Schopfheim „Summt wie ein Bienenschwarm“

Markgräfler Tagblatt, 26.02.2015 23:00 Uhr

Von Werner Müller

Schopfheim-Gersbach. Windstärke acht in der Bergkopfhalle: Beim „Info-Markt“ zu den geplanten Windenergieanlagen rund um Gersbach brummte es kräftig in dem großen Saal, in dem sonst Konzerte und Schulfeiern stattfinden.

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Den ganzen Nachmittag über nutzten Bürger die Möglichkeit, sich an insgesamt acht Infoständen aus erster Hand über Pro und Kontra Windkraft allgemein und die konkreten Pläne vor Ort zu unterrichten und ihre Meinungen auszutauschen.

Den „Info-Markt“ organisiert hatten die Wissenschaftlern von „Dezent Zivil“ im Rahmen ihrer Pilotstudie (wir berichteten). Mit von der Partie waren die potenziellen Projektierer der Windkraftanlagen EWS/Enerkraft für Gersbach und EnBW/Energiedienst für Hasel, der BUND und der Landesnaturschutzverband sowie von Behördenseite der Regionalverband, das Landratsamt, die Stadt und das Planungsbüro Faktorgruen sowie die Organisatoren von Dezent Zivil. Ihre Sicht der Dinge darstellen durften zudem die Windkraftgegner aus Gersbach.

Auf einer Tafel konnten die Besucher mit einem grünen Punkt markieren, was ihnen besonders am Herzen liegt. Demnach zählten vor allem Fragen zur möglichen Gesundheitsrisiken für den Menschen sowie Auswirkungen der Windräder auf die Natur und das Landschaftsbild zu den wichtigsten Themen.

Im Mittelpunkt des Interesses standen indes zweifellos die brandaktuellen Visualisierungen der Windkraftanlagen an Rohrenkopf, Hohe Möhr und Glaserkopf/Oberes Ried, die in der Bergkopfhalle zum ersten Mal zu sehen waren. Sie stammten von der Firma Lenné3D und zeigen Ansichten der Windräder von 20 Standorten aus, auf die man sich vor 14 Tagen gemeinsam mit Gersbacher Bürgern verständigt hatte (wir berichteten).

Die Projektionen zeigten zum einen die Ansichten der konkret geplanten Anlagen (fünf am Rohrenkopf, drei am Glaserkopf) sowie Ansichten mit allen - theoretisch denkbaren – Windrädern(bis zu sieben am Rohrenkopf, vier auf der Hohen Möhr und bis zu acht am Glaserkopf/Oberes Ried).

Nach gut vier Stunden Info-Markt fiel das Fazit der Organisatoren von „Dezent Zivil“

„Die Visualisierungen sind in Ordnung.“

ausgesprochen positiv aus. „Es summt wie ein Bienenschwarm, das ist ein gutes Zeichen und zeugt von intensiven Gesprächen“, freute sich Christoph Ewen.

Die regen Diskussionen stellten auch André-Michel Horelt von „Dezent Zivil“ zufrieden. Er schätzte die Zahl der Besucher auf etwa 100. Auch von den Betreibern der Infostände habe er positive Rückmeldung erhalten. Die Visualisierung sei allseits auf großes Lob gestoßen.

„Die Projektionen waren wirklich in Ordnung“, konstatierte sogar Wolfgang Ühlin von den Windkraftgegnern und betonte, sein Verein sei mit den eigenen Visualisierungen wohl „sehr gut gelegen“. Trotz der Veranstaltung in der Bergkopfhalle ärgerte sich Ühlin über die Informationspolitik der Projektierer, die entweder nichtssagende oder widersprüchliche Auskünfte gäben. Als „Riesenproblem“ bezeichnete Ühlin nach wie vor die Frage der gesundheitlichen Gefahren durch den Infraschall.

Die Windkraftgegner wollen sich nach seinen Worten künftig vor allem um den Schutz des Rotmilans kümmern, der sowohl am Rohrenkopf als auch am Glaserkopf heimisch sei. „Es ist schon paradox, dass wir uns hinter einen Vogel stellen müssen, um den Menschen zu schützen“, so Ühlin.

Gegen „maßlose Übertreibungen, Halbwahrheiten und Horroszenarien“ in Zusammenhang mit der Windkraft argumentierten Klaus Böttger und seine Mitstreiter am BUND-Stand. Kritische Information sei in Ordnung, aber Panikmache dürfe nicht sein.

„Der Rohrenkopf ist für baden-württembergische Verhältnisse ein sehr guter Standort“, betonte Tobias Tusch von den EWS. Von den Windrädern gingen keine Gesundheitsgefährdungen aus, das gelte auch für den Infraschall, war in einer Broschüre zu lesen. Tusch bekräftigte erneut, EWS plane Windkraftanlagen nur am Rohrenkopf, und nicht mehr als fünf an der Zahl. Diese Anlagen könnten bei 2300 Vollaststunden pro Jahr bis zu 15000 Haushalt mit Strom versorgen und zugleich 4,5 Millionen Liter Heizöl ersetzen. „Wir würden nicht investieren, wenn wir von diesem Standort nicht überzeugt wären“, so Tusch.

Beim abschließenden Behörden-Rundgang sorgte EWS-Vertreter Alexander Sladek vermeintlich für eine Überraschung, als er einen baldigen Antrag für die fünf Anlagen am Rohrenkopf ankündigte (siehe gesonderten Artikel).