Von Anja Bertsch

Whisky ist weltweit en vogue und schottische Kultur zugleich. In Rahmen eines VHS-Seminars gab es unlängst eine geschmackvolle Bildungsreise durch die sechs schottischen Whiskyregionen.

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Schopfheim. In trauter Herrenrunde mäandert Seminarleiter Thomas Ide locker plaudernd durch die weite Welt des Whiskys, erklärt die feinen Unterschiede zwischen Single-Malt-Whisky und dem großen Rest und vermittelt nebenbei farbige Impressionen von schottischer Regen- und Kulturlandschaft, von Mentalitäten und Traditionen.

Grundlage eines jeden Whiskys ist Getreide, und während es für die günstigeren Whiskysorten ein Verschnitt aus verschiedenen Getreidesorten („Grain“) sein darf, muss es für den „Malt“ beim reinen und vergleichsweise teuren Gerstenmalz bleiben.

Das Prädikat „Single Malt“ dürfen sich nur solche Whiskys an die Flasche heften, die aus einer einzigen Destillerie stammen. Der große Rest - etwa 90 Prozent der Produktion - sind „blended“, sprich: aus verschiedenen Sorten mehrerer Brennereien hergestellt. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, macht Ide klar, aber: Höchste Qualität geht eben anders.

Über mehrere, großteils der Bierbrauerei analoge Produktionsschritte wird aus der Gerste der „Wash“. Wichtiger (und neben Wasser einzig erlaubter) Rohstoff ist dabei die Hefe, die dafür sorgt, dass der Stoff an Alkohol und Geschmack gewinnt. In zwei Brenndurchläufen (in Irland sind es drei) wird in Schottland der Wash zum Alkohol

40 Prozent müssen es schon sein

destilliert: 40 Prozent müssen’s schon sein, damit sich die Flüssigkeit später überhaupt Whisky nennen darf, erklärt Ide; besser sei mehr: Entgegen anderslautender Gerüchte nämlich werde das Getränk mit steigendem Alkoholgehalt keineswegs zwangsläufig schärfer.

Vielmehr sorgt gerade die Alkoholstärke für Intensität und Nachklang des Aromas: „Der 40-Prozenter ist das Eau de Toilette; 60 Prozent sind das echte Parfum“, schwärmt Ide.

Nach dem Destillieren wird der Alkohol in Fässer gefüllt. Und dann braucht’s erst mal Zeit: Mindestens drei Jahre und einen Tag muss der Alkohol lagern, in einem Eichenfass, das wiederum in Schottland steht - dann erst, und nur dann darf das Ganze sich „Scotch Malt Whisky“ nennen. Für die Hochqualitätsprodukte der Kategorie „Single malt“ geht die Reifezeit eher Richtung ein, zwei Jahrzehnte.

Während dieser Zeit gewinnt der Alkohol an Aroma - und an Wert: Kostet der Rohalkohol für die Befüllung eines 200-Liter-Fasses etwa 2000 Pfund, so ist nach der Verwandlung zum Whisky das Zehnfache fällig, oder auch mehr. „Nach oben gibt es keine Grenzen“, so Ide.

Seinen typisch rauchigen Geschmack allerdings bekommt der Scotch schon weit vor der Reifezeit im Fass beigebracht, indem nämlich die gemälzte (eingeweichte, angekeimte) Gerste über Torffeuern getrocknet wird.

Selbstredend blieb es an diesem Genussabend keineswegs bei trockenen Infos: Zu jeder Region servierte Whiskykenner Ide einen hochprozentigen Hochkaräter. Ob man sich als Neuling nun den fachmännischen Einordnungen zwischen „leicht grasig“ und „schmutziger Kräuternote“ und einem „Klümpchen Asphalt“ umstandslos anschließen kann, sei dahin gestellt. Tatsächlich aber entfaltet sich in den Gläsern eine faszinierende Geschmacksvielfalt. Zum echten „Torftrinker“, der die massive Rauchnote etwa des „buair an diabhail“ zu schätzen weiß, fehlt sicherlich noch ein ganzes Stück, aber: Mit ein wenigErfahrung könnte das schon werden. In diesem Sinne: „Sláinte“ - Prost!