Schopfheim Sinnenberauschender Klangcocktail

Mit geschichtsbewusstem Feinsinn und charmanter Lässigkeit: Harald Rüschenbaum, Bernd Heitzler und Helmut Lörscher (von links). Foto: Willi Vogl Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Willi Vogl

Schopfheim-Fahrnau. „Der Tristan-Akkord ist gar nicht so revolutionär, aber wunderschön“, so Helmut Lörschers Kommentar zu seiner „Tristaneske“, einer fantasievoll swingenden Transformation Wagnerscher Harmonie. Aus dem bedeutungstriefenden, im Original „langsam und schmachtend“ vorzutragenden Vexierbild wird ein sinnenberauschender Klangcocktail, wie man ihn bisweilen nur in feinster Baratmosphäre genießen kann.

Das „Helmut Lörscher-­Trio“ mit Helmut Lörscher (Klavier), Bernd Heitzler (Kontrabass und E-Bass) und Harald Rüschenbaum (Schlagzeug) kredenzte diesen Cocktail mit geschichtsbewusstem Feinsinn und charmanter Lässigkeit. Barkeeper Richard Wagner lächelte verschmitzt im Hintergrund. Andrea Kauten, die Veranstalterin der Konzertreihe „Klassik im Krafft-Areal“, lud mit dem „Helmut Lörscher-Trio“ ein Ensemble ein, dass kompositorische Highlights vom Barock bis zur Romantik nicht etwa nur als verjazzte Coverversion neu auflegte, sondern die historischen Fundstücke mit den eigenen, über Jahre gewachsenen Gestaltungsvorlieben zu einer überzeugenden Melange verschmolz.

Neben Richard Wagners opulenten Opernvorlagen Lohengrin und Tristan dienten dem Trio vor allem Themen Johann Sebastian Bachs als assoziationsfördernde Zutat. Wie bereits beim „Modern Jazz Quartet“ oder dem Projekt „Play Bach“ von Jacques Loussier dürfte sich für die Musizierweise des „Helmut Lörscher-Trios“ nicht nur das Jazzpublikum, sondern auch der „typische Klassikhörer“ begeistern.

Das Trio bot mit seinen historischen Adaptionen nicht nur Unterhaltung im besten Sinn, sondern - wie das Konzertmotto „Master’s Steps – Reflections in Jazz“ zu Recht ankündigte - auch feinsinnige musikalische Gedanken in meisterlicher Präsentation. Die verwendeten Bach’schen Originalvorlagen von Sätzen aus dem „Notenbüchlein für Anna-Magdalene Bach“ bis hin zur thematischen Kompilation im witzigen „Fahrstuhl zur Gavotte“ zeigten die Musiker als sensibel agierendes Trio.

Immer wieder bewiesen diese Gentlemen der Adaption, dass ihre Art der Aneignung nicht automatisch in eine akademische Etüde mündet. Gerade bei freieren Aufgabenstellungen, wie der Kombination einer Passacaglia (Stück mit einer immer wiederkehrenden Bassfigur) mit einer abstrakten zwölftönigen Melodiereihe, zeigten sich die drei Musiker als sublime Klangtüftler mit ansteckender Lust auf amüsante Interaktion. Dabei lieferten die brillanten Bassfiguren von Bernd Heitzler und das extrem gedämpfte und dabei äußerst differenzierte Schlagzeugspiel Harald Rüschenbaums das erlesene Fundament für den allzeit elektroakustisch unverstärkt kokettierenden Bandleader Lörscher.

Eine spontane Klavierimprovisation nach vom Publikum vorgegebenen Themen sowie der eigenwillig kurzweilige Blick des gesamten Trios auf Bachs „Bandinerie“ entließ das begeisterte Publikum in den nachswingenden Apéro.

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