Schopfheim „Tiger-Modell“ als Notlösung

Schopfheim - „Wir suchen händeringend nach einer Lösung“: Dieses Versprechen gab gestern Bürgermeister Dirk Harscher mit Blick auf das Problem mit dem katholischen Schülerhort, der wegen Personalmangels seinen Betrieb zumindest vorübergehend einstellen musste.

Anlässlich eines Pressegespräches, an dem auch Vertreter der katholischen Kirche teilnahmen, erklärte das Stadtoberhaupt, es gehe hauptsächlich darum, für die Zeit nach den Sommerferien eine Dauerlösung zu finden. Harscher: „Das wird nicht einfach“. Schließlich falle das Fachpersonal bei der Kinderbetreuung nicht vom Himmel.

„Uns tut das sehr leid, wir sind von der Entwicklung selbst überfallen worden“, betonte Pfarrer Michael Latzel namens der Kirchengemeinde als Träger des Schülerhorts.

Andreas Glassen, Leiter der katholischen Verrechnungsstelle, erklärte, nach etlichen Gesprächen habe man für 17 der 21 Kinder des Schülerhorts eine „akzeptable“ Zwischenlösung gefunden – einige seien in der Ganztagsbetreuung der Max-Metzger-Schule versorgt, andere bei Tagesmüttern. Lediglich für vier Kinder gebe es derzeit noch keine Lösung.

Für diese sei derzeit das so genannte „Tiger“-Modell im Gespräch – „Tagesmütter in geeigneten Räumen“. Die Verrechnungsstelle, die im Auftrag der Kirchengemeinde den Schülerhort betreut, habe bereits mit dem Kinderschutzbund Kontakt wegen einer Tagesmüttervermittlung aufgenommen. Allerdings fehle jetzt noch die konkrete Rückmeldung der betroffenen Eltern, ob sie mit einer solchen Lösung einverstanden wären.

Falls nötig, würde die Kirchengemeinde für eine Tagesmutter die erforderlichen Räume zur Verfügung stellen. Und sie würde nach Angaben von Pfarrer Latzel in sozialen Härtefällen auch die anfallenden Mehrkosten für die Kinderbetreuung übernehmen.

Um den Eltern wenigstens in den Osterferien zu helfen, richtet die Kirche im Schülerhort außerdem bis Ende kommender Woche eine provisorische Betreuung ein.

All dies sind jedoch nur Übergangslösungen, die spätestens Ende der Sommerferien auslaufen. Wie es mit dem Schülerhort ab September weiter geht, steht derweil noch in den Sternen.

Andreas Glassen verwies auf die höchst angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt. Fachkräfte für die Kinderbetreuung seien derzeit kaum zu finden, berichtete er. Bislang habe sich auf die zwei freien Stellen trotz intensiver Suche gerade mal eine Person gemeldet. „Wir sind für jede Bewerbung dankbar“, so Glassen. In Frage kämen auch Interessenten aus artverwandten Berufen. Die Konfession der Bewerber spiele dabei keine Rolle. „Wir handhaben das offen“, so Pfarrer Latzel.

Sollten indes alle Stricken reißen und die beiden offenen Stellen im Schülerhort bis Ende Mai nicht besetzt sein, will die katholische Kirchengemeinde entscheiden, ob sie die Einrichtung endgültig schließt.

In diesem Fall wäre dann die Stadt am Zug. „Das wäre für uns der worst case“, räumt Bürgermeister Dirk Harscher ein. Ihm ist deshalb daran gelegen, dass die katholische Kirche so früh wie möglich entscheidet, damit die Stadt die Weichen rechtzeitig stellen kann.

Das wird schwer genug. „Ersatz für den Schülerhort zu finden, ist schwierig“, gesteht Fachbereichsleiter Jürgen Sänger. Immerhin geht es um derzeit 21 Kinder, dazu kommen noch einmal 25, die auf der Warteliste stehen. Und die allgemeine Fachkräftemangel auf diesem Sektor trifft auch auf die Stadt zu. „Auf die Schnelle haben wir noch keine Lösung“, so Sänger.

Nicht einverstanden sind sowohl Kirche als auch Stadt mit der zum Teil harschen Kritik von Elternseite. „Die Stadt kann nichts für die aktuelle Situation“, betont denn auch Pfarrer Michael Latzel.

Bürgermeister Dirk Harscher hält die Verlautbarungen von Elternseite ebenfalls für unangebracht. „Wir tun sehr viel für die Kinderbetreuung, der Vorwurf geht ins Leere“. Jürgen Sänger ergänzt, dass der Gemeinderat noch nie ein Projekt der Kinderbetreuung abgelehnt habe. Nach seinen Worten stehen in Schopfheim 700 Kindergartenplätze zur Verfügung, davon 330 in freier und 370 in städtischer Regie. Das entspreche einem Deckungsgrad von 90 Prozent. „Damit sind wir im Kreisvergleich gut unterwegs“, versichert er.

Kontakt: Verrechnungsstelle für Kath. Kirchengemeinden Tel. 07622/6760-0 Mail: info@vst-schopfheim.de

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