenwart und reicherte die Lied-Thematik geschickt mit Luther-Texten an. Dazu hatte Dekanin Bärbel Schäfer zu einzelnen Stichworten der Lieder eine passende Auswahl aus Luthers Tischreden und dem Kleinen Katechismus getroffen.

Eingangs erklang aus der Ferne, der Sakristei, in lateinischer Sprache ein gregorianischer Hymnus, angestimmt von Christoph Bogon. „Haben Sie etwas verstanden?“, fragte er das gut 50-köpfige Auditorium, um dann zu erklären, dass es einer Gemeinde im 16. Jahrhundert ungefähr so ergangen wäre, denn die Messe sei vollständig in Latein gehalten worden. Den gregorianischen Gesang empfinde man ebenso als vertraut wie als fremd. Manches an den Lutherliedern, Texten und Melodien bräuchte heute eine „Übersetzung“.

Mit seinen theologisch fundierten Aussagen, einschließlich seinen Ausführungen zum „Teufel“, der zum spätmittelalterlichen Weltbild als real existierende Gestalt dazugehörte, war Bogon der richtige Vermittler zwischen den Liedern Luthers und der heutigen Gemeinde.

Zusammen mit den Zuhörern ging er die Choräle Strophe für Strophe durch, sang mit angenehmer Stimme die Melodien vor und setzte sich an die Orgel oder ans Klavier, um mit viel Inspiration und Klangsinn zu improvisieren.

Dabei wählte der Bezirkskantor die seit dem Mittelalter altbewährte Form, eine Strophe gemeinsam zu singen und die nächste nur mit Orgelklängen zu interpretieren.

Hilfreich war, dass die Notenblätter auslagen, darunter das Zeitlied „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ oder der alte Hymnus „Nun komm, der Heiden Heiland“. Man erfuhr, warum Luther die gregorianischen Hymnen „eingedeutscht“ und singbare Strophenlieder daraus gemacht hat und erlebte anhand des Adventshymnus, wie ein Stück Antike in die Kirche geholt werden kann. Der Ad-hoc-Gemeindechor sang unbegleitet und lernte sogar Glockenklänge mitzusummen. So entstand eine besondere Atmosphäre in der Kirche.

Ausführlich ging Bogon auf die Reformationshymne „Ein feste Burg“ ein, die ihm immer suspekter werde. Das Lied habe eine unselige Karriere hinter sich, schließlich zogen damit Soldaten in den Krieg. Daher wollte Bogon die Wurzeln dieses Liedes freilegen, denn es sei keine Aufforderung zum Kampf für den Glauben, sondern ein Trostlied.

Dank moderner elektronischer Hilfsmittel zauberte Bogon am E-Piano den intimen Klang des Luther-Instruments Laute nach und sang, wie in der lutherischen Messe üblich, einen Choral zum Altar hin.

In dem gregorianischen Lied „Der Glaube, gesungen“ lud er zu einer besonderen Klangmeditation ein. Zu Bruchstücken der Melodie konnten die Zuhörer Worte wie Glauben, Sünde oder Ewigkeit sprechend hervorheben, bevor dann alle drei Verse des Liedes als Glaubensbekenntnis „singend gebetet“ wurden.

Das war mehr als nur ein Mitsingen. Die Botschaft von Bogon war klar: Man soll viel selber schöpferisch singend tätig sein und meditieren. Am Ende seiner Liedexegese wurde in einem alten Pfingsthymnus um den „Heiligen Geist“ gebeten als eine Bitte um den rechten Glauben.

In den literarischen Zwischenbeiträgen mit Tischreden Luthers verdeutlichte Dekanin Bärbel Schäfer, dass der Reformator ganz zugänglich sein konnte. Im Kleinen Katechismus zum Beispiel zeige sich der dialogische Ansatz, den Luther in diesem epochalen Handbuch der Religionspädagogik verfolgte, so Schäfer.

Das reformatorische Anliegen kam also gut rüber, offenbarte die Nachwirkungen Luthers im musikalischen Bereich, vor allem die Beziehung zwischen Glauben und Singen, so dass man mitdem Reformator sagen könnte: „Sie glauben es nicht, sie sängen es denn“.

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