Schopfheim „Unser Feind ist der Hass“

Markgräfler Tagblatt

Schopfheim (hf). Seit etwa 50 Jahren leben Aleviten in Schopfheim und Umgebung. Sie sind hier längst heimisch geworden und haben sich in ihre neue Heimat integriert. Trotzdem weiß man sehr wenig über diese Glaubensrichtung.

Um dem abzuhelfen und sich deutlicher der Öffentlichkeit vorzustellen, hatte die Alevitische Gemeinde dieser Tage zu einem Informationsabend in das CEM-Haus in Schopfheim eingeladen.

Zu dem Anlass waren Ernes Barnet als Vertreter der Stadt, Vertreter der beiden christlichen Kirchen und einige interessierte Bürger erschienen.

Einleitend stellte Ali Karakas, der Vorsitzende des Vereins der Alevitischen Gemeinde, fest, dass die hiesigen Aleviten sich nicht als Muslime, sondern als Anhänger einer ganz eigenen Glaubensrichtung verstehen.

„Wir leben eine Glaubensform, in der Toleranz und die Ablehnung von Gewalt sowie die Achtung der Menschenrechte grundlegende Werte sind“, betonte Ali Karakas. Um die Grundgedanken dieses Glaubens- und Lehrsystem zu veranschaulichen, referierte im Anschluss der alevitische Gelehrte Zeynel Arslan aus Murg unter dem Titel „Humanologie und Philosophie der alevitischen Lehre“über die Grundgedanken der alevitischen Lehre.

Arslan begann seinen Vortrag mit zwei Beispielen darüber, wie Menschen ihren Glauben verstehen können. Einer geht nur gebückt seinen Weg und erklärt, er achte darauf, bei seinen Schritten keine Ameise zu zertreten. Ein anderer versichert, aus seiner Überzeugung heraus sei er bereit, für seinen Glauben zu sterben und auch Ungläubige zu töten.

„Hier zeigt sich eine grundlegende Diskrepanz zwischen dem, woran man glaubt, und dem, wie man glaubt“, betonte der Gelehrte. Es sei das Tun in der menschlichen Gemeinschaft, das den Ausschlag gebe. Im Mittelpunkt des Glaubens der Aleviten stehe der Mensch, die Haltung einer universellen Ethik.

„Das Alevitentum ist ein Weg nach Innen, ein Weg der Selbstfindung, letztlich ein mystischer Weg“, so Zeynel Arslan. Nicht das Trennende soll gesucht werden, sondern das Gleiche in allen Menschen. Die wesentlichen Elemente seien Menschenliebe, Freundschaft und Toleranz.

Die Aleviten vertreten eine Form der Weltethik, zu der auch das Streben nach Wissen gehört als Voraussetzung der Menschenliebe. „Wissen ist auch, sich selbst zu erkennen“, betonte Arslan, denn der Mensch sei das Maß aller Dinge. „Alles, was es in der Welt gibt, findet sich auch im Menschen.“

Die Aleviten verehren Ali ibn Abi Talib, den Vetter und Schwiegersohn Mohammeds. „Die Heiligkeit Ali“, der später als Kalif ermordet wurde, habe Mohammed am nächsten gestanden und ihn auch am besten verstanden, heißt es. Aber die Aleviten gehörten nirgends dazu, sie seien seit 1400 Jahren ganz eigenständig, erklärte Zeynel Arslan. Als ihre Aufgabe begreifen sie, über den eigenen Frieden den Frieden in die Welt zu tragen.

Musik und Tanz sind wesentliche Bestandteile des alevitischen Kults. Dede Zeynel Arslan begleitete sich nach seinem Vortrag auf der türkischen Laute und stimmte den „Rosenruf“ an: „Unser Name ist Bescheidenheit – unser Feind ist der Hass – Wir hassen niemanden“.

Jugendliche der Gemeinde führten einen kultischen Tanz vor.

Anschließend konnten sich die Besucher auf Einladung der Alevitischen Gemeinde davon überzeugen, dass die anatolische Küche aus weit mehr besteht als nur aus Döner.

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