Schopfheim „Und fertig ist das Mondgesicht“

Flötistin Lailah Roos und Sprecher Wernfried Hübschmann nahmen die Zuhörer mit auf eine literarisch-musikalische Mondreise. Foto: Jürgen Scharf

Schopfheim - Alle blicken zum Mond. In Fernseh- und Radiosendungen und Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt wird an 50 Jahre Mondlandung erinnert. Auch die Schopfheimer Mittwochsgesellschaft ließ sich in Kooperation mit der VHS eine literarisch-musikalische Revue zu diesem Jubiläum der Himmelsreise einfallen.

Eine halbe Milliarde Menschen fieberte vor den Fernsehgeräten bei der spektakulären Landung am 20. Juli 1969 mit, als Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Einen kleinen Exkurs dieser legendären Apollo-Mission bot die musikalische Lesung zum 50. Jahrestag der Mondlandung, die viele Interessierte ins Café am Hebel lockte.

Der Veranstaltungsraum war vollbesetzt bei diesem bezaubernden Programm, das die Mittwochsgesellschaft in dieser Art noch nicht hatte.

Das Licht einer Discokugel illuminierte die Decke des Raums; so konnte man sich das Universum besser vorstellen und den Start der Saturnrakete an jenem denkwürdigen Tag, an dem die Astronauten zu ihrer Reise Richtung Mond aufbrachen. Sogar der Originalton vom Countdown wurde eingespielt.

Originalton vom Countdown

Da musste Wernfried Hübschmann, Schriftsteller, Sprecher, Rezitator und Initiator der Mittwochsgesellschaft, auch und gerade an „Peterchens Mondfahrt“ erinnern, jene Geschichte über die Abenteuer des Maikäfers Herrn Sumsemann, die ja auch gut ausging.

Im Wechsel zwischen Lesung, Rezitation und Musik erfuhr man Spannendes über das Thema „Mond“ in der Literatur und in Kompositionen. Den Abend gestaltete Hübschmann abwechselnd mit der Flötistin und Musikpädagogin Lailah Roos, mit der er das Duo Jahreszeichen bildet.

Hübschmann trug zwei eigene Gedichte, darunter ein Mondschein-Sonett, vor, und ging bis zur Barockliteratur eines Matthias Claudius zurück.

Gedichte von Goethe, der vom „herrlichen Mondschein“ schwärmt, Hölderlin, Klopstock und Eichendorff, vom dem das bekannteste aller Mondgedichte, die romantische „Mondnacht“ stammt, zeigten ebenso wie drei skurrile Christian-Morgenstern-Poeme aus den „Galgenliedern“ über Mondendinge und das Mondschaf, wie sich die Dichter gedankenvoll mit dem Mond beschäftigten. Auch Hebels „Mann im Mond“ wurde respektvoll erwähnt.

Als Bild und Metapher reichte das Spektrum von Blue Moon bis Blutmond. Gefallen konnte die vom Sprecher sehr professionell vorgelesene, schöne kindgerechte Erzählung aus dem Kinderbuch „Der kleine Häwelmann“ von Theodor Storm. Und kennt nicht jeder den lustigen Kinderreim: „Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht“?

Bei diesem Ausflug zum Erdtrabanten konnte man manches Lyrische aus Schulzeiten wieder auffrischen. Das berühmte „Abendlied“ von Claudius, geschrieben in einer Zeit, als die Welt noch eine andere war, eines der beliebtesten Mondgedichte der deutschen Literatur mit der Anfangszeile „Der Mond ist aufgegangen“, die dem Programm den Titel gab.

Von Blue Moon bis Blutmond

Die Flötistin, die zwischen Quer- und imposanter Bassflöte wechselte und am Klavier Beethovens Mondscheinsonate intonierte, hatte sich Stücke ausgesucht, die mit dem Himmelskörper und dem Sehnsuchts- oder Nichtort Mond zu tun hatten. Dabei erklangen Melodien von Franz Schubert, Robert Schumann, von dem die bekannteste Eichendorff-Vertonung der „Mondnacht“ stammt, Beethovens Variationen über „Guter Mond...“, Debussys Mondschein-Impression „Clair de Lune“ bis zu Wil Offermans „Luna y Sierra“ und Frank Sinatras „Fly me to the Moon“ als virtuoses Flötensolo - eine Erinnerung daran, dass der Sinatra-Song in der Eagle-Mondfähre per Funk übermittelt wurde und weltweit über alle Radiostationen zu hören war.

So hat man bei dieser poetischen Entdeckungsreise zum Mond die einzigartigen Fernsehbilder zwar nur vor dem geistigen Auge gesehen. Dafür waren zwei große Tafeln mit stimmungsvollen Mondfotografien von Konrad Grund aufgehängt, die nächtliche Atmosphäre suggerierten. In rund 75 Minuten haben die Zuhörer den Mond ein Mal umrundet – zumindestens symbolisch – und sind wieder sicher gelandet.

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