Schopfheim Unter zehn Millionen Euro geht nix

Den Campus im Genick, das Bildungshaus im Blick: Noch während das eine Großprojekt im Bau ist, zeichnet sich am Horizont das andere schon ab. Das wird voraussichtlich zwar keine 37 Millionen Euro kosten – weniger als zehn aber auch nicht.

Von Werner Müller

Schopfheim. Diese Erkenntnis nahmen die Stadträte aus der jüngsten Sitzung des BUT-Ausschusses nach Hause, nachdem sie sich drei Machbarkeitsstudien zum geplanten Bildungshaus in Langenau zu Gemüte geführt hatten.

Ziel dieser Studien sei, der Verwaltung und dem Gemeinderat „Grundsatzideen für das weitere Vorgehen zu liefern, erklärte Architekt Marc Lösch, der die drei Arbeiten begutachtet hatte und im Gremium vorstellte.

Die drei Architekturbüros hatten die Aufgabe, Kindergarten und Schulen miteinander zu verbinden, um „erfolgreiches Lernen“ zu ermöglichen, sowie Räumlichkeiten für Vereine, Jugend und Ortsverwaltung in der Halle zu integrieren.

Dabei waren sowohl Neubau von Schule und Halle als auch deren Erweiterung beziehungsweise Sanierung zulässig. Aufgrund der knappen Finanzen der Stadt sollte das Projekt zudem in mehreren Bauphasen zu verwirklichen sein. Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit (Blockheizkraftwerk) sei zu beachten gewesen, so Lösch.

Einzig das Büro Held aus Lörrach schlage nur einen Teilabbruch der Schule vor. Das Büro Kuri aus Schopfheim arbeite mit einem „kompletten“ Neubau der Schule und halte einen solchen auch bei der Halle als Alternative zur Sanierung für denkbar. Das Büro Moser aus Lörrach wolle sowohl Schule als auch Halle abreißen und durch Neubauten ersetzen.

Die groben Kostenschätzungen – plus/minus 40 Prozent – belaufen sich von rund zehn Millionen (Held und Moser) bis zu 13 beziehungsweis 15 Millionen Euro (Kuri). Diese Summen seien aber „nur schwer zu vergleichen“, weil die Architekten mit verschiedenen Flächen arbeiteten, so Lösch. Entscheidend sei indes die Erkenntnis, dass sich Neubau- oder Sanierungslösungen finanziell nicht unterscheiden.

Neubau oder Sanierung finanziell gleichwertig

Die Studien seien insgesamt „sehr aufschlussreich“, betonte Lösch. Hätten sie doch gezeigt, dass es noch vieler weiterer Voruntersuchungen bedürfe, bis das Projekt entscheidungsreif sei. All diese Fragen seien zu klären, um dann mit einem „Katalog“ der Anforderungen erneut einen kleinen Wettbewerb mit drei Büros durchzuführen, die dann alle mit den „gleichen Voraussetzungen“ ans Werk gehen können.

Der Klärungsbedarf am Ratstisch war entsprechend groß. Thomas Gsell (SPD) wollte mit Blick auf die Kosten von mindestens zehn Millionen Euro wissen, ob diese Summe in der Mittelfristigen Finanzplanung enthalten sei.

Derzeit seien im Haushalt 2021 nur Planungskosten enthalten, erwiderte Martina Milarch vom Gebäudemanagement der Stadt. Bei den Beratungen für den Haushalt 2022 müsse der Gemeinderat über die Finanzierung entscheiden. Sie wies darauf hin, dass die Stadt mit der Erweiterung von Schule und Kindergarten „ein bisschen in Zugzwang“ sei. Mit dem ersten Bauabschnitt sei nicht vor dem Jahr 2025 zu rechnen, so Milarch. Dann sei der Campus „vorbei“. In jenem Jahr stehe allerdings auch die Sanierung der Max-Metzger-Schule im Kalender.

„Die großen Millionenbeträge sind noch nicht im Haushalt“, bestätigte Bürgermeister Dirk Harscher. Momentan liege nur eine „Vorstudie“ auf dem Tisch. „Wir haben noch einen langen Prozess vor uns“, so das Stadtoberhaupt. Mindestens noch bis ins Jahr 2023 bewege man sich im Planungsbereich. Spätestens mit der Neubebauung im „Loh-Nord“ sei die Grundschule Langenau jedoch an der Reihe. „Das ist eine Pflichtaufgabe“, so Harscher.

„Diese Machbarkeitsstudie war ein richtiger erster Schritt“, erklärte Walter Würger. Der Stadtrat der Freie Wähler und Ortsvorsteher von Langenau wies auf das modulare Vorgehen hin, dass es erlaube, die Kosten auf mehrere Jahre zu verteilen. „Das ist seit sieben Jahren eines der wichtigsten Projekte für uns“, betonte Würger.

Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur bei Schulen und Kindergärten gebe es allerdings auch in anderen Teilen der Stadt, gab Peter Ulrich (SPD) zu bedenken. Insofern sei eine Gesamtplanung für die nächsten 20 Jahren dringlicher denn je.

Felix Straub (Grüne) hielt die Vorgehensweise mit der Machbarkeitsstudie „prinzipiell für gut“. Auch Jeannot Weißenberger (CDU) fand dies „absolut richtig“.

Und wie geht’s jetzt weiter? Im nächsten Schritt müsse der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden, erläuterte Martina Milarch. Die Bestandsgebäude Schule und Halle seien näher zu untersuchen, die Bedarfsplanung sei zu präzisieren; ein Raumprogramm müsse her, die Stadt habe Fördermöglichkeiten abzuklopfen und eine Prognose über die künftigen Schülerzahlen zu erstellen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse könne man dann erneut einen Wettbewerb ausschreiben.

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