Schopfheim Slammer, Dichter und Liedermacher

Schopfheim - Nunmehr schon zum 31. Mal treffen sich die Freunde literarischer Mundart-Dichtung in der Region. Die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“ findet vom 12. bis 14. April wieder im gewohnten Rahmen statt.

Erste öffentliche Lesung ist schon traditionell am Freitag, 20 Uhr, im Stapflehus in Altweil. Nach der Werkstattarbeit in der Stadtbibliothek Schopfheim am Samstag zum Thema „Heimatland! – Fluch oder Segen“ und dem Empfang im Rathaus ist um 20 Uhr der Auftritt in Sankt Agathe in Fahrnau.

Ebenso treten die Autorinnen und Autoren wieder am Sonntag, 11 Uhr, in der Bibliothek der „Allgemeinen Lesegesellschaft Basel“, direkt neben dem Münster, auf.

Es wird eine äußerst spannende Mischung von Dialekten zu hören sein, wenn zum Beispiel der Schwabe Olaf Nägele aus Esslingen auf den jungen Vorarlberger Alemannen Martin Lukas Blum trifft, oder die Schweizer Slamerin Daniela Dill aus Basel auf das alemannische Liedermacher Duo Martin Lutz & Karl David aus Neuenburg am Rhein.

Schullesungen und Werkstattarbeit mit Schülern finden am Georg-Büchner-Gymnasium in Rheinfelden und am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim statt. Folgende Mundartautorinnen und –autoren sind diesmal dabei:  

Martin Lukas Blum, geboren 1990 in Dornbirn im österreichischen Bundesland Vorarlberg, ist Magister der Theologie. Nach der Pflichtschulzeit bildete er sich fort in Bautechnik und schloss mit Hochschulreife ab. Danach folgte ein Diplomstudium fürs Lehramt in den Fächern römisch-katholische Religion und Deutsch in Innsbruck, Tirol. Er steht noch ganz am Anfang seines literarischen Schreibens in der Mundart, hat aber schon in Werkstätten und auf öffentlichen Lesungen mit seinen Texten aufhorchen lassen.

Daniela Dill, 1982 in Liestal geboren, studierte Französische und deutsche Literaturwissenschaften an der Universität Basel. Während ihres Studiums spielte sie beim Jungen Theater Aarau und begann mit Auftritten als Slam-Poetin. Seit 2011 ist sie als Spoken-Word-Künstlerin, Organisatorin und Texterin tätig und gibt Poetry-Slam-Workshops an Schulen in der deutschsprachigen Schweiz. Ihre Texte wurden in diversen Anthologien, Magazinen, Radiosendungen und auf CDs veröffentlicht, 2012 im Buch „Herz Rhythmus Störungen“. 2010 erhielt sie den Kulturförderpreis des Kantons Baselland und 2017 ein Literaturstipendium in Paris . Von 2011 bis 2016 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dichter- und Stadtmuseum Liestal, seit 2019 ist sie Co-Leiterin des „Wortstellwerks“, Junges Schreibhaus in Basel.

Olaf Nägele, 1963 in Esslingen geboren, hat nach langjährigen Aufenthalten in München, Stuttgart und Hamburg den Weg in seine Heimatstadt zurückgefunden. Dort feilt der Kommunikationswirt an PR- und Werbetexten für seine Auftraggeber, verfasst als Journalist Artikel für diverse Zeitungen und arbeitet als Redakteur bei der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Lust am Fabulieren und der Spaß, Geschichten zu erzählen, haben ihm zahlreiche Beiträge in Anthologien eingebracht, Hörspiele für den SWR folgten. Für seine Kurzgeschichte „Die Sache mit Gege“ erhielt er einen Ehrenpreis der Akademie ländlicher Raum in Baden-Württemberg.

Martin Lutz, geboren 1964 in Neuenburg am Rhein, schrieb seinen ersten alemannischen Rocksong mit 16 Jahren. Von 1982 bis 1989 war er Sänger und Texter der Alemannen-Rock-Band „Hurlibue“, die damals mit ihrem engagierten Dialekt-Rock in der Musikszene zwischen Freiburg und Basel eine gewisse Bekanntheit hatte. Mitte der 1990er Jahre veröffentlichte Martin Lutz eine Musikkassette mit dem Titel „Uff was willsch di vuloh...“, die zwölf selbst geschriebene Songs mit christlichen Themen enthielt.

Seit 2005 ist Martin Lutz nun wieder im Duo mit seinem Freund, dem Gitarristen Karl David, auch er ein ehemaliges Hurlibue-Mitglied, mit alemannischen Songs auf den Bühnen Südbadens unterwegs. Ihre Lieder handeln vom Leben und Lieben, badischen Desperados, Fernweh, von den Versuchen, das Leben jeden Tag auch wirklich zu spüren und von vielen anderen Themen. Die Texte der Songs werden zum allergrößten Teil von Martin Lutz geschrieben, während Karl David vor allem für den musikalischen Part zuständig ist.

Markus Manfred Jung, geboren 1954 in Zell im Wiesental, aufgewachsen in Lörrach, studierte Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport in Freiburg  /Breisgau und Oslo / Norwegen. Er schreibt Prosa, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele in Hochdeutsch und alemannischer Mundart. Er war bis vor kurzem Gymnasiallehrer in Schopfheim, ist Schriftsteller und lebt mit der Malerin Bettina Bohn in Hohenegg, Kleines Wiesental. Mit ihr zusammen gab er zuletzt den Bild-Gedichtband „Schluchten von Licht“ heraus. Außerdem schuf er alemannische Nachdichtungen für die Kinderbücher „Die Häschenschule“, Wilhelm Buschs „Max & Moritz“ und Sybille Olfers’ „Etwas von den Wurzelkindern“. 

Er begründete 1989 mit Thomas Burth die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“. Er ist zur Zeit der erste „Burgschreiber zu Laufenburg“, und eben erschien sein Kinderbuch „Meine ersten tausend Wörter auf Alemannisch“ (zusammen mit Wendelinus Wurth) im Tintenfaß-Verlag.

Volker Habermaier, Leiter des Georg-Büchner-Gymnasiums in Rheinfelden,  Präsident des „Hebelbunds Lörrach“, ist seit 14 Jahren Moderator der Literatur-Werkstatt. Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur. Er lebt mit seiner Familie in Kürnberg.

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