Schopfheim „Spartacus“ und Karibik-Piraten auf der Bühne

Schopfheim (hjh). Der Frühling erschien pünktlich am Samstag, um sich von zwei großartigen Orchestern unterm Kupferdach zünftig feiern zu lassen.

Bunte Blumen auf der Bühne und auf den Tischen waren das dekorative Beiwerk zu einem frühlingshaften Doppelkonzert, zu dem die Stadtmusik Schopfheim ihr Pendant aus Neustadt hatte über den Feldberg locken können.

An Musikern mangelte es also nicht, dafür allerdings an Publikum. Viele freie Plätze drückten auf die Stimmung vor allem der Gastgeber, die aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl machten. Passivmitglieder der Stadtmusik machten sich ebenso rar wie die Blasmusikfans, die sich bei solchen Konzerten in den vergangenen Jahren noch um einen guten Platz in der Stadthalle gedrängt hatten. Manch altgedientem Stadtmusiker platzte denn auch schier der Kragen ob der bescheidenen Resonanz. .

Am Programm und an der Qualität der beiden Orchester konnte der schwache Besuch jedenfalls nicht liegen. 80 Mitglieder zählt die Stadtmusik Neustadt, in der Klaus Stoy musikalisch das Sagen hat und dem Thomas Vogelbacher vorsteht. Es sind überwiegend junge Leute, die Stoy dirigiert.

Beide Dirigenten hatten sich für eine ausgewogene Mischung moderner und historischer Blasmusik-Literatur entschieden, die das Publikum vielleicht nicht bei jedem Stück vom Hocker riss, aber insgesamt doch sehr beeindruckte.

Die Gäste hielten es mit gediegenen Beiträgen, die Thomas Vogelbacher moderierte. „Yama Midori“ von James Barnes stimmte das Publikum ein in den Part der Neustädter, in dem sich so gut wie alles um das Hauptstück „Spartacus“ von Jan Van der Roost drehte, das dann aber nach Rob Goorhuis „Preludio“ und der spanischen Einlage „Tercio de Quites“ (Rafael Tales) sowie einem der bekanntesten amerikanischen Märsche, „Blaze Away“, in einem wunderbaren „West Side Story“-Medley mündete. Hingerissen spendierte das Publikum rhythmischen Applaus, der mit einer Zugabe belohnt wurde.

Die Gastgeber enterten hernach unter der Leitung von Joachim Wendland mit einer temperamentvollen Antwort die Bühne. Der Schopfheimer Dirigent hielt es mit dem geflügelten Wort von der Würze, die in der Kürze liegt.

Er befasste sich zunächst mit noch lebenden Blasmusikgrößen wie dem Tuttlinger Bernd Glück und dem Karlsruher Bundesmusikdirektor Oliver Grote, aus deren Feder die vortrefflich intonierte „Crossline“ stammt. In der Symphonic Suite „Fluch der Karibik“ trieben es dann Captain Jack Sparrows Piratenkumpane mal wieder recht bunt an Deck des berühmten Geisterschiffes.

Und schließlich durfte Philipp Grether in einem umjubelten Solo „Chum übers Mätteli“ zeigen, dass er das bronzene, silberne und goldene Leistungsabzeichen des Alemannischen Musikverbandes völlig zurecht eingeheimst hat.

Moderator Steffen Artmann provozierte seinen Dirigenten schließlich, als er sagte: „Das folgende Stück spielen wir nur, um zu beweisen, dass wir auch Stücke drauf haben, die außer unserem Dirigenten niemanden vom Hocker reißen“, stichelte er und hatte die Lacher auf seiner Seite, noch bevor er die Pointe abgefeuert hatte: „Aber er ist überzeugt, dass dieses Stück beim Publikum gut ankommt“.

Und siehe da: Das Publikum reagierte genau so, wie sich das Joachim Wendland erhofft hatte: mit jeder Menge Beifall. Wendlands Daumen reckte sich in Richtung Artmann denn auch triumphierend in die Höhe, ehe er den Taktstock hob für die beiden Zugaben, die sich sein Orchester mit exzellenter Musik verdient hatte.

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