Schopfheim Solidarität in schwerer Zeit leben

Abstriche bei Fiebertests gehören mit zur Arbeit der Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes. Foto: Hans-Jürgen Hege

Schopfheim - „Man würde ja meinen, in Corona-Zeiten ist es ruhig, auch bei uns. Das trifft auf den Alltag auch zu. Denn von den üblichen Sanitätsdiensten gibt es kaum noch welche, weil vor allem größere Veranstaltungen kaum noch stattgefunden haben.“ So begannen Simon Redling, der DRK-Ortsvereinsvorsitzende, und sein Stellvertreter Dieter Schwöble ihren Bericht zur Lage ihres Vereins in außergewöhnlichen und nicht ganz einfachen Pandemie-Zeiten.

Zum einen, so Redling, gab es kaum spürbare Entlastung im administrativen Bereich, zum anderen habe sich der Ortsverein schon gleich zu Beginn der Einschränkungen umorientiert und sich dabei neuen Herausforderungen gestellt. Und obwohl es landläufig heißt, dass das eigentlich unmöglich sei, „tanzt“ der Ortsverein seit mehr als einem Jahr erfolgreich und engagiert auf mehreren „Hochzeiten“.

Einkaufshilfen

Zusammen mit anderen Ortsvereinen nahmen die Schopfheimer Helfer in Kooperation mit den Hieber-Märkten an der Initiative „Einkaufshilfe“ teil. Chronisch Kranke, Senioren sowie Menschen, die unter häuslicher Quarantäne stehen, können noch immer montags und mittwochs zwischen 13.30 und 15.30 Uhr unter der Telefonnummer 07621 / 1515-71 oder via E-Mail über einkaufshilfe@drk-loerrach.de Bestellungen aufgeben, die an die jeweiligen Märkte übermittelt und dort zu Lieferungen zusammengestellt werden. Immer freitags wird dann ab 17 Uhr durch die Ortsvereine ausgeliefert. Allein Schopfheim betreut auf diese Weise 50 Menschen, die über die angebotenen Hilfen sehr, sehr froh sind, heißt es beim DRK.

Fieberambulanz

Rund acht Helfer stehen der Fieberambulanz, einer Allianz mit der Kassenärztlichen Vereinigung, von Montag bis Freitag zwischen 14 und 18 Uhr zur Verfügung. Mehr als 800 Stunden hat der Ortsverein damit in nur eine der Maßnahmen investiert, die unter der Überschrift „Testungen“ von ehrenamtlichen Mitarbeitern realisiert wurden.

Die Helfer sind im normalen Leben teilweise noch Schüler, teilweise aber auch Schichtarbeiter oder Hausmänner und -frauen, die von Ärzten des DRK und der Testzentren intensiv für die neuen, teilweise ungewohnten Aufgaben vorbereitet wurden. Mittlerweiler können sie administrative Tätigkeiten im Bereich der Fieberambulanz oder Abstriche bei Tests wie denen um die Weihnachtszeit in großem Stil in Schopfheim oder bei den Schnelltests in Senioren- und Pflegeheimen oder – ganz neu im Angebot – auf der eigenen Schnell-Teststrecke im DRK-Domizil am Lusring (aktuell jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr) ausüben.

Krankentransporte

Auch die „Regel-Rettungsdienste“ in der Region werden aktuell von den Ehrenamtlichen der DRK-Ortsvereine unterstützt. Denn die, so Dieter Schwöble und Simon Redling, seien schon wegen permanenter Verlegungen von Patienten von einer Klinik in die andere gut ausgelastet.

Dass dabei auch Corona-Patienten transportiert werden, versteht sich von selbst. Und zwar unter penibler Beachtung der Schutzmaßnahmen, wie Redling versichert. Das bedeutet natürlich einen erheblichen Mehraufwand. Aber der, so die DRK-Verantwortlichen, müsse zum Schutz der Patienten, aber auch der eigenen Mitarbeiter in Kauf genommen werden, habe sich aber zumindest bisher bezahlt gemacht: „Wir haben 37 Aktive, 25 davon sind seit Monaten an verschiedensten Stellen im Einsatz. Und niemand aus dieser unermüdlichen Helferschar, die natürlich permanent unter Beobachtung steht, wurde in unserem Ortsverband bisher positiv getestet“, betont Simon Redling nicht ohne Stolz.

Große Motivation

Es sei viel los an allen Fronten, sagte er. Besonders erfreulich sei unter diesen ganz speziellen Umständen auch, dass die Motivation der DRKler sehr groß sei und nicht im geringsten nachgelassen habe. Alle seien mit Feuereifer bei der Sache, helfen, wo es etwas zu helfen gibt trotz des gewissen Risikos, das mit den häufigen Pandemieeinsätzen verbunden ist.

Die beiden Ortsvereinsvorsitzenden verhehlten nicht, dass das Engagement der Aktiven im einen oder anderen Fall an Grenzen stößt. Auch finanziell belaste es den Verein, der hier und da für Hygienemaßnahmen in die eigene Tasche fassen muss. Schließlich seien alle gewohnten Einnahmequellen nach dem Wegfall sämtlicher Großveranstaltungen versiegt. Spenden und Mitgliedsbeiträge müssen die „Löcher“ stopfen. Aber es tröstet: „Alles, was wir hier tun, ist das, was wir als gelebte Solidarität und gelebten Bevölkerungsschutz verstehen.“

Impfzentren

Das werde sich auch fortsetzen, wenn die Einsätze in den Impfzentren demnächst in Fahrt kommen. Die Rotkreuz-Helfer werden dort vor allem zur Betreuung der Menschen, die sich impfen lassen, dringend benötigt. Eine weitere „Hochzeit“, auf der dann zu tanzen sein wird auf dem Weg zur Normalität, den Simon Redling so beschreibt: „Was uns wichtig war und wichtig ist: Personen, die isoliert leben, ein stückweit ein paar Kontakte zu ermöglichen. Uns ist klar, dass das von uns nur ein kleiner Beitrag sein kann. Aber einen Versuch ist es auf alle Fälle wert.“

Die beiden DRK-Verantwortlichen weisen dankbar darauf hin, dass ihnen mit Einführung der Digitalisierung eine große Last abgenommen wurde, nachdem sich die deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt bereit erklärte, die Anschaffungen für den Aufbau eines Netzwerks zu übernehmen. In dessen Rahmen wurde es möglich, die Helfer in Video-Sitzungen aus- und weiterzubilden.

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